Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Sonntag, 29. Mai 2016

Schellack im Web:Die Discography of American Historical Recordings (DAHR)


Rosalia Chalia (1864-1948)



Bei meinen Reisen durch die Welt des Internets stoße ich immer wieder auf wichtige Quellen für diskographische Angaben und auch auf historische Aufnahmen, die über die betreffende Website zugänglich sind. Auf solche wertvollen Seiten möchte ich in meinem Blog gerne hinweisen. 

So fand ich schon vor einiger Zeit die Encyclopedic Discography of Victor Recordings (EDVR) und wollte immer mal einen Artikel darüber schreiben. Sie brachte als Datenbank ein Verzeichnis aller akustischen und einiger elektrischen Victor-Aufnahmen und gab darüber hinaus die Möglichkeit, sich viele dieser Aufnahmen auch anzuhören. Als ich neulich wieder auf die Seite zugreifen wollte, stellte ich fest, dass es diese Victor-Diskographie so, wie ich sie kenne, nicht mehr gibt. Sie ist aufgegangen in einem größeren Projekt, der Discography of American Historical Recordings (DAHR), Die Vorteile blieben aber erhalten: neben den Angaben zu den Victor Matrixnummern (unter Heranziehung der originalen Aufnahmebücher) kann man Titel in voller Länge abspielen. Dazu sucht man am besten nach dem Künstler und bekommt dann eine Liste mit seinen Aufnahmen angezeigt, wobei auch angegeben ist, welche Titel man anhören kann. Wenn man auf eine Angabe klickt, kommt man auf eine Seite, die dann nur dieser einzigen Aufnahme gewidmet ist und alle veröffentlichten Bestellnummern, aufgenommenen Takes mit Datum sowie weitere Angaben aus den Aufnahmebüchern angibt. Dort findet man dann auch einen Flash-Player, über den man das Stück anspielen kann. Dieses Angebot besteht nicht bei allen Titeln, Manche Titel sind verschollen und in Sammlungen nicht zu finden. Andere sind noch nicht erfasst. Es bleibt zu hoffen, dass es im Laufe der Jahre immer mehr Sounddateien werden und dass man diese eines Tages auch kostenlos herunterladen kann.

Auf der neuen DAHR Website sind auch die Verzeichnisse der Aufnahmen von Brunswick, Columbia und Okeh, sowie die Angaben zu Berliner Records (1892-1900) in die Datenbank eingebettet. Das macht es schwieriger, einfach mal zu stöbern und zu blättern, und man muss sich immer wieder neue Suchanfragen ausdenken, um übersichtliche Verzeichnisse studieren zu können. Ich habe auch bei den neu hinzugekommenen Schallplattenmarken noch keine Aufnahme gefunden, die man hätte anhören können. Dies ist wohl geplant, aber noch nicht umgesetzt. Bei der Listung der Aufnahmen sind bislang vor allem die frühen Aufnahmen und Aufnahmen mit Populärer Musik erfasst. Ein paar Versuche ergaben z.B.: Sigrid Onegin oder Tino Pattiera, die beide Brunswick-Aufnahmen gemacht haben, sind nicht gelistet. Von Alexander Kipnis tauchen ein paar elektrische Columbia-Titel auf, von Ernst Wolff gar nichts. Dafür findet man, wenn man nach Francesco Daddi sucht, eine Liste mit 23 Victor-Titeln, ca. 90 Columbia-Titeln sowie 6 Grammophon- und eine Zonophon-Aufnahme. Von diesen  120 Titeln sind leider nur sieben Titel anhörbar, und zwar alles Victor-Aufnahmen.
Von Hulda Lashanska sind aus den Jahren 1916-1932 insgesamt 82 Aufnahmen gelistet, sowohl von Victor als auch von Columbia. Davon kann man jedoch keine einzige anhören. 

Fazit: Ein vielversprechendes Projekt, das weiter ausgebaut werden sollte und zumindestens was die Victor -Aufnahme angeht, unschlagbar ist in der Informationsfülle. Die Menge der auf der Website anhörbaren Titel ist noch deutlich steigerungsfähig!



