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Freitag, 15. November 2013

Friedrich Schorr - Opernarien und Oratorium

Hier kommt noch ein Programm mit Aufnahmen aus Oper und Oratorium von Friedrich Schorr, die NICHT den Komponisten Richard Wagner betreffen. Die meistens seiner Aufnahmen galten Wagner, aber auch jenseits davon kommen im Bereich von Oper und Oratorium die Komponisten Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Meyerbeer und Mendelssohn in Schorrs Diskographie vor.

Ich schätze Schorr sehr, aber ich finde doch, dass er charakteristische Schwächen in seiner Gesangstechnik hat. Die Stimme ist strömend und volltönend, aber bei schnellen Parlando-Passagen bekommt er Schwierigkeiten. Seine Zischlaute (s, sch, z) klingen oft etwas verwaschen und seine Aussprache etwas "gaumig". Ich erkläre es mir so mit meiner technischen Halbbildung (ich hatte selbst während meiner Studentenzeit 3 Jahre Gesangsunterricht), dass der Sitz der Stimme etwas vom harten Gaumen vorne bei den Schneidezähnen nach hinten zum weichen Gaumen verrutscht ist. Dadurch ist ein strömendes Legato möglich, aber die Prägnanz der Artikulation wird beeinträchtigt. Wirklich störend ist es eigentlich nicht, aber ich stolpere immer wieder über Stimmklänge wie bei jemandem, dessen künstliches Gebiss zu locker sitzt, und das irritiert mich manchmal - ohne dass ich jetzt eine bestimmte Stelle angeben könnte, wo es besonders auffällig ist. (Spontan fällt mir sein Holländer-Monolog ein, aber der ist hier nicht Thema...)
Vielleicht bin ich auch zu kritisch, aber irgendetwas irritiert mich an seiner Art zu singen - besonders an den Stellen, die "herausgeschleudert" werden müssen (z.B. in den Arien "Ha welch ein Augenblick", "Ist nicht des Herren Wort wie ein Feuer").

Mit diesen Eindrücken scheine ich ziemlich alleine dazustehen. Jürgen Kesting lobt in seinem Buch "Die großen Sänger unseres Jahrhunderts" (ECON-Verlag 1993, S. 282-288), dass Schorr "die größte Mühe auf die Mühelosigkeit des Singens verwandte, auf eine stets wohlklingende Artikulation des Textes ohne heftige Akzente. Die Stimme wird zur Höhe hin korrekt verschlankt, fester in den Fokus genommen und dadurch klanglich konzentriert. Bei Schorr werden selbst die etwas hohleren Töne der Spätaufnahmen korrekt gebildet, nämlich mit sauberer Attacke angeschlagen." Dieser Hinweis auf die "hohleren Töne" ist die einzige Kritik an Schorr bei Kesting. Hinzu kommt noch die Bemerkung, dass er Ende der 20er-Jahre zunehmend Probleme mit seiner Höhe bekam und deshalb die italienischen Partien aus seinem Repertoire aufgab. Ich könnte mir ihn auch nicht als Rigoletto vorstellen, aber man muss ja nicht alles singen (können)...

Trotz dieser Einschränkungen bleibt Schorr für mich einer der großen Sänger des letzten Jahrhunderts, und ich wäre froh, wenn er noch mehr Aufnahmen hinterlassen hätte.





Friedrich Schorr in Non-Wagnerian Roles


1.   Euryanthe: Wo berg ich mich? (Weber)  Gram. Mx. 667/668 as, 65674
2.   Hugenotten: Vom Krieg, der uns bedroht (Meyerbeer) Gram. Mx. 666 as, 65673
3.   Don Giovanni: Feinsliebchen, komm ans Fenster Gram. Mx. 39 ax, 62393
4.   Zauberflöte: Bei Männern, welche Liebe fühlen (Mozart)  Gram. Mx. 5 az, 65646
5.   Zauberflöte: Ein Mädchen oder Weibchen (Mozart)  Gram. Mx. 5 az, 65646
6.   Fidelio: Ha, welche ein Augenblick! (Beethoven)  Gram. Mx. 40 ax, 62393
7.   Fidelio: Ha, welche ein Augenblick! (Beethoven)  HMV Mx. CR 2493-I, D 2112
8.   Der Freischütz: Wer legt auf ihn solch' strengen Bann? (Weber)
      HMV Mx. BR 2491-II, E 586
9.   Elias: Herr Gott Abrahams, Isaaks und Israels (Mendelssohn)
      HMV Mx. 2B 537-II, DB 1564
10.  Elias: Ist nicht des Herren Wort wie ein Feuer? (Mendelssohn)
      HMV Mx. CR 2484-I, D 2017
11.  Elias: Es ist genug (Mendelssohn)  HMV Mx. CR 2483-II, D 2017
12.  Die Jahreszeiten: Schon eilet froh der Ackersmann (Haydn)
       HMV Mx. 2B 536-II, DB 1564
13.  Messe in h-moll: Et in spiritum sanctum Dominum (Bach) 
       HMV Mx. Cc 16632-I / 16633-I, Victor 9967

