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Freitag, 2. September 2016

Der Tenor Robert Philipp (1852-1933)

Robert Philipp


Obwohl Robert Philipp (mit einem L und zwei P!) von 1890 bis 1930 an der Berliner Hofoper und dann Staatsoper sang, ist er dem heutigen Sammler nicht als herausragender Sänger in Erinnerung geblieben. Seine Tenorstimme war ein eher leichter Tenor, der seine besten Leistungen als Fra Diavolo, in Lortzings Opern und in Operetten erzielte. Unvergessen für die Geschichte der Oper ist er dadurch, dass er 1895 in der Uraufführung des Oper "Der Evangelimann" von Wilhelm Kienzl mitwirkte, die im wilhelminischen Deutschland sehr populär wurde und allein an der Hofoper in Berlin bis 1908 über 100 Aufführungen erlebte. Allerdings war für mich nicht herauszufinden, in welcher Rolle er in dieser Uraufführung sang. Die tenorale Hauptrolle des Matthias wurde von Eloi Sylva (1843-1919), einem belgischen Tenor, der keine Schallplatten hinterlassen hat, gesungen. Für Philipp blieben also bestenfalls die Rollen des Xaver Zitterbart (eine Tenorbuffo-Partie) und die kleine Partie des Hans, eines Bauernburschen übrig. Ich würde vermuten, dass er diese Rolle gesungen hat, weil er das Spottlied des Hans, die einzige Arie dieser Rolle, auch auf Schallplatte aufnahm. Die Arie des Matthias "Selig sind, die Verfolgung leiden", nahm er später, wie die meisten Tenöre seiner Generation, ebenfalls auf.











Schallplattenaufnahmen gibt es von ihm, in Anbetracht der langen Karriere, nur sehr wenige Sie sind nicht schlecht, aber auch nicht begeisternd. Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Sänger hauptsächlich beschäftigt habe, weil ich mich für die Zeit der Berliner Hofoper vor dem ersten Weltkrieg sehr interessiere und sich bei mir viele Ansichtskarten mit Bildern von Robert Philipp angesammelt haben. Sie zeigen ihn in seinen erfolgreichen Rollen und manchmal mit berühmten Kollegen. Das machte mich neugierig auf Robert Philipp. Ich kann nun nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, aber ich würde sagen, dass die Aufnahmen seine Wichtigkeit für die Berliner Oper nicht wiederspiegeln. Diese liegt wohl zum einen daran, dass er sehr lange dort gesungen hat und dann auch vielseitig einsetzbar war. Sein Timbre ist nicht sehr charakteristisch, Trotzdem wird er seine Bewunderer gehabt haben, wie die Menge der Ansichtskartenmotive zeigt. Später war er dann Spezialist für Nebenrollen. Ich möchte hier die Bilder zeigen und ein paar Aufnahmen von ihm vorstellen.