So sieht die Seite aus! Allgemeine Informationen unter "Ressources", Zugriff auf die Datenbanken unter "Search"

Link: http://adp.library.ucsb.edu/index.php/resources


Wie ich bereits erwähnte, kann man die Titel nicht herunterladen. Man kann sie aber natürlich in Echtzeit aufnehmen, wenn der eigene Computer dafür eingerichtet ist (Mein neuester Computer hat eine ins Motherboard integrierte Soundkarte, die keine Aufnahme zulässt. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ihn nicht gekauft...!).. Vor zwei Jahren habe ich mir die Mühe gemacht und ein paar frühe Victor-Aufnahmen meines Pseudonymgebers Emilio de Gogorza aufgenommen. Da es in meinem Blog möglichst zu jedem Artikel immer auch Musik geben soll, möchte ich diese hier teilen. 

De Gogorza war ein Pionier der Schallplattenaufnahme und von Anfang an bei Victor dabei. In der Datenbank gibt es 595 Einträge von ihm mit Aufnahmen zwischen 1900 und 1928. Davon sind z.Zt. 46 anhörbar. Ein oder zwei, die ich damals aufgenommen habe, sind nicht mehr dabei. Vielleicht werden sie irgendwann wieder freigegeben.

Man hört, dass das Vorbild von de Gogorza der Bass Pol Plancon war. Er singt wie dieser immer sehr kultivierte Linien und mit schönem Legato, ohne veristische Gefühlsausbrüche, Für die deutschen Leser hier noch die Auszüge aus dem Sängerlexikon:


Chalia, Rosalia, Mezzosopran/Sopran, * 17.11.1864 Havanna, † 16.11.1948 Havanna; ihr eigentlicher Name war Rosalia Herrera del Castillo; sie war die Tochter eines Großadmirals der spanischen Marine. Bereits mit acht Jahren begann sie zu singen, mit zwölf sang sie bei einem Empfang für den amerikanischen Präsidenten Grant. Sie studierte bei Sbriglia in Paris und bei Coronaro in Mailand. Noch ehe sie ihre Karriere aufnahm, heiratete sie und zog sich aus dem Musikleben zurück. 1894 schloß sie sich dann doch der Hinrichs Opera Company an. 1898 kam sie an die Metropolitan Oper New York, wo sie als Santuzza debütierte, aber sonst kaum in Erscheinung trat. (Sie sang dort einmal die Santuzza und einmal die Aida). Sie unternahm anschließend eine Tournee mit der Damrosch-Ellis Opera Company und trat 14 Jahre hintereinander an der Oper von Mexico City auf. 1900-08 leitete sie eine eigens von ihr zusammengestellte Operngesellschaft, mit der sie Kuba, Mexiko, Mittelamerika und Venezuela bereiste. Sie beherrschte rund 50 Partien sowohl aus dem Sopran- als auch aus dem Mezzosopran-Bereich. 1916 stand sie in Venezuela letztmalig auf der Bühne. Sie lebte dann in New York und machte sich um die Einführung junger spanischer und südamerikanischer Sänger in den USA verdient. 1947 kehrte sie in ihr Geburtsland Kuba zurück.

Sie gehört zu den ersten Sängerinnen, die Schallplattenaufnahmen gemacht haben. Bereits 1896 sang sie auf Bettini-Zylindern; 1900 entstanden Zonophone- Platten, seit 1901 Aufnahmen auf Victor, von denen die letzten 1913 erschienen. Alle zeigen eine hervorragend geschulte, warm timbrierte Sopranstimme von hervorragender Technik.
[Lexikon: Chalia, Rosalia. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 4107 (vgl. Sängerlex. Bd. 1, S. 613 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


