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Montag, 28. Mai 2012

Vor 99 Jahren / 99 years ago: Blumentag in Dresden

Carl Perron als Eugen Onegin 1913

Letztens erstand ich eine Sängerkarte, die ich zuerst nicht identifizieren konnte, da mir der Sänger zwar bekannt vorkam, ich ihn aber nicht einordnen konnte. Bei näherem Hinsehen handelte es sich um eine Karte des Baritons Carl Perron. Sie enthält (aufgedruckt, nicht von Hand) eine Notenzeile mit einem nicht ganz zu entziffernden Text, der mit am Ende mit "Onegin" bezeichnet ist. Mit etwas Mühe konnte ich das Autogramm entziffern: Carl Perron 1913. Im Sängerlexikon fand ich über den Sänger:



Perron, Karl, Baß-Bariton, * 3.6.1858 Frankenthal (Pfalz), † 15.7.1928 Dresden; sein eigentlicher Name war Karl Pergamenter. Sein Vater war ein bekannter Kunsthändler und Numismatiker. Er war Schüler der großen Gesangpädagogen Julius Hey und Julius Stockhausen; später studierte er noch Darstellungskunst bei Ernst von Possart. 1880 erfolgte sein Debüt als Konzertsänger, und in den folgenden vier Jahren trat er ausschließlich im Konzertsaal auf. 1884 kam es zu seinem Bühnendebüt am Opernhaus von Leipzig in der Partie des Wolfram im »Tannhäuser«. Bis 1891 blieb er Mitglied dieses Hauses. 1892 folgte er einem Ruf an die Hofoper von Dresden, und hier erreichte seine Karriere ihren Höhepunkt. Bis 1913 war er in der Glanzzeit, die die Dresdner Oper damals erlebte, einer der prominentesten und vom Publikum am meisten geschätzten Künstler dieses Hauses. Musikhistorisch von großer Bedeutung ist sein Mitwirken in den Uraufführungen der Opern von Richard Strauss in Dresden: am 9.12.1905 war er der Jochanaan in der Uraufführung von »Salome« zusammen mit Marie Wittich, Irene von Chavanne und Carl Burrian. Am 25.1.1909 kreierte er den Orest in der Uraufführung der Richard Strauss-Oper »Elektra« mit Annie Krull, Ernestine Schumann-Heink und Margarete Siems zusammen. In der glanzvollen Uraufführung des »Rosenkavaliers« am 26.1.1911 in Dresden hatte er in der Rolle des Ochs auf Lerchenau wesentlichen Anteil an dem großen Erfolg der Aufführung (zusammen mit Margarethe Siems, Minnie Nast und Eva Plaschke- von der Osten). Weitere Uraufführungen, an denen er in Dresden teilnahm waren: am 10.3.1892 »Herrat« von Felix Draeseke, am 17.2.1897 »Haschisch« von Oscar von Chelius, am 29.1.1898 »Kirke« (aus der Tetralogie »Homerische Welt«) von August Bungert, am 10.1.1903 »Alpenkönig und Menschenfeind« von Leo Blech, am 8.12.1906 »Moloch« von Max von Schillings. Er sang auch in der Dresdner Premiere von Tschaikowskys »Eugen Onegin« die Titelrolle. Man bewunderte ihn jedoch vor allem wegen seiner Wagner-Heroen und wegen seiner Gestaltung des Titelhelden in Mozarts »Don Giovanni«. In den Jahren 1889-1904 war er bei den Festspielen von Bayreuth anzutreffen; hier trat er 1889, 1897, 1902 und 1904 als Amfortas im »Parsifal«, 1897-98 als Wotan im Ring-Zyklus, und 1902 als Gunther in der »Götterdämmerung« auf. 1894 gastierte er beim Amsterdamer Wagner-Verein in der holländischen Erstaufführung der »Walküre« in der Partie des Wotan. 1896 und 1897 trat er an der Berliner Hofoper, 1895 und 1905 an der Hofoper von München, 1899 am Opernhaus von Riga, 1907 am Deutschen Theater Prag als Gast auf. Bis 1924 war er noch gelegentlich in Dresden zu hören, zuletzt nurmehr als Konzertsänger. Sein Neffe und Schüler Fritz Perron wurde als Heldentenor bekannt.

Von der Stimme des großen Sängers, den Richard Strauss »einen erstklassigen Sänger« nannte, sind leider keine Schallplattenaufnahmen vorhanden.
[Lexikon: Perron, Karl. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 18927 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2704 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Tja, da ist der Sammler machtlos: Den Uraufführungssänger des Graf Ochs, des Orest und des Jochanaan hätte man doch zu gerne einmal gehört. Und dann der endgültige Satz "sind leider keine Schallplatttenaufnahmen vorhanden..." Zwar gab es solche Aussagen schon über andere Sänger, von denen dann doch noch einzelne Platten oder Testpressungen auftauchten, aber hier ist es wohl endgültig: leider nichts, was ich zum Download anbieten könnte.

