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Sonntag, 30. Dezember 2012

1. Januar 1953 - R.I.P. Hank Williams - seit 60 Jahren

Am 1.Januar 2013 ist Hank Williams offiziell seit 60 Jahren tot. Ihm verdanke ich meine ersten entscheidenden musikalischen Eindrücke, und deshalb kommt hier meine kleine persönliche Hommage an diesen Künstler, der in seiner Person die amerikanische Volksmusik wie kein Zweiter verkörperte und der mir das Tor zu Country, Blues und Jazz schon als kleines Kind geöffnet hat.


Meine erste Hank Williams-Platte


"Meine" erste Platte von ihm war ein 10-inch Memorial Album mit acht Hits, das meinen Eltern gehörte und das sie von meinem Onkel aus Amerika bekommen hatten. Mit zwei Jahren durfte ich den Plattenspieler bedienen, und damit begann meine Plattenleidenschaft. Bereits als Dreijähriger war die Hank Williams-EP bei mir ein vielgehörtes Album. Mit 6 Jahren bekam ich eine Spielzeuggitarre geschenkt und spielte, ohne des Gitarrespielens mächtig zu sein, "Hank Williams", und wenn ich in der Grundschule gefragt wurde, wer mein Lieblingssänger sei, kannten die anderen Kinder Hank Williams leider nicht...

Das oben abgebildete Album werde ich hier nicht verbreiten, weil die Lieder alle bekannt sind. Dafür hatte mein Vater noch zwei seltenere Hank Williams-Singles, die ich hier teilen möchte.

Hank Williams Extended Play Single MGM-EP-608


Das eine war ein Auszug aus der LP "I saw the light" mit Country-Band, Fiddle, Orgel und Background-Gesang, das andere eine Single mit "First fall of Snow" und "Someday you'll call my name", die mich noch mehr beeindruckte: nur ein Mann und eine Gitarre, und doch tat sich eine ganze Welt auf... Die Texte verstand ich damals noch nicht so ganz (meine Eltern übersetzten mir ein bisschen), und doch war ich tief beeidruckt von der emotionalen Tiefe. Auch wenn ich aus heutiger Sicht die kommerziellen und schnulzigen Seiten daran bemerke, stehe ich doch dazu, dass ich die Stücke auch heute noch gerne höre. Vintage Amerikanische Volksseele...

Sehr ergreifend für einen Sechsjährigen - und auch heute noch: At the first fall of Snow


Später, in der Mitte meines bisherigen Lebens, sind noch zwei Platten dazugekommen, die ich hier auch wiedergebe: eine Schellackplatte und eine weitere Single, die laut http://www.hankwilliamsdiscography.com   erst 1964 veröffentlicht wurde. Die Angaben dort können aber nicht so ganz stimmen: Neben Hank Williams wird lediglich Hank Snow als (voc) angegeben. Es ist aber eine ganze Band (The Drifting Cowboys) mit Background-Chor dabei, und das dort angegebene Aufnahmedatum von Juli 1953 kann auch nicht richtig sein. Da war HW nämlich schon ein halbes Jahr tot. Oder ich verstehe die Diskographie nicht richtig. Denn für die EP-Single (Track 1-4) sind dort auch (Aufnahme?-) Daten für 1953 und 1954 angegeben. 


 
Meine einzige Schellackplatte von Hank Williams



Single von 1964 ??

Das wären dann meine Original-Tonträger von Hank Williams. Zu LP-Zeiten hatte ich natürlich auch ein paar Greatest-Hits-Alben von ihm und vor ein paar Jahren kaufte ich mir noch einen schön aufgemachten 10- CD-Set "The complete Hank Williams", der aber (zum Glück) noch lange nicht wirklich komplett ist. Wenn ich einmal viel Geld habe, kaufe ich mir vielleicht noch die Rundfunkaufnahmen, die bei Bear Family erschienen sind. Andererseits: wenn man 100 Lieder von Hank Williams kennt, kennt man eigentlich alle, und so bleibe ich meinem seit ein paar Jahren bestehendem Vorsatz treu, nur Material "in echt" (und nicht nur auf Festplatte) anzuhäufen, das ich auch wirklich häufiger höre und nicht nur "besitze".

Hier also meine private Hank Williams Playlist zum 60. Todestag. Die Qualität ist nicht immer die beste, aber auf der 10-CD-Box von Mercury klingen die meisten Aufnahmen auch nicht besser (Knistern und Nebengeräusche im Hintergrund).

HANK WILLIAMS Playlist (17.IX.1932 - 31.XII.1952 oder 1.I.1953)

1. I'm Gonna sing 
2. Message to my mother
3. Thank God (Rose)
4. The Angel of Death
5. The First Fall of Snow (Rose)
6. Someday you'll call my name (Branch-Hill)
7. They'll never take her love from me (Payne)
8. Why shouldn't we try anymore
9.  You better keep it on your mind
10. Low down Blues

1-4: MGM EP 608 (45 UpM) rec. ca. 1952 ? except (3) from 1949
5-6: MGM K 12077 (45 UpM), rec. 1949, released 1955
7-8: MGM 10760 (78 UpM), rec. Jan. and June 1950
9-10:MGM K 11675 (45 UpM), rec. ca. 1952 ? released 1964?

All Songs written by Hank Williams except otherwise noted.


Download 4shared new Dec. 13





Die Rückseite des Memorial Album mit einem rührseligen Brief des MGM-Produzenten an HW, der garantiert NICHT am 1.I.1953 geschrieben wurde... (This letter of his producer was surely NOT written on Jan. 1st. 1953)

Und so endete die Geschichte: Hank Williams starb auf einer 36-stündigen Fahrt zu einem Konzert, für die er einen 18-jährigen Taxifahrer engagiert hatte. Er war damals 29 Jahre alt, vermutlich schwer herzkrank, langjähriger Alkoliker und betrieb Missbrauch mit Schmerzmitteln gegen seine chronischen Rückenschmerzen. Ferner bekam er an seinem letzten Tag Morphium gespritzt und nahm Chloraldurat, ein Beruhigungs- und Betäubungsmittel. Am Abend des 31.12.1952 wurde er von zwei Hotelangestellten eines Hotels in Knoxville, wo er die Fahrt unterbrochen hatte, gegen 22.45 Uhr in das Auto getragen, das ihn zu seinem Konzert am 1.I.1953 nachmittags bringen sollte. Da er nicht ansprechbar war, war er evtl. da schon tot oder lag im Koma. Gegen 23.45 Uhr bemerkte der Fahrer, dass er blau angelaufen war. Er fuhr aber trotzdem weiter. Gegen 5.30 Uhr wurde offiziell sein Tod in einem Krankenhaus festgestellt. Der Tod könnte schon bis zu 6 Stunden früher eingetreten sein, hiess es dort. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass Hank Williams bereits am 31.XII.1952 starb. Das offizielle Todesdatum ist der 1.I.1953.


