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Samstag, 8. Juli 2017

Die Sängerin Elsa Bland (1880-1935)

Die Arbeit an der as-Diskographie zieht sich in die Länge, und um überhaupt mal wieder etwas zu posten, kommt hier eine Preiser-LP, die ich für mich selbst vor kurzem überspielt habe und die mir viel Freude bereitet. Sie ist der Sängerin Elsa Bland gewidmet, eine jener Sängerinnen, die in der "G&T-Zeit" an der Wiener Hofoper sangen und relativ viele schöne Aufnahmen hinterlassen haben. Zwei weiter Sänger aus der Zeit, als Gustav Mahler Operndirektor in Wien war, kommen ebenfalls in Duetten vor: der unverwüstliche Leo Slezak und der Bassist Wilhelm Hesch.

Elsa Bland, signiertes Bild 1908


Elsa Bland war ein jugendlich-dramatischer Sopran mit einer kräftigen, aber nie unangenehmen oder schrillen Stimme und einem schönen Timbre. Das dramatische Fach scheint ihr in der Stimme gelegen zu haben, und sie konnte ihm lange treu beleiben. Bereits bei ihrem Debüt 1903 in Ölmütz sang sie die Rolle der Leonore in Beethovens Fidelio, die wahrlich keine Anfängerrolle ist und hier von einer 23-jährigen Sängerin bewältigt wurde. 20 Jahre später, mit 43, hatte sie noch die Brünnhilde, die Isolde und die Elektra im Repertoire. Irgendwann kurz danach gab sie ihre Karriere auf und wirkte nur noch als Gesangslehrerin. Bereits mit 55 Jahren verstarb die Sängerin. Bilder bzw. Ansichtskarten von ihr sind eher selten zu finden, warum auch immer.


Wilhelm Hesch 1906


Hier der Inhalt der LP (Preiser CO 317):






DOWNLOAD 4Shared MP3 256Kb/s


https://www.4shared.com/zip/7zkMdGw0ei/Elsa_Bland_Preiser_CO_317.html






Bland, Elsa, Sopran, * 16.4.1880 Wien, † 27.9.1935 Wien. Sie war Schülerin von Marianne Brandt in Wien. Sie debütierte 1903 am Stadttheater von Olmütz (Olomouc) als Leonore im »Fidelio«. Weitere Engagements: 1903-04 Stadttheater Magdeburg, 1904-05 Hoftheater Altenburg (Thüringen); 1905 Gastspiel an der Wiener Hofoper, worauf sie für die Jahre 1905-08 Mitglied dieses Opernhauses wurde. Sie kam 1912 nochmals für eine Spielzeit (Februar- Oktober) an die Wiener Hofoper zurück. 1912-13 sang sie am Deutschen Opernhaus Berlin, u.a. die Leonore im »Fidelio« und die Martha in »Tiefland« von E. d'Albert. Dann unternahm sie, wie auch bereits zuvor, zahlreiche Gastspiele, so 1908 am Opernhaus von Riga, 1910 am Opernhaus von Brünn (Brno), 1911 an der Covent Garden Oper London (als Amelia in Verdis »Maskenball«). Weitere Gastspiele 1910-11 an der Mailänder Scala und am Teatro Regio Parma, 1910 am Teatro Costanzi in Rom (in »La Festa del Grano« von Fino-Giario). 1909 und 1911 sang sie am Teatro Regio Turin die Isolde im »Tristan«, am 20.11.1910 die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »Semirama« von Ottorino Respighi am Teatro Comunale Bologna. In den Jahren 1920-24 trat sie wieder als Gast an der Wiener Staatsoper auf, 1919 gastierte sie am Stadttheater von Basel, 1923 am Teatro Colón von Buenos Aires als Elektra von R. Strauss und in Wagner-Partien, ebenso 1923 in Rio de Janeiro als Isolde, als Brünnhilde in der »Walküre« und als Elektra von R. Strauss. Weitere Bühnenrollen: die Aida, die Tosca, die Elsa im »Lohengrin«, die Königin von Saba in der gleichnamigen Oper von Goldmark, die Salome von R. Strauss und die Rosalinde in der »Fledermaus«. Sie lebte später als Gesanglehrerin in Wien. Sie war verheiratet mit dem österreichischen Rittmeister Barthelmus. - Klangschöne dramatische Sopranstimme.