Robert Philipp als Fra Diavolo

Philipp, Robert, Tenor, * 21.11.1852 Offenbach a.M., † 12.8.1933 Berlin; er war zuerst Schauspieler und war als solcher seit 1870 am Walhalla-Theater, seit 1877 am Belle-Alliance-Theater in Berlin engagiert. Er wurde dann Operettentenor und trat 1883-83 am Wallner-Theater, 1884-87 wieder am Walhalla Theater Berlin auf. Bereits 1882 nahm er an einer Rußland-Tournee der Hasse-Operettengesellschaft teil. Er trat in dem Jahrzehnt 1880-90 auch am Berliner Friedrich-Wilhelm-Theater auf. Der Intendant der Berliner Hofoper Graf Hochberg veranlaßte ihn jedoch, sich dem Operngesang zuzuwenden. 1890 sang er aushilfsweise an der Berliner Hofoper den José in »Carmen« darauf wurde er Mitglied dieses Opernhauses. Vierzig Jahre hindurch ist er an der Hofoper (der späteren Staatsoper) Berlin geblieben; er erlangte als lyrischer Tenor in Berlin größte Beliebtheit und sang Partien wie den José in »Carmen«, den Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, den Faust von Gounod, den Tamino in der »Zauberflöte«, den Don Ottavio im »Don Giovanni« und den Fra Diavolo in der gleichnamigen Oper von Auber. Er übernahm dann aber auch Partien aus dem Buffo- wie dem Charakterfach. Er sang an der Berliner Hofoper am 9.6.1894 in der Uraufführung der Oper »Angla« von F. Hummel, am 4.5.1895 in der Uraufführung der Oper »Der Evangelimann« von Wilhelm Kienzl, am 18.11.1898 in »Don Quixote«, am 28.1.1902 in »Heilmar, der Narr«, ebenfalls Opern von W. Kienzl, am 10.4.1900 in »Die Beichte«, wieder einem Werk von Ferdinand Hummel, am 27.3.1897 in »Enoch Arden« von Victor Hansmann, am 18.4.1899 in »Mudarra« von F. Le Borne, am 15.12.1904 in der (wenig erfolgreichen) Uraufführung von Leoncavallos »Der Roland von Berlin«, am 14.4.1905 in »Die Heirat wider Willen« von E. Humperdinck. Er gab Gastspiele an den Hoftheatern von Dresden (1900, 1903), Wiesbaden (1899), Weimar (1906), Schwerin (1897) und München (1916), an der Oper von Frankfurt a.M. (1902) und am Theater des Westens Berlin (1899, 1902). 1893 sang er am Hoftheater von Gotha in der Uraufführung der Oper »Die Rose von Pontevedra« von Josef Foerster. Er gastierte u.a. auch in St. Petersburg und Moskau, doch hatte er seine größten Erfolge in der deutschen Hauptstadt. Er war zeitweilig verheiratet mit der Sopranistin Marie Dietrich (1865-1940) die gleichfalls Mitglied der Berliner Hofoper war. Bis 1930 ist Robert Philipp an der Berliner Oper aufgetreten, zuletzt nur noch in kleineren Rollen. Er betätigte sich in Berlin auch als Pädagoge.

Seine lyrische Tenorstimme ist durch Schallplatten der Marken G & T (Berlin, 1904), Beka (Berlin, 1904), Lyrophon (Berlin, um 1908), Favorit (Berlin, 1904), Odeon (Berlin, 1905), Columbia (Berlin, 1904), Anker und HMV erhalten; auch Edison-Zylinder. Sang auf G & T in vollständiger »Fledermaus«- Aufnahme (1907).
[Lexikon: Philipp, Robert. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 19093 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2728 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]





Robert Philipp mit Rudolf Berger in "Der schwarze Domino" (Auber)

Robert Philipp mit Emmy Destinn in "Die Heirat wider Willen" (Humperdinck)
Diese Oper von Humperdinck wurde im April 1905, einen Monat vor dem Evangelimann, uraufgeführt. Auch hier war Philipp beteiligt, ebenso wie Rudolf Berger und Emmy Destinn. Es folgen nun vier Karten nach dem Motto: "Gleiche Pose, andere Rolle".

Robert Philipp als Tonio in "Die Regimentstochter" (Donizetti)

Robert Philipp in "Zar und Zimmermann" (Lortzing)
Robert Philipp in der "Zauberflöte"

Robert Philipp in der Oper "Das Heimchen am Herd" (Goldmark)

Zu den Aufnahmen

Die Aufnahmen meiner Playlist stammen alle aus der Sächsischen Landes- und Universitätbibliothek Dresden. In meiner Sammlung hatte ich keine einzige Platte von Philipp...
Seine Diskographie ist recht schmal, die meisten Titel sind selten. Am ehesten begegnet er dem Sammler als Eisenstein in der ersten kompletten Aufnahme der "Fledermaus" der Gramophone von 1907 sowie als Beppe in der Gesamtaufnahme des "Bajazzo" der Odeon von 1909. Ich hoffe, dass ich die beiden Gesamtaufnahmen eines Tages hier im Blog veröffentlichen kann.