Die Biographie von Colin Escott



Colin Escott schreibt zusammenfassend in seiner Biographie über ihn:

Das abschließende Paradoxon ist folgendes: Hank Williams hinterließ keine Tagebücher, fast keine Briefe und keine ausführlichen Interviews, und die Menschen, die ihn am besten kannten, müssen eingestehen, dass sie ihn in bestimmter Hinsicht überhaupt nicht kannten; aber trotz seiner Mehrdeutigkeit und Schemenhaftigkeit erscheint der wahre Hank Williams in seiner Musik mit erschreckender Deutlichkeit. Er entging der Schande, seine Besäufnisse und seine Affären in der Zeitung breitgetreten zu sehen, aber er hinterliess das Tagebuch seines Lebens in Versform und so überzeugend von ihm gesungen, dass wir das Gefühl haben, ihn gut zu kennen. In seinen besten Zeiten fasste er einen Augenblick oder eine Empfindung in Worte, die simpel genug waren, um sie schnell zu verstehen, aber gleichzeitg bedeutungsvoll genug, um sie immer wieder hören zu können. Das ist und bleibt die wichtigste Herausforderung an die populäre Musik.

Rückseite von EP 608










Above you find my private hommage to Hank Williams, whose music accompanies my life since my second year of life. I have made a little playlist with all the "originals" that I have in my stock exept the Memorial Album which contains only material everybody will know, who reads these lines. (And besides this: it is in no good condition - I played it to often as a little boy, when you had to put the tonearm without a lift on the record surface).

Hank Williams died on a one and a half day taxi ride to a concert sheduled for the first of January, 1953 in the afternoon. He was an alcoholic for many years and probably had a severe heart desease since a few months, which was untreated. He rode with a 18 year old taxi driver and stopped the journey because he wanted to drink alcohol, get a morphine injection because of his chronical backache, and took Chloraldurat, a strong anesthetic and pain reliever. He collapsed in Knoxville in a hotel, where he had made a stop on the journey. Two hotel employees carried him to the car at 10.45 p.m. He showed no reaction then and was maybe dead or dying at that point of time. The driver rode on, even if he noticed that Hank Williams lying on the back seat had become blue in the face, a symptom for acute lack of oxygene (or a sign of already occurred death). At 7 a.m. on Jan. 1st, 1953 his dead was confirmed in a hospital a few 100 miles further. His hands were already cold then, and the doctor said, that the dead might have occured about six hours before. So it is probable that he already died on Dec. 31st, 1952. As the official death date Jan., 1st 1953 is given. Even if 1952 was his most successful year regarded to record sales, he didn't have much money left at the time of his death. After his death his record sales were even bigger than during lifetime, and he soon became a legend.

Rest in Peace, Hank Williams!


Dienstag, 25. Dezember 2012

Auch nach fast 110 Jahren noch überzeugend: Emile Scaramberg (Tenor, 1863-1938)

Emile Scaramberg (1863-1938)

Vor einigen Jahren habe ich mir alle Aufnahmen des Tenors Emile Scaramberg, die ich finden konnte, aus verschiedenen Quellen zusammengestellt. Weil mich dieser Sänger immer noch fasziniert und weil seine Aufnahmen, die in den Jahren 1905 und 1906 entstanden, auch heute noch mit Genuss hörbar sind, stelle ich diese Auswahl hier vor.



Fast alle Aufnahmen erschienen auf Fonotipia


Emile Scaramberg (so ist der Name auf den Schallplatten geschrieben, an anderer Stelle z.B. auf Fotos wird er auch Scaremberg geschrieben) wurde am 26.IV.1863 geboren und debütierte 1893 an der Opéra Comique als Richard Löwenherz in Grétry's gleichnamiger Oper. 1907 verlor er seine Stimme und musste seine Karriere als Sänger aufgeben. Andere Quellen geben an, dass er aufgrund eines schweren Unfalls mit ernsten Verletzungen seine Bühnenlaufbahn aufgeben musste. In den zwei Jahren davor machte er ca. 30 Aufnahmen für Fonotipia, von denen manche unter dem Odéon de Luxe-Label erschienen. Kurz vor seinem Rückzug von der Bühne machte er ca. 1907 noch mindestens zwei Aufnahmen bei Disques Phrynis, einem Label, dass nach dem gleichen System wie Pathé aufnahm ("hill and dale", Disque Saphir).


Eine weiteres Label von Scaramberg von der japanischen Website


Das Sängerlexikon schreibt zu ihm:


Scaramberg, Émile, Tenor, * 1863 Besançon, † 26.2.1938 Besançon; er erhielt eine sehr sorgfältige Ausbildung am Institute Sainte-Marie in Paris (bis 1877) und bei dem Tenor É. Pellin in Paris, wurde dann aber Hornist in einer Militärkapelle. Nach weiterer Ausbildung durch Charles Nicot in Paris debütierte er 1893 an der Pariser Opéra-Comique in »Richard Coeur-de-Lion« von Grétry. Er blieb zwei Jahre an der Opéra-Comique und sang dann an den Opernhäusern von Nantes, Nizza, Marseille, Bordeaux und Vichy. Gastspiele führten ihn an die Covent Garden Oper London (1894), an die Oper von Monte Carlo und an die Hofoper von Moskau. In der Saison 1896-97 sang er an der Oper von Nizza als Partner der großen Primadonna Nellie Melba. 1897 gastierte er am Opernhaus von Antwerpen als Tannhäuser, 1898-99 trat er am Théâtre de la Monnaie in Brüssel auf. Er hatte dann aufsehenerregende Erfolge am Opernhaus von Lyon als Werther in der gleichnamigen Oper von Massenet. Bei einem Gastspiel in Bordeaux hörte ihn der Direktor der Grand Opéra Paris Pedro Gailhard und verpflichtete ihn sofort für die Saison 1903-04 an sein Haus. 1903-07 war er Mitglied der Grand Opéra von Paris (Antrittsrolle: Lohengrin). Hier wirkte er u.a. 1905 in einer wichtigen Aufführung von Glucks »Armide« mit. Er verlor plötzlich 1907 seine Stimme, mußte seine Karriere aufgeben und lebte seitdem als Pädagoge in Besançon. Zu seinen Schülern gehörten u.a. Louis Guénot und Renée Camia. – Schön gebildete Tenorstimme, die nicht nur das französische Repertoire, sondern auch Wagner-Partien beherrschte.

