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Freitag, 20. März 2015

Richard Tauber singt Lieder von Schubert und Schumann

Richard Tauber Wien 1933


Bereits gut ein Jahr vor den Aufnahmen von Hans Duhan auf HMV brachte die Odeon 1927 ein Album mit Aufnahmen von Richard Tauber heraus, das auf sechs 25-cm-Platten zwölf Lieder aus der Winterreise enthielt. Welch ein Unterschied zu den Aufnahmen von Hans Duhan! Nicht nur dadurch, dass Tauber ein Tenor und Duhan ein Bariton war, setzen die Aufnahmen ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Richard Tauber hatte das wesentlich schönere Stimm-Material. Seine Aufnahme setzt ganz auf Legato und das Spiel mit den Registern der Stimme und seiner Fähigkeit zu wunderschönen Pianissimi. Sein stärkerer Gefühlseinsatz durch sein Ausspielen der Kontraste erscheint aus heutiger Sicht manchmal unangemessen. Dennoch singt er enorm musikalisch, und die Aufnahmen haben ein klares "Gesicht" und ein eigenes Profil, dem man die Mühelosigkeit des Singens staunend anmerkt. Seine emotionale Haltung zum Helden des Zyklus ist weniger einheitlich und eindeutig als bei Duhan: scheinbar zärtliche und innige Momente (Frühlingstraum, Post) wechseln sich mit effektvoll eingesetzten Ausbrüchen (die Steigerung in der ansonsten lyrisch angelegten "Krähe" oder das Wort "matt" im Wegweiser, der am Ende etwas lamoryant wird) ab. Schon das erste Lied ist vom Ansatz her eher ein Zwiegespräch mit der Geliebten im Gegensatz zur Erzählung des Scheidenden bei Duhan. Insgesamt geht Tauber den Zyklus eher lyrisch an und kommt zu Interpretationen, die sehr einprägsam und damit im wahren Sinne des Wortes eindrucksvoll sind. Ich kenne die Aufnahmen, im Gegensatz zur Duhan-Winterreise, schon seit vielen Jahren und habe sie immer gerne gehört. Zwar immer wieder mit etwas Kopfschütteln, aber insgesamt doch mit großem Vergnügen.

Hinzugefügt habe ich bei meiner Playlist weitere Liedaufnahmen von Tauber von Schubert und Schumann, einige mit Orchesterbegleitung. Unter den vielen hundert Aufnahmen von Tauber (ich habe keine gedruckte Diskographie zur Hand, um es genau zu sagen) gibt es viele schöne Liedaufnahmen. Bereits zu Beginn seiner Aufnahme-Karriere ab 1919 nahm er viele Lieder auf (hier vertreten: Dichterliebe und Schumanns Wanderlied). Diese Fähigkeit von Tauber ist heute durch seine Operetten-Erfolge etwas in Vergessenheit geraten. Fast alle seine Liedaufnahmen sind sehr gut. Hier möchte ich besonders die Schumann-Aufnahmen mit Percy Kahn hervorheben, die hervorragend sind. Das dritte Lied aus der Dichterliebe ("Die Rose, die Lilie...") singt er auf einem Atem, ohne zwischendurch Luft zu holen. Das ist zwar ein bischen Show, aber... er kann's!



Richard Tauber singt Lieder von Schubert und Schumann



Die Winterreise (Schubert)

  1. Gute Nacht (Nr. 1, Matrix Be 5849-1)
  2. Der Lindenbaum (Nr. 5, Matrix Be 5851-1)
  3. Wasserflut (Nr. 6, Matrix Be 5850-1)
  4. Rückblick (Nr. 8, Matrix Be 5852-2)
  5. Frühlingstraum (Nr. 11, Matrix Be 5853-1)
  6. Die Post (Nr. 13, Matrix Be 5854-1)
  7. Die Krähe (Nr. 15, Matrix Be 5855-1)
  8. Der stürmische Morgen (Nr. 18, Matrix Be 5856-1)
  9. Der Wegweiser (Nr. 20, Matrix Be 5857-1)
10.  Das Wirtshaus (Nr. 21, Matrix Be 5858-1)
11. Mut (Nr. 22, Matrix Be 5859-1)
12. Der Leiermann (Nr. 24, Matrix Be 5860-1)