Die Aufnahmen der Playlist geben einen guten Querschnitt durch sein Repertoire und seine Bandbreite.


Robert Philipp (1852-1933)

   1. Evangelimann: Selig sind, die Verfolgung leiden (Odeon 34505, Bx 967, 1905)

  2. Auftritt der Martha und des Mathias aus "Evangelimann" : Salve Regina / (Kienzl)    
            +Marie DIETRICH (Gram 044065, 187 s)

  3. Scene der Magdalena und des Mathias aus "Evangelimann" : Habt Dank auch / (Kienzl)
            + Ida von SCHEELE-MÜLLER (Gram. 044066, 188 s)

  4. Spottlied des Hans aus "Evangelimann": O Zitterbart, o Zitterbart (Kienzl)
            Zonophone X-22085, 12088 h

  5. Freischütz: Durch die Wälder, durch die Auen
            Odeon 34509, Bx 971

  6. Cantilene aus Carmen (Blumenarie) (Odeon 34506, Bx 968)

  7. Carmen: Hier an dem Herzen (Lyrophon 14186)

  8. Fliegender Holländer: Mit Gewitter und Sturm (Lyrophon 14196)

  9. Walküre: Winterstürme wichen dem Wonnemond (Odeon 34575, Bx 1082)

10. War einst ein junger Springinsfeld : aus "Waffenschmied" (Lortzing)
            Gramo 3-42796, 2905 r, 1907

11. Man wird ja einmal nur geboren : aus "Waffenschmied" (Lortzing))
            Gramo 3-42797, 2906 r, 1907

12. Lied des Marquis aus "Czar und Zimmermann": Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen          (Lortzing) Zonophone X-22684, 12087 u, 1907

13. Bajazzo Teil 18: Die Komödie der Columbine +Marie DIETRICH, Otto MARAK
            Odeon 76047, xxB 4589, IX. 1909


 DOWNLOAD MP3 Mediafire




Robert Philipp, Pressefoto von ca. 1919



Ich habe zwei Wochen in alten Musikzeitschriften zwischen 1899 und 1922 nach Informationen über Robert Philipp gesucht und bin nicht fündig geworden. Auch da bleibt er ein Sänger ohne Eigenschaften...

In einer 30 Jahre alten privaten Sammlerzeitschrift (STIMMEN, DIE UM DIE WELT GINGEN Nr. 9, 1985) fand ich aber ein Transkript eines Interviews mit ihm. Es stammt vom 04.III.1930 aus der Rundfunksendung "Funkstunde" und ist ausschnittweise festgehalten auf den beiden einseitigen 30cm-Platten RRG 436 und 437. Der Verfasser Hans Lahme bemerkt zurecht:

"Die Technik der Führung eines Interviews steckte damals wohl noch in den Kinderschuhen. Im Vergleich zur heutigen Perfektion  muss man aber den Mut des Sprechers bewundern, sich auf eine Live-Reportage offensichtlich ohne Absprache  und ohne Manuskript einzulassen. Im Protokoll wird versucht, die Stimmung der Aufnahme einzufangen, es ist nichts gestrafft oder geschönt. Wie aus den Lebensdaten her­vorgeht, war Philipp zur Zeit des Interviews 77 Jahre alt."

Aus dem teils chaotischen, teils nichtssagenden Gespräch geht hervor, dass er immer noch an der Oper aktiv war und ihm dies sehr wichtig für seinen Lebenssinn war, und dass seine Stimme in dem Alter noch weitgehend intakt war. Dies lag auch daran, dass er auf Partien wie den Lohengrin verzichtet hat. Ich gebe hier den Text der beiden Plattenseiten wieder, wie Hans Lahme ihn 1985 übermittelt hat.