Historisch interessant war für mich die Rückseite der Karte:

Rückseite der Karte mit der Aufschrift "Blumentag Dresden 31.Mai 1913"

Was ist wohl ein Blumentag? Sogar hier weiss Wikipedia weiter: 

Blumentage fanden in verschiedenen deutschen Städten in den Jahren ab 1910 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs statt. Am jeweiligen Tag wurde eine bestimmte Blume als Leitmotiv erwählt und für wohltätige Zwecke Kunstblumen gegen Geldspenden verteilt. Die Straßen wurden mit den entsprechenden Blumen dekoriert, und es wurden Speisen und Getränke verkauft.


Es wurden also zu wohltätigen Zwecken Blumen und Karten verkauft, um z.B. für das verbesserungswürdige Gesundheitswesen Geld zu sammeln. Im Internet finden sich ein paar schöne Beispiele:

Basler Blumentag 1910



Blumentag Innsbruck 1912

Auch nach dem ersten Weltkrieg gab es in Österreich noch Blumentage:


Steiermark 1919


Carl Perron muss wirklich in Dresden ein bekannte Sänger gewesen sein, dass sein Konterfei gewählt wurde, eine Karte, die ja möglichst begehrenswert und viel verkauft sein sollte, zu schmücken.

***

Today I present you a picture of the singer Carl Perron. Although he was a very important singer, who created many roles of Richard Strauss operas like Graf Ochs (Rosenkavalier), Orest (Elektra) and Jochanaan (Salome), he did not leave any recordings of his voice and art. This is a pity, and so there is no download for you today. I also commemorate to the "Blumentage", who were popular in the years between 1910 and 1919 for fundraising and collecting donations for different purposes. Postcards and flowers were sold to get money for ill children or wounded soldiers. Carl Perron must have been very popular so that a card with his role of Eugen Onegin, which is even mentioned in the Kutsch/Riemens "Sängerlexikon" and was played in Dresden 1913, could reach high quantities to be sold. Maybe Carl Perron's Onegin was the "talk of the town". Dresden loved its opera just like the Vienneses did love their opera house. So it is even more a shame that the singer refused to make recordings - I cannot imagine that no record company could be found who would have interest to record an artist like that.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Die Schöne Müllerin 1928 - Hans Duhan


Hans Duhan als Daniello in "Jonny spielt auf" (von Ernst Krenek, Uraufführung 1927)



Ich danke meinem Leser „oliver“, der mir eine Mail schrieb und mich darauf hinwies, dass die „Schöne Müllerin“ mit Hans Duhan auf der Seite von CHARM heruntergeladen werden kann. Das freut mich einerseits, andererseits hat es mich auch in bisschen enttäuscht, denn ich wollte diesen Zyklus gerne selbst veröffentlichen und habe 10 Jahre gebraucht, um alle Platten zusammenzutragen. Ich bin nur noch nicht zum Bearbeiten der Aufnahmen gekommen. Nun brauche ich mir die Arbeit nicht mehr zu machen. Dafür sind die Überspielungen bei CHARM sehr gut, und so habe ich sie in MP3-Dateien übertragen und veröffentliche sie hier in dieser Form. Bei CHARM muss man sie einzeln als FLAC-Dateien herunterladen und dann noch in die richtige Reihenfolge bringen. Diese Arbeit habe ich Ihnen nun erspart…

Hans Duhan ist ein faszinierender Sänger, der aber zeitweise Probleme mit seiner Stimme hatte (sie klingt manchmal, besonders bei seinen Opernaufnahmen, die er ca. 1922 bis 1924 für Odeon machte, etwas rauh und verschlissen). Vielleicht auch deshalb fing er früh an, als Regisseur und Spielleiter zu arbeiten. Dr. Anton Odelga berichtet im Text zur Preiser–LP LV 196, die dem Sänger gewidmet ist, von einer Stimmkrise, die aufgrund von früher Überanstrengung dazu führte, dass er ein Jahr pausieren musste und danach oft nur noch kleinere Partien übernehmen konnte. Sein Wirkungsort war die Wiener Oper, wo er auch bis 1940 noch gesungen hat. Die Statistik der Oper, die man im Internet abrufen kann, verzeichnet seine vielen Auftritte und Tätigkeiten, die bis zum Dirigieren gingen. Er war wohl einfach unentbehrlich!