 rec. 20.VI.1927, Piano: Mischa Spoliansky, Odeon O-4908 bis O-4913

Zwei Lieder von Schubert

13. Der Wanderer (Schubert, Matrix xxB 7955, O-8343)
Orchester, Dirigent Ernst Hauke, rec. 28.I.1928

14. Der Doppelgänger (Schubert, Schwanengesang Nr. 13, Matrix Be 10217-2, O-4523)
Orchester, Dirigent Frieder Weißmann, rec. 1.II.1933


Dichterliebe (Schumann)

15. Nr. 1 - 3: Im wunderschönen Monat Mai / Aus meinen Tränen spriessen /
      Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne (Matrix xxB 6490, XX 80103)
16. Nr. 4, 5 und 7: Wenn ich in deine Augen seh' / Ich will meine Seele tauchen /
      Ich grolle nicht (Matrix xxB 6491, XX 80104)
Unknown Pianist, rec. ca. 1921

17. Nr. 13: Ich hab im Traum geweinet (Matrix CE 7162)
Piano: Percy Kahn, rec. Sept. 1935

Aus Myrthen op. 25 (Schumann)

18. Widmung op.25.1 (Matrix CE 7157)
19. Der Nussbaum op. 25.3 (Matrix CE 7160)
20. Aus den östlichen Rosen op. 25.25 (Matrix CE 7158)
Piano: Percy Kahn, rec. Sept. 1935

Vier Lieder von Schumann

21. Mondnacht (Matrix CE 7161)
Piano: Percy Kahn, rec. Sept. 1935

 22. Die Lotosblume (Matrix Be 5797, O-4957)
Orchester, Dirigent Ernst Hauke, rec. 17.V.1927
  
23. Die beiden Grenadiere (Matrix CE 9930)
Unknown Pianist, rec.19.VI.1939

24. Wanderlied op. 34.3 (Matrix xxB 6838, O-8036)
Piano: Dr. Karl Besl, rec. 9.III.1923



DOWNLOAD MP3



Above you find Richard Tauber's version of the Winterreise from 1927. He recorded only the half of the cycle, and his recordings differ much from the interpretations of Hans Duhan. Tauber puts on his extraordinary vocal means and the fine sound of his voice and keeps always a strict legato, which sometimes seems a bit too tender for today's ears. His strong contrasts between piano legato phrases and some emphasized highlights (for example in the "Krähe" or in "Wegweiser") seem to be a bit exaggerated. But on the other hand: what a fine singer, what impressive interpretations! I know them for many years and have always liked to listen to them , even if I have to shake my head at some moments.

Included are also other recordings of Schubert and Schumann from Tauber, who liked to record Lieder from the begin of his career on. This preference of him is today forgotten because of his great operetta career and the lots of money he earned with this. But - I just read the very fine chronology of Tauber's life by Daniel O'Hara (to be found here - it can be downloade as a pdf-file) and found that he had a high standard of living, but died as a rather poor man, who worked hard and gave often two concerts a day to earn his living during the war, which he spent in England because he could not longer travel abroad.

From the Schumann Lieder I recommend the recordings with Percy Kahn from 1935, which show him in his prime. Sometimes a bit perfumed, but beautifully sung with a great beauty and sureness. And the third Lied of the Dichterliebe ("Die Rose, die Lilie..." in track 15) is sung in one breath (or does he actually breathe in the tenth of a second after "die Eine"?). Surely this is a bit of a showpiece, but: he is able to perform this trick...