Interview:   Kammersänger Robert  Philipp                              
H. Lenz      4.III.1930
Kapellmeister (Klavier) unbekannt

RRG 436

Gesang und Klavier: Wanderlied ( Komponist: Robert Schumann,
Worte: J. Kerner) ausklingend zum Schluß:
Ade nun ihr Berge, du väterlich Haus!
Es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus,
es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus.

Dreimal Beifallklatschen des Interviewers H. Lenz.

H. Lenz: Das war ja herrlich, Herr Kammersänger. Ich kann mir vor­stellen, daß alle Hörer jetzt in hellen Beifallsjubel aus... eh ... ausbringen wollen, die ru... und rufen: Da capo, da capo, noch ein Lied. Es ist unbedingt nötig, daß Sie noch etwas zum besten geben. Mit einem Gesang kommen Sie nicht davon. Wie wäre es noch mit einem klei­nen Liedchen? Na, sagen wir Schubert vielleicht. ... Sie werden doch irgendwie noch etwas gern singen ... möchten?

R. Philipp: Schubert ... gern zugeben für Sie, wenn es Ihnen an­genehm ist? '

H. L. : Aber sicherlich. Nicht mir, sondern allen den Hörern. Die werden sich freuen, noch ein Lied zu hören. Vielleicht. Bitte, Herr Kammersänger! ... Herr Kapellmeister!

Gesang und Klavier: Ungeduld (Komponist: Franz Schubert, Worte: W. Müller)

H. L. : Das war ja wunderbar. Da kann man nur sagen, Sie haben Ihre Zuhörer bezaubert. Aber wie ist es möglich, daß man bei diesem Alter noch diese Frische der Stimme hat, daß man nichts an der Routine verloren, noch ohne jede . .. ohne jedes Hindernis singt, wie ein Jüngling. Vielleicht erzählen Sie uus etwas über Ihre Gesangstechnik?

R. Ph.: Ach Gott, da laßt sich sehr viel sagen. Da möcht' ich ... mir ... he ... da möcht'ich doch nicht die ... gewisser­maßen ... eh ... irgendwie ... also ... ein wirklich ab­schließendes Urteil bilden ... Es ... Ich fühle mich nicht berufen dazu, muß ich ganz ehrlich gestehen.

H. L. : Ja, ich meine ... schlie... eh ... glauben Sie, daß Ihre Gesangstechnik nur auf eine Begabung oder nur auf Talent zurückzuführen ist? Oder gehört dazu auch tägliches üben, Immer wieder von neuem studieren, immer wieder sich be­mühen?

R. Ph.: Ach ja nun, das ist doch wohl selbstverständlich, nicht wahr. Ich meine, ... daß die ... daß ich die Stimme habe, das ist Gottes Gabe, das ist 'ne Begabung. Natürlich. Aber die muß auch natürlich durch Fleiß und Studium also auch gewissermaßen ausgemerzt (?) werden auch ... eh ... auch gefördert werden. Das versteht sich.


RRG 437

R.Ph,: Ich könnte auch ohne Arbeit gar nicht existieren. Ich glaube, wenn ich heute vom Theater abging, oder wenn ich heute nicht mehr singen könnte, ich glaube, ich würde ... sterben,

H. L. : Sind Sie bei diesen Proben zu Haus Ihr eigener Lehrmeister und Ihr eigener Kritiker?

R. Ph.: Das versteht sich. Gott sei Dank. Ja. Ich bin an mir der strengste Kritiker sogar. Es gibt keinen strengeren..

H. L. : Üben Sie es, wenn Sie einen Fehler bemerken, oder das Ge­fühl haben, daß es noch nicht ganz klappt, immer wieder, bis es klappt? Ich meine, am nächsten Tage?

R. Ph.: Aber selbstverständlich. Oh, selbstverständlich. Zum Bei­spiel seinerzeit, als ich den, den ... eh ... Faust hier im Opernhaus zum erstenmal sang ...