1.-6. rec. 1922, unknown orchestra, 2. with chorus
4. with Emmy Bettendorf, soprano
7. , 8. 10., 11. rec. 1929, New Symphony Orchestra, cond. by Albert Coates
9., 12. rec. 1931, LSO cond. by Sir John Barbirolli
13. rec. 1929, LSO cond. by Albert Coates



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Above you find a playlist with non-Wagnerian roles recorded by Friedrich Schorr. I also try to describe a little irritation with his technique: I find his articulation and his sibilants sometimes in faster "parlando" passages a bit washed out and not very articulated. I try to explain that for me with a shift of the resonance from the hard palate at the front teeth more to the back of the soft palate. But - I am no expert, and the right expressions for this phenomenon are missing in my vocabulary - and in English even more. Can anyone understand what I mean? Jürgen Kesting praises in his book Schorr for the beauty of his tone and correctness of his articulation, but mentions "holllow tones" in his late recordings and problems with the higher register. Perhaps it is this what I mean...






Schorr, Friedrich, Bariton * 2.9.1888 Nagyvarád (Ungarn), † 14.8.1953 Farmington (Connecticut); er war der Sohn des bekannten jüdischen Kantors Mayer Schorr (* 11.10.1856 Faltiseni in Rumänien, † 24.12.1913 Wien), der 1891 an die Große Wiener Synagoge berufen wurde, und der u.a. von Gustav Mahler sehr geschätzt wurde. Friedrich Schorr wollte ursprünglich Jurist werden, studierte dann aber Gesang bei Adolf Robinson in Brünn und setzte seine Ausbildung in Wien fort. Er debütierte 1912 am Stadttheater von Graz als Wotan in der »Walküre«. Bis 1916 war er in Graz engagiert, 1916-18 sang er am Deutschen Theater von Prag, 1918-23 am Opernhaus von Köln. 1923 bereiste er mit der German Opera Company Nordamerika. 1924 wurde er dann an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittspartie: Wolfram im »Tannhäuser«). Bis 1943 ist er ein gefeiertes Mitglied dieses Opernhauses geblieben, an dem er in zwanzig Spielzeiten in 356 Vorstellungen (dazu in 71 Vorstellungen bei der alljährlichen Gastspiel-Tournee des Ensembles) und in 18 verschiedenen Partien auftrat; man schätzte ihn in New York wie in aller Welt als großen Wagner-Bariton. Er sang an der Metropolitan Oper aber auch in den Erstaufführungen der Opern »Elektra« von Richard Strauss (1932 als Orest), »Jonny spielt auf« von E. Krenek (1929) und »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von J. Weinberger (1931). Er trat an der Metropolitan Oper als Jochanaan in »Salome«, als Pizarro im »Fidelio« und als Faninal im »Rosenkavalier« auf. In den Jahren 1923-33 war er alljährlich an der Berliner Staatsoper zu Gast. Hier hörte man ihn in den Premieren der Opern »Doktor Faust« von Busoni (1927) und »Die Ägyptische Helena« von R. Strauss (1928), am 21.10.1924 in der Uraufführung der Oper »Die Zwingburg« von Ernst Krenek, am 10.12.1928 in der Uraufführung der Oper »Der singende Teufel« von Franz Schreker. Auch an der Staatsoper von Wien ist er regelmäßig aufgetreten. 1924 (Debüt als Wotan im »Rheingold«) und 1930-31 war er an der Covent Garden Oper London zu hören. 1926 gastierte er am Teatro Colón Buenos Aires; 1929 Gastspiel an der Berliner Kroll-Oper als Titelheld in der romantischen Oper »Hans Heiling« von Marschner. 1930 sang er an der Pariser Grand Opéra den Wotan in der »Walküre«, 1935 den Kurwenal im »Tristan«. 1931-32, 1935-36 und 1938 trat er als Gast an der Oper von San Franmcisco auf. 1925 wirkte er erstmals bei den Festspielen von Bayreuth mit, und bis zum Sommer 1931 stand er dort als Wotan im Ring- Zyklus im Mittelpunkt der Festspiele. Seit 1933 konnte er als Jude in Deutschland, seit 1938 auch nicht mehr in Österreich auftreten. 1943 nahm er von der Bühne Abschied, indem er als letzte Partie an der Metropolitan Oper den Wanderer im »Siegfried« sang. Er trat aber noch im Konzertsaal auf und inszenierte an der New York City Centre Opera Wagner- Opern. Er wurde 1943 Direktor der Manhattan School of Music in New York. Zugleich leitete er ein Studio für Operngesang an der Hartt School in Hartford (Connecticut). Zu seinen Schülern gehörten so bedeutende Sänger wie Cornell MacNeill, Ezio Flagello, Arturo Sergi, Marilyn Tyler, Grace Hoffman und Carlos Alexander. Verheiratet mit der Sopranistin Anna Scheffler-Schorr († 1951). - Friedrich Schorr war der bedeutendste Wagner-Bariton seiner Zeit, vielleicht unseres Jahrhunderts; mit seiner voluminösen, kraftvoll geführten, aber auch zu lyrischem Ausdruck fähigen Stimme gestaltete er Partien wie den Hans Sachs oder den Wotan in unvergeßlicher Weise; dabei galt seine Textbehandlung als vorbildlich.