Seltene Schallplatten der Marken Fonotipia (Paris, 1905) und Odéon de Luxe (Paris, 1905-06).
[Lexikon: Scaramberg, Émile. Großes Sängerlexikon, S. 21456
(vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 3070 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Ich schätze diesen Sänger sehr und höre seine Aufnahmen gerne. Bei Michael Scott kommt er nicht so gut weg: er nennt ihn provinziell und bäurisch und betont, dass er gegenüber seinen damaligen Kollegen wie Jean de Reszke und Ernest van Dyk wenig Eindruck beim Publikum machte. Da diese beiden aber fast keine Aufnahmen hinterlassen haben und wir heute nicht mehr den Vergleich haben, kann man sagen, dass er aus heutiger Sicht ein sehr zufriedenstellender Sänger ist. Hier noch der Text von Michael Scott:


EMILE SCAREMBERG (1863-1938), .a tenor whose voice had  the real heroic ring,  made his debut in 1893 at the Opera-Comique, in the title-role of Gretry's Richard Coeur de Lion; the following season  he graduated to the Opera. But he had  none of the stylish attributes likely to commend  him to audiences infatuated with de Reszke. During the next few years he withdrew to the provinces —to Nantes, Vichy, Marseilles, Nice and Bordeaux. Later he went abroad as a guest to the Monnaie, Brüssels, and  to Antwerp, Monte Carlo and Russia. For one season he sang at Covent Garden as Domique in a revival of Bruneau's L'Attaque du moulin, Raoul and Romeo; this last part he shared with de Reszke. Also at Covent Garden that Jubilee season were Salignac, Alvarez and van Dyck (then still in voice); in such company, Scaremberg made no impression. In 1903, after the retirement of de Reszke, the way at last open, he made his rentree into the Paris Opera as Lohengrin, following it with Romeo and Renaud in Gluck's Armide. He was to remain unlucky, however, for before he could establish himself an accident brought his career to an untimely end; during a performance he was seriously injured by some falling scenery.
Scaremberg's records show off a strong, evenly produced voice. In spite of a marked vibrato, the tone is pure, the execution clean and mostly accurate. However, his technique is not remarkable; in Sigurd's entrance from Reyer's opera, the brilliant high notes make an effect but the declamation is not securely based. Elsewhere. in music calling for suave phrasing, there is no real legato. His manner is pedestrian and his style provincial.

Michael Scott, Record of Singing 1977, S. 63



Weitere wichtige Angaben über ihn finden sich im Beiheft der Marston-Edition "Early French Tenors", die alle (?) Fonotipia-Aufnahmen von Scaramberg, teils in verschiedenen takes enthält. Man kann die Tracklist also als eine Art Diskographie betrachten.




Bei Marston sind die Aufnahmen vermutlich besser überspielt als bei meinen Versionen, von denen ich teilweise nicht mehr rekonstruieren kann, wo ich sie herbekommen habe. Die Phrynis-Aufnahmen hat Marston aber auch nicht auf seiner CD. Den Hinweis darauf fand ich auf der Seite eines japanischen Sammlers, woher auch meine Fotos stammen:




Disque Phrynis





Scaramberg Phrynis S-1116

Scaramberg Phrynis S-1117

Hier nun die Playlist, leider ohne die seltenen Phrynis-Aufnahmen.:

Emile Scaramberg, Fonotipia 1905-1906  

1.       Romeo et Juliette: Ah lève toi, soleil (Gounod)       
            xPh 640-2, 39172                                                     
  2.       Romeo et Juliette: Madrigal (Gounod) + Georgette Bréjean-Silver             
            xPh 728-4, Odeon 56051
  3.       Manon: Ah fuyez, douce image (Massenet)
            xPh 641, 39174
  4.       La Reine de Saba: Respirez-moi, grace divine (Goldmark) 
            xPh 656, 39180
  5.       Carmen: Air de la Fleur (Bizet)                                       
            xPh 660, 39178
  6.       Lohengrin:  Ah! respirons (Wagner) 
            xPh 661, 39187
  7.       Werther: J'aurais sur ma poitrine (Massenet)                                                            
            xPh 662, 39179
  8.       Rigoletto: Comme la Plume au Vent (Verdi)
            xPh 663, 39177
  9.       Rigoletto: Ballade (Verdi)    
            xPh 751, 39184
10.       Faust: Salut, demeure chaste et pure (Gounod)
            xPh 752, 56045
11.       Faust: Laisser moi contempler (Gounod) + Georgette Bréjean-Silver
            xxxPh 691 (35cm), Odeon 86001
12.       La Favorite: Ange si pure (Donizetti)                                                                                  
             xPh 734-1, 39359
13.       Cavalleria Rusticana:  O Lola (Mascagni)
            xPh 665-2, 39175-2
14.       Paillasse: Ne grimer (Leoncavallo)                                                                                      
            xPh 733, 39358
15.       Sigurd: Entrée de Sigurd (Reyer)                                                                                        
            xPh 672, 39176
16.       Lakmé: Fantaisie au divins Mensonges  (Delibes)
            xPh 687, 56049-3
17.       Fedora: Air de Loris (Giordano)                                                                                          
            xPh 673, 39173-3
18.       Mireille: Anges Du Paradis (Gounod)                                                                                 
            xPh 686, 39189-3
19.       Manon: Ah fuyez, douce image (Massenet)
            xPh 641-3, 56048
20.       Werther: J'aurais sur ma poitrine (Massenet)                                                                       
             xPh 662-2, 39179
21.       Werther: Pourquoi me reveiller (Massenet)  
            xPh 760, 39186
22.       Mignon: Elle ne croyait pas (Thomas)                                                                                 
            xPh 762,  Odeon 56095
23.       Si j'etais Roi: J'ignore son Nom (Adam)                                                                              
            xPh 763-2,  Odeon 56074

            Tracks 1 - 15 with Piano, Tracks 16 - 23 with Orchestra


Here I present the greatest part of the recordings of Tenor Emile Scaramberg, which I have compiled from different sources. Some biographical informations you'll find above in cutouts from Kutsch/Riemens and Michael Scott. Another valuable source are the liner notes of the edition "Early French Tenors" of Marston Records, which contains a nearly complete list of his known recordings, and the site of a Japanese collector, who shows photos of two sides of Scaramberg on Disque Phrynis, a small French label, from 1907.

There is also a French Wikipedia site, which insists on spelling the name "Scaremberg". 
The same spelling can be found on a foto of Scaramberg on the Japanes website mentioned above:

Scaramberg (Scaremberg ?) als Faust


And here you can watch Ward Marston chatting about Scaramberg while sitting on a sofa with his dog...



I guess his transfers of the records are better than mine, as he always does a very good work, but I hope you can enjoy my recordings neverteless!