H. L. : Wann war das ungefähr?

R. Ph.: Na, das ist also ungefähr her, das sind ...eh... 15, das sind 15 Jahre her, da sang ich noch den Faust in Margarethe,

H. L. : Ja, ja ich weiß.

R. Ph.: Und diese Kavatine, die bekannte Kavatine ...

H. L. : Ja?
R. Ph. : ...die hab' ich wohl, ich möchte beinah sagen ... wohl ... stü... eh ... wohl täglich, täglich und täglich, täglich immer wiederholt, bis sie mir so in der, in der ... in der, in der Stimme lag, daß nichts mehr passieren konnte.

H. L. : Also, das Geheimnis, eine solche Stimme zu behalten und eine solche Stimme auch in ihrem Wert zu erhalten, liegt wohl darin, daß man immer wieder daran arbeitet, daß sie nicht zugrunde geht, daß auch nichts abfällt von dieser Stimme?

R. Ph.: Das versteht sich von selbst, denn ich möchte sagen, so­bald man also ruht und rastet, dann rostet natürlich die Stimme, das ist doch wohl ... das ist doch wohl ganz be­stimmt ... anzunehmen, meine ich.

H. L. : Ja.. Wenn Sie nun proben, welche Rollen oder überhaupt Lie­der ... suchen Sie sich das aus oder ...

R. Ph.: Ja, ja, ja, ja Gott.

H. L. : Haben Sie Ihre bestimmten Steckenpferde dabei?

R. Ph.: Ach Gott, ja Gott. Ich singe fast immer ... weil ich ohne Gesang gar nicht existieren kann. Ich singe alles natür­licherweise ... Allerdings im ... als Opernsänger habe ich mich allerdings gehütet, ...eh...eh... Opernpartien zu singen, die mir nicht ...eh... zukamen, die mir nicht lagen. Das war, glaube ich ...eh... hat man mir gesagt, das soll ganz klug gewesen sein von mir. Zum Beispiel ich wollte so furchtbar gerne mal den Lohengrin singen.

H. L. : Ja?

R. Ph.: Da hat man mir gesagt: Ach Gott, lieber Philipp, es gibt so viele Lohengrins, aber es gibt keinen, keinen Wilhelm Meister oder es gibt keinen guten ...eh... in Regiments­tochter, einen Tonio, oder, oder einen guten Fra Diavolo und so. Das ...eh... d... d...das habe ich sehr häufig hören ...eh... hören müssen. Aber der Lohengrin stak mir gewissermaßen doch so furchtbar in den Gliedern. Ich se... ich ... ich ... ich... ich... ich... interessierte mich sehr dafür. Das können Sie sich ja denken, weil es schön zu singen ist.

H. L. : Wir haben vorhin, Herr Kammersänger, von Lilli Lehmann gesprochen.

R. Ph.: Ja.

H. L. : Wie wäre es, wenn Sie so ein paar Erinnerungen zum besten geben würden von den Großen, die Sie auf Ihrem Künstler­weg angetroffen haben?

R. Ph.: Ja Gott, da ließe sich sehr viel allerdings sagen. Ja Gott, da ließe sich, Gott, die Großen alle. Na, da wäre zum Beispiel, also nicht wahr, der unvergeßliche Albert Niemann, nicht wahr.

H. L. : Haben Sie mit dem viel zusammen gesungen?

R. Ph.: Zusammen gesungen mit ihm nicht. Nein. Aber ich bin viel mit ihm zusammen ... -, denn als ich an die Oper kam, ging gerade Niemann ab. Ja.
Aber mit Franz Betz ..., dem Altmeister Franz Betz, mit Krolop und mit Paul Bulss und mit Knüpfer und mit all die­sen Leuten allerdings war ich zusammen und habe oft und viel mit ihnen zu tun gehabt.

H. L. : Haben Sie nur mit ihnen kollegial verkehrt, oder haben Sie auch von ihnen gelernt, daß Sie sich gesagt haben: Das kannst du dir annehmen, das mußt du dir zum Vorbild ma­chen?