Später war er noch als Pädagoge geschätzt und gesucht. Das Sängerlexikon schreibt:



Duhan, Hans, Bariton, * 27.1.1890 Wien, † 6.3.1971 Wien; Ausbildung an der Wiener Musikakademie, wo er neben Gesang auch Klavier- und Orgelspiel studierte. Debüt 1910 am Stadttheater von Troppau (Opava) an dem er bis 1913 auftrat, 1913-14 am Stadttheater von Teplitz-Schönau engagiert. 1914 an die Hofoper von Wien, die spätere Staatsoper, berufen, deren Mitglied er bis zum Ende seiner Bühnenlaufbahn im Jahre 1940 blieb. In Wien erlangte Hans Duhan große Popularität, ebenso bei den Festspielen von Salzburg, bei denen er sowohl in Mozart-Partien als auch in anderen Rollen, nicht zuletzt auch als Konzertsänger, immer wieder auftrat. Bei den Salzburger Festspielen sang er im einzelnen 1922 den Don Giovanni, 1922 und 1927 den Grafen in »Figaros Hochzeit«, 1928 den Papageno in der »Zauberflöte«, 1935-36 den Melot im »Tristan«, bis 1937 gab er dort Liederabende, die vom Festspielpublikum sehr geschätzt wurden. Er wirkte in Wien auch am 4.10.1916 in der Uraufführung der Neubearbeitung der Richard-Strauss-Oper »Ariadne auf Naxos« als Musiklehrer mit, 1934 in der Uraufführung der Lehár-Operette »Giuditta« (20.1.1934). Er gastierte 1922 in Amsterdam (und nochmals 1924 bei einem Gastspiel des Ensembles der Wiener Staatsoper mit »Ariadne auf Naxos«). Aus seinem Repertoire für die Bühne sind ergänzend noch der König Salomon in Goldmarks »Königin von Saba«, der Amfortas im »Parsifal«, der Frank in der »Toten Stadt« von Korngold, der Scarpia in »Tosca« und der Escamillo in »Carmen« zu nennen. 1930 kreierte er den Liederzyklus »Reisetagebuch aus den österreichischen Alpen« von Ernst Křenek. 1938 sang er in Wien in der Uraufführung des Oratoriums »Das Buch mit sieben Siegeln« von Franz Schmidt. Seit 1932 Professor für Operndramatik an der Wiener Musikakademie; er trat auch als Regisseur, u.a. an der Wiener Staatsoper, und als Dirigent in Erscheinung und komponierte mehrere Vokalwerke. Berühmter Gesangpädagoge. – Warm timbrierte, ungewöhnlich modulationsfähige Stimme; neben seinem weitläufigen Opernrepertoire wurde der Künstler als Konzert- und vor allem als Liedersänger bewundert.

Seine Stimme ist auf Odeon- und HMV-Platten erhalten (hier u.a. vollständige Zyklen »Schöne Müllerin« und »Winterreise«).
[Lexikon: Duhan, Hans. Großes Sängerlexikon, S. 6461/2
(vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 968) (c) Verlag K.G. Saur]



Hier ist seine Aufnahme der „Schönen Müllerin“, die zwar auch nicht in hoher Auflage verbreitet wurde, aber sich in ganz Europa verkaufte. Bei meiner zusammengetragenen Gesamtaufnahme finden sich Pressungen der deutschen Electrola, der englischen, österreichischen  und der tschechischen His Masters Voice ("Gramola"). Zwei weitere bei CHARM angegebene Nummernserien, die ich nicht ganz zuordnen kann, verweisen auf  weitere Erscheinungsorte. Hier werden nur die Matrix-Nummern und die HMV-Bestellnummern angegeben, wobei BK 25 cm-Platten und CK 30 cm-Platten bezeichnen. Laut CHARM wurden von jedem Titel 2 takes aufgenommen. Es kann sein, dass manche unveröffentlicht blieben oder alle für verschiedene Pressungen verwendet wurden. Ich gebe die takes so wieder (erkennbar an der -1 oder -2 hinter der Matrix-Nummer), wie CHARM sie zur Verfügung stellt. Meine einzige bekannte Abweichung: Auf meiner Electrola-Pressung (EJ 324) von Nr. 12 wurde take 1 verwendet.