PS. If you can supply some recordings not given above or photos (scans) of the Odeon de luxe labels of Scaramberg, you are welcome to contact me and give these additional informations (or music) to the other readers!



Georgette Bréjean-Silver (featured on Track 2 and 11)


Bréjean-Silver, Georgette, Sopran, * 22.9.1870 Paris, † (?): eigentlich Georgette-Amélie Sisout; sie wurde am Conservatoire National in Paris ausgebildet, wo sie Schülerin von Mangin und Crosti war. Debüt 1890 an der Oper von Bordeaux, an der sie u.a. in den lokalen Premieren der Opern »Sapho« und »Esclarmonde« von Massenet mitwirkte und zahlreiche Koloraturpartien aus der französischen wie der italienischen Opernliteratur sang. 1894 kam sie an die Opéra-Comique von Paris (noch unter dem Namen Mme Bréjean-Gravières), wo sie als erste Rolle die Manon in Massenets gleichnamiger Oper sang. Dies war ihre Glanzrolle, und Massenet komponierte für sie zu einer Aufführung in Brüssel an Stelle der berühmten Gavotte eine Bravour-Arie, den sogenannten Fabliau (die lange Zeit in Brüssel gesungen wurde). Sie sang am 24.5.1899 an der Opéra-Comique in der Uraufführung von Massenets »Cendrillon« die Rolle der Fee. Große Karriere in Paris, Gastspiele führten sie vor allem an die Opernhäuser von Nizza und Monte Carlo. in Monte Carlo hörte man sie 1895 in der Titelpartie von Massenets Oper »Manon« und als Lakmé von Delibes, 1896 als Marguerite de Valois in den »Hugenotten« von Meyerbeer und als Leila in »Pêcheurs de perles« von Bizet. Später trat sie hauptsächlich am Théâtre de la Monnaie Brüssel auf. In ihrem Repertoire fanden sich weiter Partien wie die Angéla in »Le Domino nor« von Auber, die Philine in »Mignon« von A. Thomas, die Euridice im »Orpheus« von Gluck, die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Mathilde in Rossinis »Wilhelm Tell« und die Rosenn in »Le Roi d'Ys« von E. Lalo. Sie lebte dann als Pädagogin in Paris. In erster Ehe war sie mit dem Direktor des Opernhauses von Bordeaux Mr Gravières verheiratet, in zweiter Ehe mit dem Komponisten Charles Silver. 1951 lebte sie noch in Courbevois. – Brillant geführte Koloraturstimme von schwebender Leichtigkeit der Tongebung.

Schallplatten: Fonotipia und Odéon de Luxe (Paris, 1905-06). Auf Odéon de Luxe u.a. zwei Arien aus »La Belle au Bois Dormant«, einem Werk von Charles Silver, das sie 1902 kreiert hatte.

[Nachtrag] Bréjean-Silver, Georgette; sie sang im Januar 1902 am Opernhaus von Marseille in der Uraufführung der Oper »La belle au bois dormant« ihres Gatten, des Komponisten Charles Silver (1868-1949).

[Lexikon: Bréjean-Silver, Georgette. Großes Sängerlexikon, S. 2976
(vgl. Sängerlex. Bd. 1, S. 444 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]




Dienstag, 27. November 2012

Die erste Tonaufnahme von 1860

Phonautograph von Édouard-Léon Scott de Martinville


Beim Stöbern auf Youtube bin ich auf ein interessantes Video über die erste Tonaufnahme von ca. 1860 gestossen. Es passt hier an diese Stelle, da ich sehr alte Tonaufnahmen faszinierend finde und gerade etwas über technische Klangbearbeitung geschrieben habe. Bei dieser frühesten Aufnahme  handelt sich eigentlich nicht um eine abspielbare Aufnahme, sondern um eine graphische Aufzeichnung von Schallwellen, die, wie man heute vermutet, der Erfinder Édouard-Léon Scott de Martinville (1817-1879) selbst erzeugt hat, indem er einige Sekunden des französischen Kinderlieder "A la claire de lune, Pierrot repondit..." gesungen hat. (Den Text habe ich auch aus einem andern Youtube-Video. Der zweite Teil könnte auch "mon ami Pierrot..." heissen.)

In dem Video werden die verschiedenen Stufen der Entschlüsselung und Soundbearbeitung vorgeführt, die durch einige Forscher um David Giovannoni im Jahre 2008 mit einem nur als Bild verfügbarem "Phonautogramm" durchgeführt wurden, das mit Computerprogrammen in hörbaren Schall umgewandelt wurde. (Es stammt nach einer Angabe in dem Video vom 9.IV.1860.) Warum die Stimme wie eine Kinderstimme klingt, wird weiter unten erläutert.


David Giovannoni mit dem Phonautogramm

Bitte schauen Sie dieses Video an (dauert eine Minute):

Youtube VIDEO (Das Video kann leider nicht eingebettet werden).

Die Entschlüsselung wurde möglich, weil auf dem gleichen Phonautogramm ein Stimmton aufgezeichnet war, der eine definierte, von Scott angegebene Frequenz hatte. An einer später von Giovannoni bearbeiteten Aufzeichnung von Scott, die auch diesen Stimmton verwendete, zeigte sich dann aber, dass die Frequenz von Scott missverständlich angegeben war. Es hatte die Frequenz in halben Amplituden statt, wie heute üblich, in vollen Schwingungen angegeben. Daraus ergab sich, dass die Aufnahme doppelt so schnell wie aufgezeichnet transkribiert worden war. Die zweite gefundene Aufnahme, die einen rezitierten Text aus einem Theaterstück enthielt und die nach dem gleichen Verfahren wie die erste per Computer umgewandelt wurde, lief eindeutig viel zu schnell. Bei einem Gesangsstück hätte es sich ja auch um eine Kinderstimme handeln können. Bei dem Sprechstück aber war kein Zweifel möglich, und so wusste man nun, dass man die Aufnahme halb so schnell abspielen musste wie oben in dem Video gezeigt. Die "richtige" Aufnahme mit der Stimme von Scott klingt nun so (für mich rein subjektiv zu langsam!):

  Édouard-Léon Scott de Martinville, korrigierte Fassung von 2010 by Emilio de Gogorza


Die zweite Aufnahme mit dem rezitierten Text, von der hier die Rede war, und anhand derer die erste korrigiert wurde, wird auch in einem Youtube-Video vorgeführt (Soundaufnahme ab 1'35", der Text vorher ist aber auch interessant):





Zum Schluss noch einige Angaben zum Weiterlesen:

Die Restauratoren dieser frühen Aufnahmen haben eine Website, die weitere interessante Beispiele von sehr frühen Aufnahmen enthält sowie ein Radiofeature über die Entdeckung, die 2008 in den USA eine kleine Senstaion war (hörbarer aufgezeichneter Schall fast 20 Jahre vor dem "Nationalheiligen" Edison):

http://firstsounds.org/

Von ihr stammt auch die korrigierte Aufnahme.