R. Ph.: Das waren ja die besten Vorbilder, die es überhaupt gab. Vor allen Dingen waren sie sehr korrekte Sänger, die Men­schen, sehr korrekt. Und es kam auf den ... auch auf den Stil des Gesanges hauptsächlich an. Und ich möchte mir kein Urteil erlauben, wenn ich, wenn ich vielleicht so an­deute damit: Heute vermiß' ich so manchen Stil. Es wird so ganz anders so gesungen, doch so wie früher. Ich möchte natürlicherweise ...eh... möchte ich aber doch ...eh... befürworten ...eh... noch bemerken: Wir haben heute hier an unserem Opernhause außerordentlich gute, gute Sänger.


Diese Platte, die mich oft an Loriot erinnert hat, hätte ich gerne einmal gehört, aber ich bin schon sehr froh, dass der Wortlaut übermittelt wurde. Leider kann man sich den Gesang der Lieder nicht so gut vorstellen...

Robert Philipp mit Emmy Destinn in "Louise" von Charpentier.
Emmy Destinn war von 1898 bis 1908 Mitglied der Berliner Hofoper.


Above you find some photos of Robert Philipp and his colleagues from the Berliner Hofoper, where Philipp sang between 1890 and 1930. He was born in 1852 and started as an actor and then operetta tenor. In 1890 he sang Don Jose in Carmen as a guest at the Berlin Court Opera and then sometimes main roles like Faust, Tonio and Wilhelm Meister and the Mozart tenor roles. The most time he was also a reliable singer for the smaller roles. He took part in the premiere of "Der Evangelimann" by Wilhelm Kienzl in 1895 but only in a smaller role (Zitterbart or Hans. I could not find it out), even if he later recorded some scenes of the main role Mathias. His voice was fine, lyric and mobile, but of no special quality regarding the timbre. I came upon this singer because of the many photos of him I have collected and became curious about his voice. At the SLUB (Sächsische Landes- und Universtätsbibliothek Dresden) I found some of his recordings. There are not many recordings of him, regarding to the lenght of his career, and most of them are scarce. He also took part in the first complete recording of "Die Fledermaus" by the Gramophone Company 1907 as Eisenstein and in the complete Bajazzo made by Odeon in 1909. He was married to Marie Dietrich (1865-1940), who sang also at the Hofoper.

As Philipp to me comes up as a man and singer without special qualities, and also even the photos seemed stiff and expressionless to me, I have searched for sources about him in contemporary music magazines. I found no article or a even a mention or reference to him, but I found (from a private German record collectors journal called "Stimmen, die um die Welt gingen" (Voices that went around the world)) the transcript of an interview made by the Reichsrundfunk (broadcast) in 1930 when he was 77 years old. He was still singing in the studio on that recording (Wanderlied by Schumann and Ungeduld by Schubert), and this must have been rather good. The following interview is full of unintenional comedy and reminds me of some dialogues by Loriot. They talk past each other or fail to make a statement that the listener would find interesting. The most interesting things in the interview were, that he said that he thinks he will die soon if he stops singing at the opera (What he actually did later the same year and he died 3 years later with 80), that the interviewer is still enthusiastic about the freshness of his voice and that Philipp always dreamt of singing Lohengrin but renounced to do so because it could have impaired the health of his voice (even if he tried Siegmunds "Winterstürme" for the record.)

The late Lied recordings are not here for listening, but 13 other titles are, and so you can get an impression of this enduring and seemingly indestructible singer.





Kommentare:

  1. Sehr schöne Ansichtensammlung! And again a voice / name I don't know. Very interesting! I'm listening to him now at this very moment. Is the speed not too fast? He has a very fast vibrato in his voice. But very interesting anyhow! Thanks for sharing!

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  2. Vielen Dank! It may be, that the speed is too fast. Those early recordings before 1907 often were recorded slower than 78 rpm. But I have to take the material as it is, and in Dresden all records were recorded with 78 rpm.

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