Schallplatten: Polydor, Brunswick, HMV (h-moll- Messe von J.S. Bach), Victor (»Liederkreis« von R. Schumann). Dazu sind Mitschnitte von Opernaufführungen aus der New Yorker Metropolitan Oper vorhanden: auf Bruno Walter Society als Hans Sachs in den »Meistersingern«, auf EJS als Wotan im »Rheingold« (1938) und in der »Walküre« (1940), auf Legendary Recordings als Wanderer im »Siegfried« (1937); auf Koch/Schwann wurden Archivaufnahmen aus der Wiener Oper (Fragmente aus Wagner-Aufführungen) veröffentlicht. - Von der Stimme seines Vaters Mayer Schorr existieren zwei sehr seltene Columbia-Aufnahmen mit synagogaler Musik (Wien, 1903).

[Nachtrag] Schorr, Friedrich; er trat 1925-33 an der Londoner Covent Garden Oper auf. - Schallplatten: Naxos (Faninal im »Rosenkavalier«, Metropolitan Oper 1939). - Lit: A. Frankenstein, E. Amon & B. Semeonoff: Friedrich Schorr (in »Record Collector«, 1970-71).


[Lexikon: Schorr, Friedrich. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 21957 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 3142 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]

PS: Jürgen Kesting bemerkt in seinem Buch, dass das Geburtsjahr nach Aussagen von Schorrs Bruder Eugen in Wirklichkeit 1889 war und meist falsch angegeben wurde.


Kommentare:

  1. Emilio - thank you for these recordings. It's fascinating to hear Schorr outisde the Wagnerian 'core' roles. But I must also say, it's disappointing! The tone and size of the voice is of course great, but (maybe it's just me!) I really miss a sense of legato & style here: it's as if each note is separated from every other note, and for Schorr the musical line is just adding together all the individual notes one after another. How different from what you have just been saying in the latest Kipnis posting about his sense of line in Lieder singing!

    I imagine that might be a result of the way Wagner was speech-sung at the time; but in Weber and Mozart it just sounds dull and unstylish. Indeed I cannot imagine his Don Giovanni seducing anyone with this song - though his Papageno (at least in duet) is more appealing. But that may be because, in mezza voce, he allows himself a little more style, legato & line. Oddly, I thought the recording which showed him actually singing a melody best, was the Bach mass - where the 'melody' is less prominent than in say Mozart!

    Sorry to be rather negative about a singer I've often admired: but that is why it is good to hear a wide range of their recordings and form an impression of them in a range of roles!

    Thank you fo the chance to do so :-)

    David

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