Von der Künstlerin sind zahlreiche Schallplatten auf den Marken G & T, Columbia, HMV, Pathé und Odeon vorhanden, darunter interessante Duette mit Leo Slezak; auch Edison-Zylinder (Wien, 1907).

[Nachtrag] Bland, Elsa; 1910 wirkte sie am Teatro Regio Turin in der Uraufführung der Oper »La Festa del Grano« von Giocondo Fino mit.

[Lexikon: Bland, Elsa. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 2248 (vgl. Sängerlex. Bd. 1, S. 335 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Leo Slezak 1905

Freitag, 27. Januar 2017

Die erste Gesamtaufnahme der Fledermaus von 1907

Angeregt durch meinen eigenen Artikel über Robert Philipp habe ich mich mit der ersten Gesamtaufnahme der Fledermaus von 1907 beschäftigt und konnte die Aufnahmen aus mehreren Quellen zusammentragen. Teile aus dieser ersten Gesamtaufnahme einer Operette sind noch hin und wieder zu finden und nicht so selten wie die Gesamtaufnahmen des "Bettelstudenten" und der "Lustigen Witwe", die kurz darauf von der Gramophone aufgenommen wurden.





Die Operette "Die Fledermaus" wurde 1873 von Johann Strauß (Sohn, 1825-1899) komponiert und 1874 uraufgeführt. Richard Genée (1823-1895) nahm große Teile der Orchestrierung vor und hat nach heutigen Erkenntnissen auch sonst viel "mitkomponiert", auch wenn er offiziell nur als Librettist genant wird. Die Operette und das "Lustige" an ihr lebt von der Verwechslung und der Freude am Schlüpfen in andere Rollen, dem Spiel mit falschen Identitäten und einer Darstellung von staatlichen Institutionen wie einem Gefängnis als lachhaftem Durcheinander. Die Melodien sind schmissig und eingängig, und die Texte prägnant und oft ironisch. Manches davon ging in den Volksmund über. Ich erinnere mich an einen Bekannten aus Berlin (wo die Operette früher fast noch populärer war als in Wien), der bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit ausrief "O je o je, wie rührt mich das!", oder habe schon öfter bei feuchtfröhlichen Anlässen die Parodie singen hören "Glücklich ist, wer verfrisst, was nicht zu versaufen ist!"

Ich habe auf Originalplatten und auf Überspielungen zurückgegriffen und habe versucht, die originalen Plattenseiten zu rekonstruieren. Bei allen Seiten kann ich leider nicht die korrekten Nummern angeben. Dies gilt für die Seiten 13, 15 und 19. Ansonsten habe ich die aufgenommenen Seiten mit dem Libretto verglichen. Die Operette ist sehr dialoglastig, und manches wurde für die Schallplatte weggelassen, umgestellt oder zusammengekürzt. Insbesondere die Rolle der Ida (Schwester von Adele) ist fast ganz weggefallen. Es wird zwar eine mir unbekannte Ingrid Dommel als Ida benannt, sie taucht aber bestenfalls als Mitsängerin in irgend einem Ensemble auf. Auch über andere Sänger dieser Aufnahme weiß man nicht viel. Die Lebensgeschichte von Max Begemann ist unbekannt, von Adalbert Lieban, der den stotternden Notar Blind spielt, konnte ich kein Bild finden. Über Alfred Arnold, den Darsteller des Falke, konnte ich ebenfalls nichts herausfinden. Und vom Schauspieler Herman Vallentin (Frosch) fand ich immerhin ein Foto...