Die Wikipedia-Seite über Édouard-Léon Scott de Martinville ist hier :


Édouard-Léon Scott de Martinville

The earliest sound recording from 1860

http://www.youtube.com/watch?v=znKNQXo58pE&feature=share&list=ULznKNQXo58pE

Above you can watch a video about the earliest sound recording and with which steps of technical sound editing it was deciphered. The video contains the knowledge of 2008. There was a team of scientists (and enthusiasts) who made it possible that this sound recording, which wasn't made for playback but was only a sheet of paper with some "recorded" wavelines on it, can be listened to today. Later they found while working with a second recording, that the transfer they had made by computer was 100% too fast. When you listen to the corrected recording at half speed, which was issued in 2010 (Soundcloud bar above), you now can hear the real voice of Édouard-Léon Scott de Martinville.

The editors of these recordings have a website devoted to very early recordings and feature some (very hard to decipher but well edited) recordings from the 1880ies from the Volta laboratories. It is very interested to see how the disc recording we know today has developed during a long experimental phase. There are some discoveries on this website and also a link to a newspaper article from the New York Times from 2008, where the recordings above are described.

http://www.nytimes.com/2008/03/27/arts/27soun.html?hp

http://firstsounds.org/

I am fascinated by very old recordings and also fascinated by the possibilities of sound editing with computers, and so these recordings came to my mind.


Sonntag, 25. November 2012

Wie ich meine Schellacks überspiele / How I transfer my shellack records

Dies soll kein Kursus für das Überspielen von Schellackplatten auf digitale Medien werden, aber da ich hier einige selbstüberspielte Aufnahmen veröffentlicht habe (z.B: Ernst Wolff oder Hermann Weil), die anderweitig nicht ohne weiteres zu bekommen sind, möchte ich hier ein paar Angaben machen, wie ich die Aufnahmen technisch behandle.

Ich benutze einen Reloop Disco-Plattenspieler. Seitdem die DJs das scratching und das Benutzen von echten Vinyl-Platten wiederentdeckt haben, gibt es, anders als noch vor 10 Jahren, eine Fülle von technisch sehr robusten Schallplattenspielern, die über die Einstellung 78 UpM verfügen und zudem starke Motoren haben, die innerhalb einer Sekunde die Solldrehzahl erreichen und sehr exakt einhalten. Ich benutze einen RELOOP RP-5000, aber es gibt auch andere ähnliche sehr gut geeignete Plattenspieler. Die Zeiten, wo man als Sammler versuchen musste, einen alten LENCO oder Dual-Plattenspieler wieder mühsam ans Laufen zu bekommen, um einen Plattenspieler mit 78 UpM zu bekommen, sind seit der Discowelle zum Glück vorbei.

Plattenspieler für 78 UpM


Schwieriger ist es schon, eine passende Nadel zu finden. Verschiedene Plattenfabrikate brauchen verschiedene Nadeldicken, um optimal abgetastet zu werden. Als Faustregel kann man sagen, dass eine Abtastspitze für Schellacks ungefähr 4x dicker ist als für LPs. Für das Standardsystem Shure M 75 gibt (oder gab) es solche Nadeleinschübe zu kaufen. Ich besitze zwei dieser Systeme, die ich abwechselnd benutze. Die Nadeleinschübe habe ich schon vor Jahren bekommen. Ich weiss nicht, ob es sie noch zu kaufen gibt, aber neulich fand ich im Internet auch von anderen Fabrikaten wie z.B. Orthofon Abtastnadeln für Schellackplatten.

SHURE M 75 für Schellacks



Da es sich um moderne Magnetsysteme handelt, braucht es eine Phono-Vorverstärkung. Dafür wird der Plattenspieler bei mir in einen HiFi-Verstärker mit Phono-Eingang (und damit einem eingebauten Vorverstärker) angeschlossen. Über einen Tonband-Ausgang wird das Signal dann zurück zur Soundkarte des Computers geführt und dort aufgenommen. Ich benutze zum Aufnehmen "Audiorecorder for free" von Softonic. Früher habe ich am liebsten mit Wavelab lite aufgenommen und auch meine Aufnahmen geschnitten. Dieses Programm ist sehr bequem, unglaublich schnell beim Schneiden und erlaubt sowohl Aufnahmen als auch Filterung und Soundbearbeitung in geringerem Umfang. Leider läuft es nicht auf Windows 7, weshalb ich es kaum noch benutze. Stattdessen verwende ich WavePurity, das mittlerweile ca. 80 EUR kostet und viel kann. Ein Kauf lohnt sich in meinen Augen auf jeden Fall. Leider ist es realtiv langsam, da es bei jedem Bearbeitungsschritt erst alles wieder speichert, um es bei Bedarf wiederherstellen zu können, und keine echte Stapelverarbeitung von mehreren Dateien erlaubt. Dafür hat es, im Bereich der LPs, eine sehr gute Entrauschung und insgesamt eine gute Entknackung. Diese ist für Knistern und Knacken getrennt einstellbar. Die vorgeschlagenen Standardeinstellungen tuen es meist schon sehr gut.

Ich schneide meine Roh-Aufnahmen so zurecht, dass am Anfang ca. 1 Sekunde Plattenrauschen zu hören ist. Das hat den Vorteil, dass man später noch teuere Programme wie zum Beispiel Diamond Cut einsetzen könnte, die einen "Rausch-Fingerabdruck" nehmen können. Das Programm braucht etwa ein 1 Sekunden langes Stück Rauschen und kann dann daraus eine Filtereinstellung errechnen und anbieten, die speziell auf diese Rauschen zugeschnitten ist. Das Programm kostet aber 199,- EUR, und ich besitze es nicht. Außerdem halte ich persönlich nicht viel von Rauschunterdrückung bei Schellackplatten (dazu weiter unten mehr).

Am Ende meiner Aufnahmen lasse ich auch noch ein Stück Plattenrauschen übrig. So habe ich schon viele meiner Schellackplatten digital gespeichert. Neuerdings füge ich auch noch 3 Sekunden Stille an die Aufnahmen an, da ich in meinem Blog ja alles als MP3-Dateien anbiete. Bei einer gebrannnten CD kann man im Brennprogramm einstellen, wieviel Sekunden Pause zwischen den Stücken sein sollen. Bei MP3s folgen die Stücke beim Abspielen ohne Pause aufeinander, was oft störend ist. Deshalb arbeite ich die Pause jetzt direkt in die Wavedateien ein, um später auch bei MP3s Abstände zwischen den Stücken zu haben.