Donnerstag, 12. März 2015

Hans Duhan singt Schuberts Winterreise (1928)


Hans Duhan, probably as Pierrot in "Die tote Stadt" from Korngold

Nach längerem Bearbeiten präsentiere ich hier die Winterreise mit Hans Duhan. Ich bin mit der Version nicht sehr zufrieden, denn die Aufnahmen haben die typischen Nachteile einer frühen elektrischen Aufnahme. Das elektrische Aufnahmeverfahren war gerade einmal zwei Jahre im Gebrauch, und die Ergebnisse waren noch nicht die besten. Die Aufnahmen sind diskantlastig (d.h. die Höhen sind zu stark betont) und der dynamische Abstand zwischen der lautesten Stelle der Aufnahme und dem Pegel des Grundrauschens ist nicht sehr hoch. Von einem warmen, natürlichen Aufnahmeklang war man noch weit entfernt. Und zuletzt sind die Auslaufrillen noch ziemlich gewaltsam eingefügt, so dass mehr als einmal der letzte Ton des Klaviers nicht ausklingen kann, sondern abgeschnitten wird. Ich habe mich aber entschieden, wie bisher die Aufnahmen nicht zu filtern und den Klang nicht zu verändern, auch wenn es anders "schöner" klingen könnte. Die Aufnahmen sind wie immer nur entknackt (teilweise manuell) und in der Lautstärke optimal ausgesteuert. Dafür liefere ich dieses mal eine verlustfreie FLAC-Version mit, so dass jeder, der möchte und gute Bearbeitungsprogramme hat, sich selbst versuchen kann, mit dem Ausgangsmaterial den Klang der Aufnahmen noch zu verbessern.

Über die verschiedenen Takes der einzelnen Stücke habe ich bereits etwas geschrieben. Bei den mir zur Verfügung gestellten Platten handelte es sich in den Fällen, wo ich die Stücke bereits aus anderer Quelle veröffentlicht hatte, um genau die gleichen Takes wie bei meinen anderen Exemplaren, so dass ich immer noch nicht den Beweis antreten kann, ob verschiedene Takes des gleichen Liedes, evtl. sogar mit verschiedenen Pianisten, veröffentlicht wurden.

Insgesamt gefällt mir die Aufnahme sehr gut. Diese erste Gesamtaufnahme der Winterreise bleibt auch nach fast 90 Jahren noch aktuell und in gewisser Weise sogar modern. Hans Duhan singt als Erzähler, der sich an Emotionen erinnert und über Emotionen berichtet, aber er stellt diese nicht in expressiver Weise dar oder hebt sie besonders heraus. Die Lieder haben alle einen ruhigen, gleichmäßigen, warmen Fluß und bilden eine Einheit. Die Idee des Zyklus wird besonders herausgestellt. Die Tempi sind eher moderat, teilweise sogar sehr langsam (Nr. 16). Hans Duhan erweckt beim Hörer Sympathie und Verständnis für den Erzähler und sein Leiden und bildet als Sänger nicht den Erzähler nach, sondern ist ein Mittler zwischen dem Erzähler und dem Hörer, Diese "moderne" Haltung passt dazu, dass er an der Wiener Oper nicht nur als Darsteller, sondern auch als Regisseur und Dirigent arbeitete. Die Begleiter arbeiten zweckdienlich mit, wobei mir Lene Orthmann etwas exaltierter und extremer (z.B. die Begleitfiguren zu "Im Dorfe") das "Besondere" sucht als Ferdinand Foll. Trotz der reduzierten technischen Qualität (ich würde 3,5 von 5 Punkten vergeben, wenn ich die technische Qualität der Aufnahmen bewerten sollte) handelt es sich um eine künstlerisch vollgültige Aufnahme, mit der Hans Duhan Pionierarbeit geleistet hat.

Die Veröffentlichten Takes sind:


Nr.