Hier also nun die Liste der Darsteller und die kommentierte Playlist:

Gabriel von Eisenstein: Robert Philipp
Rosalinde, seien Frau: Emilie Herzog
Adele, Kammermädchen Rosalindes: Marie Dietrich
Ida, ihre Schwester: Elisabeth Dommel
Alfred, Sänger: Julius Lieban
Frank, Gefängnisdirektor: Alfred Arnold
Falke, Notar: Max Begemann
Prinz Orlovsky: Ida von Scheele-Müller
Blind, Advokat: Adalbert Lieban

Frosch, Gerichtsdiener (Sprechrolle): Hermann Vallentin

Ensemble und Chor der Königlichen Hofoper Berlin
Gramophon-Orchster, Ltg. Bruno Seidler-Winkler

Robert Philipp singt den Eisenstein

Ida von Scheele-Müller singt Prinz Orlovsky
Fledermaus 1907



  1. Ouvertüre zu "Fledermaus"  2-40563, Mx. 3005 r
            Grammophon-Orchester, Ltg. Bruno Seidler-Winkler

  2. Serenade des Alfred und Auftritt der Adele   2-44210, Mx. 3000 r
            Marie Dietrich, Julius Lieban
Ausschnitt aus dem ersten Aufritt. Die Dialoge zwischen Adele und Rosalinde im 2. und 3. Auftritt entfallen.

  3. Dialog 1. Akt  41971, Mx.3037 r
            Emilie Herzog, Julius Lieban
= 4. Auftritt.
 
Julius Lieban singt den Alfred

  4. Terzett: Nein, mit solchen Advokaten  044059, Mx. 200 s
            Emilie Herzog, Robert Philipp, Adalbert Lieban 

= 5. Auftritt mit Musikstück Nr. 2 Terzett, 6. Auftritt gekürzt, 7. Auftritt gekürzt, 8. (kurzer) Auftritt (vollständig), 9. Auftritt Anfang, gekürzt.

  5. Ein Souper uns heute winkt   2-44211, Mx. 3030 r
            Robert Philipp, Emilie Herzog, Julius Lieban, Max Begemann

Immer noch im 9. Auftritt singen Falke und Eisenstein ein Duett. Die Plattenseite beginnt mit dem Ende des Duetts. Es folgt dann der komplette 10. Auftritt (gesprochen), als Rosalinde wieder hereinkommt.

  6. O je, O je! (Wie rührt mich dies)   2-44212  Mx. 2999 r
            Emilie Herzog, Marie Dietrich, Robert Philipp

Der 11., 12, und der Dialogteil des 13. Auftritts fehlen. Es geht direkt weiter mit Terzett Nr. 4, das ebenfalls im 13. Auftritt ist. Die Seite beginnt mit Rosalindes: "So muss allein ich bleiben".

  7. Finale 1. Akt 1. Teil mit Dialog: Glücklich ist, wer vergisst  2-44213, Mx. 3012 r
            Emilie Herzog, Julius Lieban, Alfred  Arnold

Beginnt mit gekürztem Dialog vom 14. Auftritt, dann folgt Nr. 5 "Trinke Liebchen, trinke schnell" und der 15. Auftritt mit Gefängnisdirektor Frank.

  8. Mein Herr, was dächten Sie von mir  2-44214, Mx, 3013 r
            Emilie Herzog, Julius Lieban, Hofopernsänger Herr Arnold

Die Seite beginnt mit dem Couplet der Rosalinde und führt dann ohne Kürzungen bis zum Anfang des Liedes von Frank.

Emilie Herzog singt die Rosalinde



  9. Schluss des 1. Aktes: Mein schönes grosses Vogelhaus   2-44215, 
      Mx. 3014 r
            Emilie Herzog, Julius Lieban, Hofopernsänger Herr Arnold

Weiter geht es ungekürzt bis zum Finale des 1. Aktes.

10. Entract und Chor mit Dialog und Ensemble: Ein Souper uns heute winkt  
      2-44216, Mx. 3035 r
            Frau von Scheele-Müller, Robert Philipp, Max Begemann von der           
            Komischen Oper, Ensemble und Chor der Kgl. Hofoper

Beginn des zweitern Aktes mit großem Chor der Gäste. Der folgende Dialog enthält Ausschnitte aus dem 2. bis 4. Auftritt des 2. Aktes sowie die ungekürzte Einleitung zum 5. Auftritt

11. Couplet des Orlofsky mit Dialog aus Fledermaus   2-44217, Mx.3033 r
            Frau von Scheele-Müller, Robert Philipp, Ensemble der Kgl. Hofoper

Die Seite beginnt direkt mit der Musik zum Couplet des Orlovsky (Musikstück Nr. 7). Eisenstein antwortet nach der ersten Strophe mit der Antwort auf die zweite Strophe. Dann folgen gekürzt der Rest des 5. Auftritts und der 6. Auftritt, in dem Eisenstein sein Stubenmädchen erkennt..