Die schöne Müllerin (Schubert)
Hans Duhan – Bariton, Ferdinand Foll – Klavier
HMV, aufgenommen 21.IV.1928 (Nr. 1 – 6) 26.IV.1928 (Nr. 7 – 17) und 27.IV.1928 (Nr. 18 - 20) in Wien, Bestellnummern (HMV) E 509 -515 und D 1466 - 1468

1. Das Wandern (BK 2901-2)
2. Wohin? (BK 2902-2)
3. Halt! (BK 2903-2)
4. Danksagung an den Bach (BK 2904-1)
5. Am Feierabend (CK 2905-2)
6. Der Neugierige (CK 2906-2)
7. Ungeduld (BK 2907-2)
8. Morgengruss (BK 2908-1)
9. Des Müllers Blumen (BK 2909-2)
10. Tränenregen (BK 2910-2)
11. Mein! (CK 2911-2)
12. Pause (CK 2912-2)
13. Mit dem grünen Lautenbande (BK 2913-1)
14. Der Jäger (BK 2914-2)
15. Eifersucht und Stolz (BK 2915-1)
16. Die liebe Farbe (BK 2916-1)
17. Die böse Farbe (BK 2917-1)
18. Trockne Blumen (BK 2918-2)
19. Der Müller und der Bach (CK 2919-2)
20. Des Baches Wiegenlied (CK 2920-2)



„oliver“ wrote me a mail and told me, that there is possibility to download the Schöne Müllerin sung by Hans Duhan at the site of CHARM. Thank you for this hint: I like this recording very much and have collected the shellacks during the past ten years, but I didn’t have the time to transfer them to MP3. So I can take the time for other projects and give you here the tracks I have downloaded from CHARM as MP3 and with correct tags.

PS. The next thing should be the Winterreise by the same singer, who began to record it on the same day when the last three Müllerin-sides were cut, and finished it in summer 1928. This set is even more hard to find (I have managed to get three or four records from it during the last years), but I have found a source in the web where you can get it and will try in the next days, to get in contact with these guys who made the first transfer to CD of this set.


Sonntag, 20. Mai 2012

Neue Auktionsliste / New Auction list





Für die unter den Lesern, die die echten schweren Schelllackplatten den MP3-Dateien vorziehen, möchte ich auf eine gerade erschienene Auktionsliste hinweisen. Sie enthält Platten von einigen Sammlern mit sehr großen Sammlungen, vornehmlich aus Deutschland, und endet am 19. Juni. Sie enthält hauptsächlich Gesangsaufnahmen, von relativ gängigen Scheiben bis zu Raritäten, einige Platten aus den Bereichen Orchester, Instrumentalisten, sowie fast 100 sehr frühe Platten oder sehr seltene Label. Insgesamt sind es ca. 1600 Posten, und selbst wenn man nicht mitbietet, ist es aufgrund der beigefügten Sängerbilder und Kommentare eine höchst kurzweilige Lektüre. Eine PDF-Version habe ich auf meinen Server gelegt:

Download




Here I can recommend a new auction list from some German fellow collectors who have large collections and fine and rare shellack records to sell, mainly Opera and singing and some instrumentalists and signed postcards. Also 21 rare cylinders can be found. The list can be downloaded as PDF (above) and is a fine lecture for collectors who like to dream of rare and desireable records, and even if you don't buy there, the pictures of singers and record labels make it an interesting lecture. (I myself always like to learn more about what recordings have been made at a time when I wasn't even born, and how the labels looked like...)

List closes on June, 19th, 2012.

Sonntag, 13. Mai 2012

Ernst Wolff: 24 Lieder von Robert Franz





Here are the recordings of the Franz Lieder by Ernst Wolff:

Ernst Wolff (accompanying himself at the piano):
24 Lieder von Robert Franz

1.   Es taget vor dem Walde                                              1:40
2.   Ach Elslein, liebes Elslein                                            1:33
3.   Dich meiden                                                                 2:19
4.   Bitte op. 9 Nr. 3                                                            1:16
5.   Umsonst op. 10 Nr. 6                                                   1:15
6.   Gleich und gleich op. 22 Nr. 1                                      0:32
7.   Lieber Schatz, sei wieder gut mit mir op. 26 Nr. 2        1:37
8.   Die helle Sonne leuchtet op. 42 Nr. 2                           0:57
9.   Aus meinen großen Schmerzen op. 5 Nr. 1                 1:19
10. Gute Nacht  op. 5 Nr. 7                                                1:08
11. Es hat die Rose sich beklagt op. 42 Nr. 5                    1:24
12. Mädchen mit dem roten Mündchen op. 5 Nr. 5            1:35
13. Stille Sicherheit op. 10Nr. 2                                          1:56
14. Du liebes Auge op. 16 Nr. 1                                         1:16
15. Im Rhein, im heiligen Strome  op. 18 Nr. 2                  1:56
16. Wie des Mondes Abbild zittert op. 6 Nr. 2                    1:43
17. Ständchen op. 17 Nr. 2                                                1:09
18. Auf dem Meere op. 25 Nr. 6                                         1:29
19. Für Musik op. 10 Nr. 1                                                  1:15
20. Vergessen op. 5 Nr. 10                                                1:33
21. Abschied op. 11 Nr. 1                                                   2:25
22. Wandl‘ ich in dem Wald op. 39 Nr. 4                            1:52
23. Marie op. 18 Nr. 1                                                         2:08
24. Widmung op. 14 Nr. 1                                                  1:46