Matrix
Cat. Nr.
Pianist
Date
1
Gute Nacht
CK 2946-2
ES 383
Foll
27-4-28
2
Wetterfahne
CK 2947-2
ES 383
Foll
27-4-28
3
Gefrorne Tränen
BK 2948-1
ER 270
Foll
27-4-28
4
Erstarrung
BK 2949-1
ER 270
Foll
27-4-28
5
Lindenbaum
CK 2950-2
ES 384
Foll
2-5-28
6
Wasserfluth
CK 2951-2
ES 384
Foll
2-5-28
7
Auf dem Flusse
CK 2952-2
ES 385
Foll
2-5-28
8
Rückblick
CK 2953-1
ES 385
Foll
2-5-28
9
Irrlicht
BK 2954-2
ER 271
Foll
2-5-28
10
Rast
BK 2955-2
ER 271
Foll
2-5-28
11
Frühlingstraum
CK 2956-1
ES 386
Foll
2-5-28
12
Einsamkeit
CK 2957-2
ES 386
Foll
2-5-28
13
Post
BK 2958-2
ER 272
Foll
2-5-28
14
Greise Kopf
BK 2959-2
ER 272
Foll
2-5-28
15
Krähe
BK 2960-2
ER 274
Foll
4-5-28
16
Letzte Hoffnung
CL 4400-2
ES 392
Orthmann
11-7-28
17
Im Dorfe
CL 4399-1
ES 392
Orthmann
11-7-28
18
Stürmische Morgen
BK 2963-1
ER 274
Foll
4-5-28
19
Täuschung
BL 4398-2
ER 275
Orthmann
11-7-28
20
Wegweiser
CL 4402-1
ES 393
Orthmann
11-7-28
21
Wirtshaus
CL 4403-1
ES 393
Orthmann
11-7-28
22
Mut
BK 2967-1
ER 275
Foll
4-5-28
23
Nebensonnen
BL 4401-1
ER 276
Orthmann
11-7-28
24
Leiermann
BK 2969-1
ER 276
Foll
4-5-28



MP3 256 KB/s DOWNLOAD

DOWNLOAD FLAC Part 1

DOWNLOAD FLAC Part 2




So here it comes finally, the Winterreise with Hans Duhan. I am not quite content with the technical quality of the recording because it has the usual faults of early electrical recording (which was used since only two years when the Winterreise was recorded): too much treble, no warm sound, a bad signal to noise ratio and rudely put final grooves which cut the end of the last fading piano tones in some of the sides. But it is still a very fine recording, which seems to be "modern" to me. Hans Duhan sings as a narrator, who tells about emotions, but does not exhibit them. He keeps a consistent tone over all the Lieder, does not put outside the "hits" like Lindenbaum and Frühlingstraum and emphasizes in this way the cyclical character of the songs. He is a kind of intermediary between the listener and the hero of the songs.

As far as I know, this is the first complete recording of the cycle, and also Hans Duhan was the first singer who recorded all three Schubert cycles (all in 1928, the 100st year of Schubert's death).  Meanwhile I have learned that the Schwanengesang was published by Pristine Classics , and I have bought it there. [If you cannot afford it doing the same just tell me and I will let you listen to my Copy ;-) ] So all the three recordings are available now, together with the Schöne Müllerin which was published earlier in my blog.


MP3 DOWNLOAD (same as above)

This time also a lossless FLAC version (Links: see above) of the recordings is given - for the case that you want to work on the improvement of the recordings for yourself. I have only decrackled them and put them at optimal volume, but not filtered them unless a 45 Hz rumble filter - as it is my philosophy.


PS. If you want to know what is state of the art in modern Winterreise interpretation (even if it is a matter of taste anyhow), I can strongly recommend you the interpretation of the English soprano Alice Coote. I came over it by chance in "Opera y mas"  http://crudaopera.blogspot.de/2013/05/alice-coote-schubert-winterrise.html and got struck when listening how fine, sensible, cautiously unexited but also highly sensitive this singer comes along with the cycle - even if normally I would prefer a man singng it. It is a live recording, and at the end the audience, which kept the breath all the time, explodes in enthusiasm. My favourite modern recording!