de Gogorza, Emilio, Bariton, * 29.5.1872 Brooklyn/New York als Sohn spanischer Eltern, † 10.5.1949 New York. Er kam als Kind von zwei Monaten nach Spanien, erhielt teils dort, teils in Frankreich und England seine Erziehung. Er sang als Knabe im Choir of the Brompton Oratory in London und nach seinem Stimmbruch in St. George's in Windsor. Der Herzog von Norfolk riet dringend zu einem professionellen Gesangstudium, das er dann in Nordamerika absolvierte. Später war er noch in Paris Schüler des Pädagogen Bourgeois. In den USA studierte er bei Moderati und Agramonte in New York. Er debütierte 1897 in New York in einem Konzert, in dem auch die berühmte Primadonna Marcella Sembrich auftrat, die er dann als assisting Artist auf einer Tournee begleitete. Er wurde schnell als Konzertsänger in Amerika bekannt, vor allem aber durch seine vielen schönen Schallplattenaufnahmen. Lange Jahre war er der künstlerische Leiter der Victor Company (eines der größten Schallplatten-Unternehmen der Welt). Auf der Bühne ist er nie erschienen, angeblich weil ihn eine starke Kurzsichtigkeit beim Bühnenspiel behinderte. Einige Jahre war er seit 1911 mit der gefeierten Sopranistin Emma Eames (1865-1952) verheiratet, mit der ebenfalls ausgedehnte Konzertreisen unternahm. Insgesamt ist er in 17 großen Konzerttourneen in Nordamerika aufgetreten; er sang dort als Solist mit allen führenden Orchestern zusammen und stand im Mittelpunkt zahlreicher Musikfeste. Er ist bis in die dreißiger Jahre aufgetreten und war seit Mitte der zwanziger Jahre auch pädagogisch tätig. 1926-40 leitete er als Direktor die Gesangsabteilung des Curtis Institute of Music in Philadelphia. Zu seinen Schülern gehörten u.a. John Brownlee und Conrad Thibault. - Der Künstler besaß eine der schönsten Baritonstimmen seiner Zeit, sowohl durch ihre dunkle Tonfülle als auch durch ihre musikalische Aussagekraft ausgezeichnet.

Emilio de Gogorza gehört zu den Sängern seiner Epoche, die die meisten Schallplatten hinterlassen haben. Diese erschienen unter verschiedenen Künstlernamen; die erste Aufnahme auf Berliner Records bereits 1898 unter dem Namen E. Francisco. Als Carlos Francisco sang er auf Zonophone (1900-01), auf Climax (ca. 1901), auf Eldrige R. Johnson Records und auf Victor (1903-05); unter dem Namen Edward Franklin erschienen Aufnahmen bei Zonophone und auf der Marke Climax; als M. Fernand auf Eldridge R. Johnson Records und auf Victor, als Herbert Goddard auf den beiden gleichen Marken zu hören, unter seinem wirklichen Namen Emilio de Gogorza auf Victor; hinzu kommen (unter diesem Namen) Edison-Zylinder und -Platten. Seine Victor-Aufnahmen erschienen seit 1904, und seitdem exklusiv auf dieser Marke, bis 1928. Darunter finden sich Duette mit Emma Eames, Enrico Caruso, Marcella Sembrich und Tito Schipa. Erst viel später kam eine elektrische Aufnahme, das Lied »Voici que le printemps« von Debussy, zur Veröffentlichung.
[Lexikon: de Gogorza, Emilio. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 5439 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 816 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]




Der junge Emilio de Gogorza (1872-1949)





Emilio de Gogorza - Early Recordings from the DAHR


  1. Don Giovanni: La ci darem la mano (Mozart), as Carlos FRANCISCO, with
      Rosalia CHALIA, Victor 3401 (no matrix), rec. 24.V.1901
  2. Serenata Aragomesa (unknown composer), as Carlos FRANCISCO, with
      Rosalia CHALIA, Victor 3403 (no matrix), rec. 24.V.1901
  3. Vivo e t'amo (Campana), as Carlos FRANCISCO, with Rosalia CHALIA
      Victor 3404 (no matrix), rec. 24.V.1901
  4. Carmen: Si tu m'aimes (Bizet), as Carlos FRANCISCO, with Rosalia CHALIA
      Victor 3406 (no matrix), rec. 24.V.1901
  5. Barbiere di Siviglia: Largo al Factotum (Rossini), as Signor Carlos FRANCISCO
      Victor 3056 (no matrix), rec. 22.I.1901
  6. The lost chord (Sullivan), as Signor Carlos FRANCISCO
     Victor 3057 (no matrix), rec. 22.I.1901
  7. Cancion National Chilena, as Signor Carlos FRANCISCO
      Victor 3266 (no matrix), rec. 12.IV.1901
  8. Martha: Canzione del Porter (Flotow), as Signor Carlos FRANCISCO
       Mx. B-1106 (Take 2), Victor 2708, rec. 11.III.1904
  9. Dormi pure, Romanza (Scuderi) , as Signor Carlos FRANCISCO,     
      Mx. B-1456, Victor 1343 (Probably Take 1; Take 4 from a later date was also 
      issued), rec. 6.VI.1904