Wenn die Rohdatei auf diese Art fertig ist, wird diese als Master gespeichert. Anschliessend entknacke ich die Datei mit WavePurity. Ausserdem entferne ich die tiefen Frequenzen unter 40 Hz, die meist vom Plattenspieler stammen ("Rumpelfilter"). Weitere Frequenzbeeinflussungen oder Filterungen nehme ich nicht vor. Auf diese Weise kann jeder, der möchte oder bessere und teurere Programme als ich besitzt, die Aufnahmen selbst noch verbessern oder noch einmal für sich bearbeiten. Eine Frequenzfilterung verbessert manchmal subjektiv die Klangqualität, ist aber immer "Geschmackssache", und ich möchte möglichst "reine" Aufnahmen zur Verfügung stellen. Nach meiner Einschätzung verbessert ein Entfernen der vielen tausend kleinen Knacker und des "Prasselns" mancher Aufnahmen (wie ich es vornehme) das subjektive Klangerlebnis deutlich und lässt die Aufnahmen besser hervortreten, ohne wichtiges wegzunehmen. Dabei bleibt natürlich ein Restrauschen, das ich gerne als "original" in Kauf nehme. Alte Fotos von vor 150 Jahren sehen, digital bearbeitet ohne Gilb und Kratzer, auch sehr unnatürlich aus! Das beste Rezept für eine gute und befriedigende Überspielung ist eine möglichst gut erhaltenen Aufnahme, die mit einer geeigneten Nadel und der richtigen Geschwindigkeit überspielt wurde.

Eine Entrauschung der Aufnahmen per Programm bringt bei sehr leichtem Rauschen wie bei modernen LPs eine Verbesserung der Aufnahme. Bei Schellackplatten mit starkem Rauschen führt sie oft zu unnatürlichem Klang (Unterwasser-Sound, Wahwah-Effekt) und Artefakten (Blubbern, Rumpeln).

Manche Aufnahmen laufen mit andern Geschwindigkeiten als 78 UpM. Besonders frühe Aufnahmen laufen oft wesentlich langsamer oder schneller. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Ich überspiele zu Archivzwecken grundsätzlich alle Aufnahmen mit 78 UpM. Ein Programm wie WavePurity kann die Geschwindigkeit auf rechnerischen Wege in jede Richtung beliebig verändern. So habe ich die Hermann Weil-Aufnahmen auf VOX, die mit 80 Umdrehungen laufen, nach dem Entknacken noch von 78 auf 80 UpM umrechnen lassen, bevor ich sie hier veröffentlicht habe. Bei anderen Aufnahmen, wo ich mir über die Geschwindigkeit unsicher bin, kann ich mehrere Versionen erstellen und sie Leuten vorspielen, die ein absolutes Gehör haben. (Das habe ich jetzt bei Hermann Weil nicht getan, aber ich hoffe trotzdem, dass es so stimmt, wie ich es gemacht habe.) Nach den hier gegebenen Informationen kann auch jeder sich die Aufnahmen so zurechtmachen, wie es es für richtig empfindet.

Ich nehme meine Schallplatten in Stereo auf (auch wenn es natürlich Mono-Aufnahmen sind). Das hat den Vorteil, dass man zwei unabhängige Kanäle, die der rechten und linken Rillenflanke entsprechen, erhält. Wenn eine Seite der Rille stärker abgenutzt ist als die andere (Grammophone hatten kein Anti-skating), kann man immer noch eine 2-Kanal Mono-Aufnahme aus dem besseren Kanal daraus machen, wenn man möchte, oder Beschädigungen, die nur auf einem Kanal zu hören sind, mit dem anderen Kanal ausflicken.

Nach dem Entknacken schaue ich mir noch die Lautstärke an. Ich lasse mit dem Programm die beiden Kanäle auf gleiche relative Lautstärke setzen ("Lautstärke recht und links angleichen") und dann noch die Datei auf ein einheitliches Lautstärkeniveau setzen. Dabei wird die lauteste Stelle auf einen wählbaren Maximalwert gesetzt. Ich nehme meist 92% oder 95%. Dies ist nicht Vollauslastung, aber nahe am Maximalwert und hat sich für mich bewährt. Natürlich werden Aufnahmen, die insgesamt wenig laute Stellen haben, dabei insgesamt lauter wiedergegeben als solche mit dynamischen Spitzen, in der Praxis kommt dies aber über die verschiedenen Sorten von Aufnahmen so hin, dass alle Aufnahmen in etwa gleich laut wirken.

Das wichtigste Prinzip ist für mich, dass die Aufnahmen möglichst originalgetreu und rein wiedergegeben werden, so dass für nachfolgende (Bearbeiter-)Generationen eine Aufnahme zur Verfügung gestellt wird, die möglichst viele unverfälschte Informationen der Original-Aufnahme enthält und mit der man später noch weiter arbeiten kann, wenn das gewünscht wird. Wer weiss, was in 10 oder 50 Jahren die Soundrestaurierung am Computer kann? Auch die Vorstellung, wie eine alte Aufnahme klingen sollte, ist letztendlich zeitabhängig, und ich bin als Sammler nur ein Bewahrer für kommende Generationen.

Hier noch einmal zusammengefasst die Arbeitsschritte:

Aufnahme mit Vor- und Nachspann (unbearbeitet als .wav-Datei gespeichert)
Entknacken ("Knistern und Knacken entfernen")
Rumpelfilter
evtl. Geschwindigkeit umrechnen
Anhängen von 3 Sekunden Stille
Lautstärke der beiden Kanäle angleichen
Lautstärke auf einheitliches Niveau anheben ("normalisieren")
Speichern der bearbeiteten Datei als .wav-Datei
Umwandeln in MP3-Datei
MP3-Datei korrekt benennen
MP3-Dateien in Ordner sammeln, den Ordner editieren, als .zip-Ordner packen und hochladen

Man sieht, Blogs sind eine zeitaufwändige Sache...

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And now I try to write a summary in English...

Above I want to make transparent, how I "manipulate" the schellack records, when I transfer them for my archive and my blog. It is my aim to leave the recordings as pure as possible, even if there is still some noise in them. But that is the way that they are, and some patina belongs to the experience of listening to recordings from 100 years ago or so. If someone dooesn't like this, he can work with the recordings in his own way and maybe create an own version of the recording with his sound programs and his possibilities. I think that collectors are preservers for following generations, so that 200 years later people can still listen to these recordings, even if the original records meanwhile are rotten und unusable (just as a thought - I know these records are very stable and will live longer than me...). A heavily filtered recording shows my taste and my idea of the recordings at the time when I have made it, but maybe later people find it wrong and just want it different. So it is better to leave the recording mostly unchanged (with a few exeptions, but that again is my decision and my idea of the recording - there is no really "neutral" sound playback!).