Recorded March 1936
Columbia Album Set 253
17054 (25 cm),           Matrix CO 18794-2 (Nr. 1-2)
Matrix CO 18854-4 (Nr. 3)
17055 (25 cm),           Matrix CO 18919-2 (Nr. 4-6)
Matrix CO 18885-5 (Nr. 7-8)
68501 (30 cm)            Matrix CO 18792-1 (Nr. 9-11)
                                   Matrix CO 18793-2 (Nr. 12-14)
68502 (30 cm)            Matrix CO 18800-4 (Nr. 15-17)
                                   Matrix CO 18799-6 (Nr. 18-21)
68503 (30 cm)            Matrix CO 18855-3 (Nr. 21-22)
                                   Matrix CO 18856-3 (Nr. 23-24)




Der Jüdische Kulturbund Jg. 5, Ausg. 8, Mai 1938
(click  on picture to see it in full scale)



PS. Ich weiß nicht, wann Ernst Wolff Deutschland endgültig den Rücken gekehrt hat und wie er ausreisen konnte. Es war bereits Ende der 30er Jahre schwierig für einen jüdischen Menschen, aus Deutschland auszureisen. Vielleicht half Wolff dabei, dass er bereits seit 1933 (oder eher) Tourneen in die USA unternahm und Kontakte dorthin geknüpft hatte. In Deutschland durfte er als Jude nur noch im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes vor jüdischem Publikum auftreten. Dass er dies noch 1938 getan hat, zeigt der oben abgebildete Ausschnitt aus dem Nachrichtenblatt des Jüdischen Kulturbundes.

1941 ist er dann in den USA und taucht in einer Ausgabe des „Aufbau“, einer Zeitung der deutschen Emigranten in Amerka, auf, wo seine Konzerttournee 1941-42 angekündigt wird. Der Ausschnitt findet sich unten (->siehe oben rechts. Leider hat Blogger das Bild so verkleinert, dass man nichts mehr lesen kann. Bei Interesse kann man es mit dem Link unterhalb des Bildes als PDF-Datei downloaden: dann lässt sich alles lesen!).

Aufbau 14.IV.1941, Jg. 7, Ausg. 15
(As Blogger has made the picture too small to read anything, you may download it here, if you are interested to read in this paper:)                         Download as PDF     


I don’t know exactly when Wolff did leave Germany, as it wasn’t easy at the end of the thirties to do so for a jewish German. Here are given two clips from Newspapers with news about Ernst Wolff. The first is from 1938 and from the newspaper of the “Jüdischer Kulturtbund” and shows,  that he appeared and worked in Germany as late as 1938. The second article from 1941 is from a newspaper for German emigrants “Der Aufbau”, when Wolff already was in the USA.



Freitag, 11. Mai 2012

Ernst Wolff - Bariton (1905 - 1991)







Der Sänger, den ich heute vorstellen möchte, war einer der vielen jüdischen Künstler, die in den 30er Jahren Deutschland unfreiwillig verließen und in den USA eine, in diesem Fall bescheidene, Karriere machten. Das Besondere bei Ernst Wolff war, dass er nur als Liedsänger auftrat und sich bei seinen Liederabenden selbst am Klavier begleitete. Zwar mag er damit, wie im Kutsch/Riemens Sängerlexikon vermerkt ist, großen Erfolg gehabt haben, richtig populär wurde er aber wohl nie. Dazu war das Repertoire des deutschen Kunstliedes doch zu speziell und seine Stimme, ein hoher beweglicher Bariton, zu wenig spektakulär. Jedenfalls sind kaum Fotos von ihm zu finden, und die ca. 40 Platten, die er in den 30er-Jahren für Columbia gemacht hat, fanden keine weite Verbreitung und sind selten. Andererseits ist es auch kein Sänger, der vom Mainstream der Schellack-Sammler gesammelt wurde, so dass seine Platten vielleicht auch deshalb selten zu finden sind. 