From my own collection two more records, which just fit in well:

10. La Sevilliana (Yradier), mx. B-1764, Victor 4162, rec. 12.X.1904

11.  La Sonnambula: Vi ravviso (Bellini), as Signor FRANCISCO, Mx. B-1459, 
       Victor 1342, rec. 25.III.1902 

All recordings were issued as single sided 10 inch records (25 cm). Nos. 1-5 and 7, 9, 11 are with piano accompaniment, No. 6 is with organ and 8 and 10 with "orchestra".



DOWNLOAD MP3 256 KB/s


Emilio de Gogorza Victor 4162, Mx. B-1764, rec. 12.X.1904

Emilio de Gogorza as Sig. Francisco, Mx. B-1459, Victor 1342, rec. 25.III.1902



Sticker on the back of Victor 4162 - 1,00 Dollar each



In this article I recommend to you the Website of the Discography of American Historical Recordings (DAHR), which is the succesor to the old Encyclopedic Discography of Victor Recordings (EDVR). In the introduction they write:



Welcome to the Discography of American Historical Recordings (DAHR), a database of more than 130,000 master recordings made by American record companies during the 78rpm era. It is part of the American Discography Project (ADP)—an initiative of the University of California, Santa Barbara and the Packard Humanities Institute that is edited by a team of researchers based at the UCSB Library. The DAHR is an expansion of the Encyclopedic Discography of Victor Recordings (EDVR) database. It incorporates all the contents of the former EDVR database and adds previously published discographic works under license from various publishers, folding them into the search and display framework of DAHR.


Additional to the acoustic Victor matrix numbers there is also a database of Columbia, Brunswick, early Berliners (1892-1900) and Okeh. In the Victor section many or some, depending on your view, recordings are listenable in full lenght. I have recorded some time ago a few early recordings of Emilio de Gogorza, who is one of the recording pioneers of serious music, together with Rosalia Chalia and Ferruccio Giannini, the father of Dusolina Giannini. The playlist can be found above with a few recordings between 1901 and 1904, There are 588 entries for de Gogorza in the database, and you can listen to 46 of his recordings. As you can not download the titles, you must record them in real time - an exercise I undertook for a few titles whch I now share with you.

A biographical article of Emilio de Gogorza is on the Marston website (relaunch in new design!): http://www.marstonrecords.com/collections/singer/products/degogorza

For Rosalia Chalia, of whom you hardly can find some useable pictures in the web, there is also a Marston CD with a biographical article: http://www.marstonrecords.com/collections/singer/products/chalia 
Ward Marston writes: Chalia photos are extremely scarce. Despite efforts to find more photos, Marston has utilized all that could be located.

If you like to hear Ward Marston chat about Chalia (and see some photos of her), you can do it on Youtube: 

https://www.youtube.com/watch?v=emKuJbuP4jE
https://www.youtube.com/watch?v=W49CFni8wYI

The DAHR-website: http://adp.library.ucsb.edu/index.php/resources




Sticker on the back of Victor 1342, 60 cent each







1 Kommentar:

  1. The DAHR is a wonderful database, which I almost daily use. Another good one is A Classical Discography (Michael Gray): http://classical-discography.org/search.php?reset=on and of course the CHARM database is wonderful. One can download many records from there: http://www.charm.rhul.ac.uk/discography/search/disco_search.html.
    Thanks for your post!

    AntwortenLöschen