I am using WavePurity as a sound cleaning - and editing program. These are my steps of working with the recordings:

Recording the record at 78 rpm with a correct stylus, cutting the recording with a little intro of "just background noise" (ca. 1 second) and an outro of about 2 seconds. This recording I save as .wav-file for archivation and eventually further different processing.

Declicking with Wave Purity (crackling and popping)

Rumble Filter (artefacts of the record player, cut off-frequenzy 40 Hz)


Eventually changing the speed of the recording via program when you know that it is not 78 - for example Vox recordings (Hermann Weil) are known to be recorded with 80 rpm. WavePurity can change this electronically.

Adding 3 seconds of silence at the end of the recording (because MP3 recordings have no pauses between the tracks when you play them)

Align the volume of the two channels (I record in stereo because this reflects the right and the left flank of the groove which often are differently worn. This way you have the material to repair dropouts in one channel with the other or have the possibility to use only one channel if the other is more worn. Gramophones didn't have anti-scating like modern record players.

Raise the maximum volume of the two channels to a degree near of the full volume (92% to 95%). So each track has about the same volume when you are listening to a group of recordings.

This ready processed .wav-file I save again as a second file of my recorded version. It is now ready to listen to and normally sounds better than the original record with its thousands of crackles which now are removed.

Changing the .wav-file to MP3 (I usually take 192 KB/sec which seems enough for me to reproduce the recording), naming ("tagging") of the MP3-file, store them in a folder, edit the folder, pack it as a .zip or .rar-file and then it is ready for upload.

You see, making a blog takes much time...

How do my fellow bloggers treat their recordings? Which programs do you use? I would like to read something about it. Just write a comment or write about it in your blog !! 


Mittwoch, 14. November 2012

Hermann Weil - Gesamt-Diskographie, Aufnahmen für Gramophone und Vox




Hermann Weil in Bayreuth 1924




Nachdem ich mich in den letzten Monaten mit den Aufnahmen von Hermann Weil beschäftigt habe, stellt sich eine Diskographie des Sängers nach meinem jetzigen Kenntnisstand wie folgt dar:

Hermann Weil Diskographie (Entwurf)


Grammophon Predog ca. 1908  (Conductor Bruno Seidler Winkler)

Afrikanerin: Dir o Königin  4-42166
Traviata: Heimatliches Land  4-42167
Maskenball: Ja, Du warst  4-42185
Cosi fan Tutte: Duett mit MÜLLER 2-44487

Grammophon 23.IX.1911  (Conductor probably Bruno Seidler Winkler)

Faust: Valentins Gebet  042326
Meistersinger Fliedermonolog  042325
Bajazzo Prolog  042359
Tannhäuser: Wohl wusst ich  4-42429
Meistersinger: Schusterlied  4-42491


Odeon 1910/1911  (Conductor Eduard Künnecke)

Tannhäuser-Set von 1910 mit Vogelstrom, Krull
Traviata-Duett mit BOSETTI (4 Seiten)
Rigoletto-Duett mit BOSETTI (2 Seiten)
Boheme-Duett mit VOGELSTROM
Bajazzo-Prolog xxB 4948, 76071
Traviata: Heimatliches Land xB 4946, 99551
Faust: Valentins Gebet xB 4952, 99553
Carmen: Torerolied xB 4947, 99552
Bajazzo-Duett mit BOSETTI xB 5152, 99659

Afrikanerin: Dir o Königin 99547
Trompeter von Säkkingen: Behüt Dich Gott 50705, xB 4936
Faust: Wohlan, unterschreibe mit VOGELSTROM  xB 5156, 99662
Boheme Quartett mit BOSETTI, HAFGREN, VOGELSTROM xxB 5159, 76128


Pathé  ca. 1912 Berlin

54632 Tannhäuser Abendstern
54633  Trompeter Von Säkkingen: Ihr heisset mich willkomen
54634  Afrikanerin Dir Königin
54635  Nachtlager von Grananda mit MÜLLER, BURCHARDT
54636  Heimkehr (C.Kromer)
54637 Traviata Heimatliches Land
54638 Tannhäuser Wohl wusst ich
54639 Zar und Zimmermann: Sonst spielt ich
54640 Tannhäuser Als du in kühnem Sange


Columbia USA ca. 1912/14

Die beiden Grenadiere / Waldandacht A5864
Schwäbischer Ländler / Das Steierland E 3172
Im Walde / Matrosenlied  E 3403
Fliegerlied (Zuschbeid) – mit Orchesterbegleitung (Metropolitan Opera Company) E 3272 43952
Lied des Czaren aus „Czar und Zimmermann“ – mit Orchesterbegleitung (Metropolitan Opera Company) E 3272 44009


Vox 1921

10 Titel:
4x 25 cm mit Klavier
2x 25 cm mit Orchester
4x30 cm mit Orchester
(see below)

 
Nola Recording Studios

Neig’ holde Knospe 24.5.1943 – Privataufnahme – Klavier und Gesang H. Weil
Fiedelmann 24.5.1943 – Privataufnahme – Klavier und Gesang H. Weil

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Die kursiv gedruckten Titel liegen mir derzeit (noch) nicht vor. Falls Leser dieses Blogs hier helfen können, wäre das schön. Vermutlich kann ich aber die fehlenden Aufnahmen auch noch demnächst aus anderen Sammlungen bekommen. Falls jemandem Aufnahmen von Hermann Weil bekannt sind, die oben nicht aufgelistet sind, wäre das besonders wichtig, wenn ich darüber eine Angabe erhalten könnte. Lücken in den Matritzennummern legen es nahe, dass es weitere Aufnahmen von Hermann Weil gegeben hat.


Ich beginne nun mit der Veröffentlichung  der Aufnahmen von Hermann Weil, die ich alle von Schellackplatten überspielt habe. Der erste Teil beinhaltet die Aufnahmen für die Gramophone und die Aufnahmen für die Berliner Firma Vox. Sie stellen die frühesten und die spätesten kommerziellen Aufnahmen von Hermann Weil dar und geben ein gutes Bild von der Stimme, den Fähigkeiten und dem Repertoirre des Sängers ab. Sowohl Verdi als auch Wagner sind vertreten, und in beiden Fächern kann er überzeugen. Weiterhin finden sich eine seriöse Liedaufnahme (Strauss), Salonmusik und eine Eigenkomposition von Hermann Weil mit dem Titel "Neig, holde Knospe".