Ich stelle im folgenden ein paar Informationen über ihn zusammen, die ich gefunden habe. Zunächst das Sängerlexikon:


Wolff, Ernst, Bariton, * 1.3.1905 Baden-Baden, † 1991; er war der Sohn eines jüdischen Kantors und arbeitete zunächst in Frankfurt a.M. als Angestellter. Er nahm dann Gesangsunterricht und studierte am Hoch'schen Konservatorium in Frankfurt a.M. Musiktheorie und Klavierspiel u.a. bei E. Sekles und bei L. Rottenberg. 1925-30 war er als Opern- und Konzertrepetitor in Frankfurt a.M. tätig, seit 1931 Korrepetitor an der dortigen Oper; gleichzeitig hatte er eine erfolgreiche Karriere als Konzert- und Liedersänger. Seit 1933 konnte er als Jude in Deutschland nur noch beim Jüdischen Kulturbund in Frankfurt a.M. in Konzerten und Liederabenden auftreten, eine Tätigkeit, die er bis 1938 fortsetzte. Man erlaubte ihm sogar Auslandsreisen; so gab er im Dezember 1934 einen Liederabend beim englischen Rundfunk BBC und trat 1936 in New York auf. Nachdem er schließlich aus Deutschland geflüchtet war, veranlaßten Max Reinhardt und Kurt Weill ihn, in die USA zu kommen. Hier entschloß er sich, dem Beispiel des berühmten Interpreten Sir George Henschel zu folgen und Konzerte zu geben, bei denen er Lieder vortrug und sich selbst am Flügel begleitete. Er hatte damit in den USA große Erfolge wie auch mit zahlreichen Schallplatten, die bei Columbia herausgebracht wurden. Darauf wurden für damalige Verhältnisse in Amerika  ganz unbekannte Kompositionen publiziert, so eine Serie mit Liedern von Robert Franz, eine Sammlung mit Vokalwerken von Clara Schumann, eine andere mit Werken der Familie Bach, mit mittelalterlichen deutschen Liedern, mit Liedkompositionen von Franz Liszt. All diese Aufnahmen bezeugen die hohe Musikalität und den erlesenen Geschmack des Interpreten. Er wirkte in den USA als Pädagoge an mehreren Universitäten, unternahm aber immer wieder seine Konzertreisen, die ihn seit 1948 auch wieder in die europäischen Musikzentren führten. Er lebte später in Breganzona im Schweizer Kanton Tessin. Er ist auch unter dem Namen Ernst Lewin-Wolff aufgetreten.

[Lexikon: Wolff, Ernst. Großes Sängerlexikon, S. 26150
(vgl. Sängerlex. Bd. 5, S. 3757) (c) Verlag K.G. Saur]

In den 50er-Jahren machte er einige Aufnahmen für Folkways-Records mit „deutschem Liedgut“ wie Volksliedern, Studentenliedern oder Weihnachtsliedern, die als Downloads noch erhältlich sind:



Ernst Wolff, der ursprünglich Korrepetitor war und in im Opernhaus zu Frankfurt am Main wirkte, dirigierte die Uraufführung von Hindemiths "Lehrstück", einer Komposition für zwei Männerstimmen, Sprecher, Chor, Orchester, Fernorchester, Tänzer und Clowns, das als Komposition heute vergessen ist. Ebenfalls vergessen ist das Stück „Der gestiefelte Kater“ von Emil Alfred Hermann, Untertitel: Ein Volksmärchen mit Musik und Reigen in vier Akten, dessen Erstaufführung  von Wolff geleitet wurde. Es verlangt eine Damenstimme, 11 Männerstimmen, 5 Kinder und Nebendarsteller. Der Komponist, über den ich nicht viel herausbekommen konnte,  hat weitere Märchen der Gebrüder Grimm vertont, und komponierte anscheinend hauptsächlich für Kinder. Vielleicht ein Musiklehrer? Das Aufführungsmaterial kann heute noch ausgeliehen werden.

Der gestiefelte Kater
Ein Volksmärchen mit Musik und Reigen in vier Akten
1D, 11H, 5 Kinder, Nebendarsteller
Orchesterbesetzung: 2 Fl, 2 Ob, 2 Kl, 2 Fg, 2 Hr, 2 Trp, Pk, Vl I, II, Va, Vc, Kb, Hrf, Schl


Eine Diskographie von Ernst Wolff erschien mit einem Artikel im „Record Collector“, vermutlich um 1980 herum. Ich habe zwar eine Fotokopie davon, kann aber nicht genau sagen, aus welchem Jahr der Beitrag stammt.  Der Artikel über Wolff lautet wie folgt:


THE RECORD COLLECTOR
ERNST WOLFF
by Ronald Russell

It was in the late 1940s that 1 first became aware of Ernst Wolff. As a beginner in record collecting, I used to read and re-read the books on recorded music by B. H. Haggin, David Hall and Irving Kolodin, and it occurred to me that Wolff was the one artist who consistently came in for bad criticism.

B. H. Haggin wrote:
'As for Die schöne Müllerin you may have a friend with a pleasant voice who can sit down at the piano and sing through the songs for you; if not, Ernst Wolff will do it for you, but he will do no more than that; there is in his singing none of the imaginative insight and evocative power that there would be in the singing of a great artist.'

Irving Kolodin:
“I cannot endorse this as more than a sincere, misguided effort. Wolff's voice is at best a parlor baritone, and the demands of this music are such that it is too seldom heard at its best. He sings the songs with the intensity of a man who loves the material, and an occasional one of the slower songs is affectingly delivered. But that is a small accomplishment when Schubert has given a singer so much to work with. He is, of course, his own accompanist and only tolerably good. The recording is satisfactory, but no one wholly dependent on this interpretation could say that he really knows the songs.”

and finally David Hall:
'It would be a pleasure to say that the complete recording of this great song cycle was truly worth having, but such is not the case. Ernst Wolff has a pleasant, informal manner of presentation, but he is no great artist — lacking badly in vocal warmth, flexibility and artistic subtilty.'

Reading all these made me wonder just how bad he was. At that time, nothing of Ernst Wolff was available, and it was not until 1961 that I happened to find a copy of the Brahms Deutsche Volkslieder (Columbia X-128) in a junk shop. I was then interested in the kind of repertoire that Wolff sang, and this was my first chance to make my own judgment. When I put the first record on, it was a pleasant surprise, for he was an excellent singer. In my estimation, he compared quite favourably with Fischer-Dieskau, and other lieder singers. From then on, I resolved to get all of the 78 rpm recordings he made — entirely for Columbia — between the  years 1935-42. This is a project which I recently completed.

Born in Baden-Baden on 1st March, 1905 he received his musical education in Berlin. Frankfurt on Main, and in Milan. He began his career as a concert pianist giving recitals and appearing as soloist with Symphony Orchestras. He was also an accompanist, but it is not known to whom.
At the age of 23. he was appointed musical director of the School of Opera at the Frankfurt Conservatory. Whilst conducting a performance of Mozart's Marriage of Figaro, he was discovered by Clemens Krauss, and engaged as a conductor at the Frankfurt Opera.
While there, Wolff conducted the world premiere of the Fairy Tale — "Puss in Boots" by E. A. Herrmann on 9th December 1932. During this period Paul Hindemith engaged him for the International Chamber Music Festivals at Baden-Baden where he conducted the first performance of Hindemith's Lehrstück, a compo­sition for two male voices, speaker, chorus, orchestra, distant orchestra, dancer, clowns and crowd. He also distinguished himself as guest conductor throughout Germany.
Also during this time at the Frankfurt Opera, Wolff decided that he would have a much better understanding of his position if he learned to sing. At an opera dress rehearsal, one of the singers was suddenly taken ill. Ernst Wolff took over the role, singing it so well, that his fellow musicians advised him to undertake a singing career. He did this, studying seriously with Johannes Willy in Frankfurt and later with Moralli in Milan.
During the 1933 upheavals in Germany. Wolff was forced to leave his post in Frankfurt because he was Jewish. After 1933, he gave lieder recitals to his own accompaniments in England, Italy, Germany. Austria, Holland and Switzerland. The critic of the London Morning Post wrote: "To hear music of such completely different styles sung with the ease and aptitude shown by Ernst Wolff is most unusual. This musicianly and sensitive singer is certainly an artist much above the average, who utilises his fine baritone voice with indubitable effect."

After 1935, Wolff was in America, in New York, where he began to make recordings for Columbia. He also broadcast many times over WQXR. It is noted that he taught and gave lieder recitals in 283 American and Canadian Universities and Colleges. He had originally come to the USA for the New York production of Franz Werfel's The Eternal Road. Max Reinhardt and Kurt Weill, who had previously heard him in a Lieder recital, engaged him as singer and musical assistant for that production. Wollf also collaborated with Milhaud.

It is interesting that he recorded repertoire which was mainly off the beaten-track in the 78 days. The first and only sizeable selection of songs by Robert Franz, and Franz Liszt. An interesting album of Lieder by Erich Wolff (no relation) — only Florence Easton on a super-rare Victor (1731) had recorded two songs and these are not included on Ernst Wolff's collection.