(Der Text dazu stammt von Mirza-Schaffy und wurde auch von Anton Urspruch (1850-1907) vertont. Er lautet: Neig, holde Knospe dich zu mir / und was ich bitte, das tu' mir. / Ich will dich pflegen und halten! / Du sollst bei mir erwarmen, / du sollst in meinen Armen / zur Blume dich entfalten! / Neig, holde Knospe, dich zu mir!)

Bei Tannhäuser und Margarethe kann man die frühen und späten Aufnahmen vergleichen. Obwohl er viele Titel seines Repertoires für verschiedene Firmen wiederholt aufgenommen hat, sind der Fliedermonolog und das Schusterlied von 1911 die einzigen Aufnahmen  seines Rollenportraits von Hans Sachs, den er bei den Bayreuther Festspielen 1911, 1912, 1924 und 1925 verkörperte. Interessant ist auch das Duett mit Peter Müller, einem Tenor, der ebenso wie Hermann  Weil an der Stuttgarter Oper sang.

Hier die Playlist:

Hermann Weil recordings vol. 1 (Gramophone and Vox)

1.   Afrikanerin: Dir, o Königin (Meyerbeer)  Gramophone Predog 4-42166 (5177 r)
2.   Traviata: Hat Dein heimatliches Land (Verdi)  Gramophone Predog 4-42167 (5179 r)
3.   Maskenball: Ja, Du warst's (Verdi)   Gramophone Predog 4-42185 (5180 r)
4.   Cosi fan tutte: Duett ("Traget sanft mit leisem Wehen", = Secondate, aurette amice (dt.) 
       Mozart)   mit Peter MÜLLER      Gramophone Predog 2-44487 (5187 r)
5.   Meistersinger: Schusterlied (Wagner)   Gramophone 4-42491 (356 ak)
6.   Tannhäuser: Wohl wusst ich, hier sie im Gebet zu finden (Wagner)  
      Gramophone 4-42492 (357 ak)
7.   Meistersinger: Fliedermonolog (Wagner)     Gramophone 042325 (2 aL)
8.   Margarethe: Valentins Gebet (Gounod)   Gramophone 042326 (3 aL)
9.   Bajazzo: Prolog (Leoncavallo)   Gramophone 042325, 65142 (4 aL) 
10. Tannhäuser: O kehr zurück, Du kühner Sänger (= Als Du in kühnem Sange)
      Vox *3082 (104 A)
11.  Tannhäuser: Wohl wusst ich, hier sie im Gebet zu finden (Wagner)  Vox *3082 (105 A)
12.  Nachtlager von Granada: Ein Schütz bin ich (Kreutzer)   Vox *3081 (106 A)
13.  Traviata: Hat Dein heimatliches Land     Vox *3081 (107 A)
14.  Zueignung (Strauss)  Vox 3079 (187 B)
15.  Im Walde (Wallbach)   Vox 3079 (188 B)  
16.  Aus der Jugendzeit (Radecke)   Vox 3080 (189 B)
17.  Neig, holde Knospe (Hermann Weil)   Vox 3080 (190 B)
18.  Margarethe: Valentins Gebet (Gounod)      Vox 3081 (191 B)
19.  Zar und Zimmermann: Sonst spielt' ich (Lortzing)   Vox 3081 (192 B)

Recording Dates: 1908 (Nr. 1-4), 23.IX.1911 (Nr. 5-9), ca. 1921 (Nr. 10-19)
30 cm / 12 inch: Nr. 7-13, alls others 25 cm / 10 inch
All recordings with orchestra exept Nr. 14-17 with piano
Nr. 1-9 recorded in Stuttgart and conducted by Bruno Seidler-Winkler, Nr. 10-19 in Berlin

Bonus track: 20. JAQUES URLUS - Bajazzo: Nein, bin Bajazzo nicht bloß (Leoncavallo)  Gram. 042358, 65142 (605 m) (Back / Rückseite von Nr. 9)

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Peter Müller (Tenor), Kgl. Württembergischer Kammersänger, Stuttgart



Müller, Peter, Tenor, * 26.4.1863 Koblenz, † 7.3.1914 Stuttgart; er war nach kurzer Ausbildung als Chorist an den Theatern von Koblenz und Zürich tätig und kam 1885 in gleicher Eigenschaft an die Hofoper von Stuttgart. Die Intendanz des Hauses ließ ihn weiter ausbilden, so daß er schließlich hier 1890 als erste Solopartie den Lyonel in Flotows »Martha« sang. Gastspiele führten ihn seit 1897 an das Opernhaus von Frankfurt a.M., seit 1900 an das Stadttheater von Zürich, weiter an das Opernhaus von Leipzig (1897), an die Hoftheater von Wiesbaden (1901) und Karlsruhe (1909) und an die Hofoper München (1904). Hatte er zunächst in der Hauptsache lyrische Tenorpartien gesungen, so fügte er später einige schwerere Partien in sein Repertoire ein (Erik im »Fliegenden Holländer«, Pedro in »Tiefland« von E. d'Albert). Im einzelnen sind aus seinem Repertoire für die Bühne zu nennen: der George Brown in »La Dame blanche« von Boieldieu, der Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, der Chapelou im »Postillon de Lonjumeau« von A. Adam, der Leopold in »La Juive« von Halévy, der Titelheld in »Hoffmanns Erzählungen«, der Alfonso in »La Muette de Portici« von Auber, der Tonio in der »Regimentstochter« von Donizetti, der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, der Pinkerton in »Madame Butterfly« und der Turiddu in »Cavalleria rusticana«. 1894 sang er an der Stuttgarter Oper in der Uraufführung der Oper »Der Pfeifer von Hardt« von Ferdinand Langer. Er trat auch gerne in Operetten auf und wurde als Konzertsänger geschätzt. Er wurde durch einen ganz plötzlichen Tod aus seiner Karriere herausgerissen.

Schallplatten: HMV (Stuttgart, 1908), Odeon, Parlophon, Pathé (Berlin, 1912, darunter Duette mit M. Junker-Burchardt).

[Lexikon: Müller, Peter. Großes Sängerlexikon, S. 17226
(vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2457 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


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Here I present the first part of the recordings of Hermann Weil, all transfered from original shellack records. This playlist gives a cross section through the repertoire and art of Hermann Weil with Wagner, Verdi, Lied and popular songs and shows his earliest and latest commercial recordings. His other recordings will follow in a few weeks or months (the next will be the Odeons). It was a great deal of work to get all of his recordings and transfer them (I am not ready with it yet), but until now I can say it was worth the labour, and I hope that you will enjoy like me the discovery of a unique artist with a great voice and personality. For a biography see: My article from June

If you have addenda to the outlined discography at the beginnning of the article, please let me know! (For example: are there more American Columbias?)




Hermann Weil on Predog


Hermann Weil on Gramophone




Hermann Weil on Vox