All in all, Wolff's recordings could be considered an Anthology from early German songs — (Glogauer Liederbuch, 1460) to 20th Century, which is represented by the one and only recording of Max Kowalski's Song Cycle, Pierrot Lunaire. This is a beautiful little song cycle — using the same poems by Alfred Giraud (trans­lated into German by Otto Erich Hartleben), which Schoenberg used in his settings, composed at about the same time. This work certainly needs to be recorded again - a made to order assignment for Fischer-Dieskau, or perhaps Hermann Prey.

Two of the Columbia 78s were issued in England, and were reviewed in the Gramophone by H. F. V. Little. The first was DX-749 from the Franz Collection in October 1936 (2 sides 68501-D/68502-D).
Mr. Little writes:
I cannot go into raptures over Ernst Wolff’s voice; its really useful range is rather limited and it lacks warmth and colour. The singer is, however, an intelligent artist and an innovator. It must be admitted that recording artists have paid little attention to the songs of Robert Franz, though he is by no means a negligible figure in the world of song and there have been critics who regarded his settings of Heine's poems as being superior to those of Schumann. Ernst Wolff should therefore earn the gratitude of lovers of German Lieder for providing them with six of Franz's short songs on one record. The songs chosen may not, perhaps, make an immediate appeal and a more sharply contrasted group would possibly have been preferable; but anyway, the ice has been broken, and the near future may find other artists taking an interest in Franz."

A letter of rebuttal appeared in the November, 1936 issue:
"As a very keen student of singing and vocal art, parti­cularly in relation to Ihe gramophone, I must express a little shade of disappointment which I felt at the review of Ihe Franz Lieder record (sung by Emit Wolff) reviewed in last month's issue. This particular record was such a notable highlight after months and months of almost unrelievably poor vocal output, that I felt that endeavour so honest and so praiseworthy might have been met by much more generous terms.
I am aware how debatable the ground is, and how personal our expression must be about such things as range and quality of voice, but I certainly do not think that your critic's strictures would find general acceptance, and in fact they are completely at variance with most other reviews I have seen. The songs obviously demand refinement rather than breadth of style, and the interpretation certainly seems to give all that the songs demand in vocal colour, quality and sensitivity of feeling."
In June, 1938 came the review of the  three Mendelssohn Songs (DB-2764). Mr. H. F. V. Little again wrote:
"Ernst Wolff will be already known to lovers of the German Lied for his record of some songs by Robert Franz. Once again, he avoids songs that are popular favourites and often recorded, choosing instead three songs by Mendelssohn which will be new to many collectors. At the risk of once more offending the correspondent who rebuked me for my notice of the earlier record, I can only repeat that while Wolff is an artistic singer he has not much of a voice; for beauty ff tone he cannot he compared with Janssen. Hüsch or Schlusnus and I feel bound to regard this as a liability.”

During the 1950s, Ernst Wolff made a few LP recordings for Folkways. These consist primarily of songs drinking and otherwise, but no significant examples at all of lieder. One of these LPs consists of 30 songs by Telemann from Singe-, Spiegel-, und Generalbass Übungen (l733-34). One of the Columbia 78s includes three Telemann songs, of which two are on the Folkways record. Die Rechtestimmung does not appear to have been redone. Incidentally, this record lists Wolff as a tenor. Nothing from the Columbias has ever been transferred to microgroove and I do not think there is much likelihood of it.


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Wie man liest, ist die Stimme und Gesangsleistung von Ernst Wolff kontrovers beurteilt worden. Ich selbst höre sie sehr gerne, weiß seine feine, diskrete und sehr kultivierte Kunst zu schätzen und bin ihm sehr dankbar, dass er mich auf den Komponisten Robert Franz aufmerksam gemacht hat, den ich sehr schätze, seit mir meine erste Ernst Wolff-Platte in die Hände gefallen ist. Sie ist, zum Anhören, in meinem vorigen Beitrag über Robert Franz zu finden. Das komplette Columbia-Album mit 24 Robert Franz Liedern (5 Platten) werde ich in den nächsten Tagen als Download hier veröffentlichen.


English: 
Here you find some informations about the singer Ernst Wolff, mainly from the Sängerlexikon and from an old article in “The Record Collector“, from which I don’t know the correct date when it appeared. If anyone can give more information about the singer or has more photos, I will be happy to receive it. In my next posting I will publish his Robert Franz Recordings, and I am preparing other Lied Recordings of Wolff for publication. As there is not much information about Ernst Wolff, let me say that I think that he is not identical with the pianist Ernst Victor Wolff (often given as Ernst V. Wolff), who was the pianist in some recordings of Alexander Kipnis (for example Brahms Song Society). As CHARM is right, Ernst Wolff also made some recordings as a pianist. Or was it Ernst Victor Wolff?