12. Ensemble und Couplet der Adele: Mein Herr Marquis   044060, Mx.204 s
            Marie Dietrich, Frau von Scheele-Müller, Robert Philipp, Max Begemann 
            von der Komischen Oper, Ensemble und Chor der Kgl. Hofoper

Es folgt der 7. Auftritt mit dem Ensemble Nr. 8, das den Auftakt zum Couplet der Adele bildet.

13. Dialog 2. Akt  41972, Mx. 3036 r
            Robert Philipp, Frau von Scheele-Müller, Marie Dietrich, Emilie Herzog,               Herr Arnold, Max Begemann von der Komischen Oper

Diese Seite bringt Auszüge aus dem Ende des 7. Auftritts bis zum 11. Auftritt.

14. Uhren-Duett 2. Akt  044061, Mx. 199 1/2 s
            Emilie Herzog, Robert Philipp

= Musikstück Nr. 9

15. Dialog 2. Akt  41489, Mx. 1076 q
von Scheele-Müller, Herzog, Dietrich, Philipp, Begemann

Bei dieser Dialogpassage, bei der ich mir nicht sicher bin, ob ich die Nummern richtig zugeordnet habe, vermischen sich Ausschnitte aus dem 12. Auftritt, der bis zum Ende des Aktes andauert. Die Fledermaus-Geschichte kommt eigentlich erst nach dem Czardas "Klänge der Heimat", wird hier aber vorgezogen.

16. Klänge der Heimat 043074, Mx. 198 s
            Emilie Herzog

Musikstück Nr. 10

17. Dialog und Champagner-Couplet 2.Akt, 2.Teil: Im Feuerstrom der Reben   
      2-44218, Mx. 3031 r
      Marie Dietrich, Frau von Scheele-Müller, Robert Philipp, Ensemble und Chor         der Kgl. Hofoper

Dialog- Einleitung und Finale (Musikstück Nr. 11)

          
18. Finale 2. Akt, 2. Teil: Brüderlein und Schwesterlein  044062, Mx. 202 s
      Emilie Herzog, Marie Dietrich, Frau von Scheele-Müller, Robert Philipp,               Herr Arnold, Max Begemann von der Komischen Oper, Ensemble und                 Chor der Kgl. Hofoper


19. Im Ballsaal 2. Akt  (ich kann hier die Bestellnummern und den Original-Titel nicht angeben, weil ich die Original-Platten nicht einsehen konnte. Eventuell hat dieser Ausschnitt auch die unter Nr. 13 angegebene Bestellnummer.)

Ballet, Teile a) Spanisch und b) Russisch fehlen, c) Chor zur Böhmischen Polka ist auf der Platte, Teil d) Ungarisch fehlt, weiter mit Ausschnitten aus dem Dialog 

20. Schluss des 2.Aktes: Genug damit, genug    2-44219, Mx. 3032 r
        Marie Dietrich, Frau von Scheele-Müller, Robert Philipp, Herr Arnold,                   Max Begemann von der Komischen Oper, Ensemble und Chor der Kgl. 
        Hofoper

Das gekürzte musikalische Finale des 2. Aktes.

21. Auftritt des Frosch 3. Akt   41973, Mx.3056 r
            Hermann Vallentin


Nr. 12 Entreact, Tempo di Marcia (instrumental) mit Auftritt des betrunkenen Gefängniswärters.

Hermann Vallentin gibt den Frosch



22. Melodram und Auftritt des Frank  3-42789, 3057 r
              Herr Arnold

Die Szene enthält das Musikstück Nr. 13, Melodram des Frank (Soloszene).

23. Dialog 3. Akt  41490, Mx. 1077 q
              Dietrich, Arnold, Vallentin, Dommel

enthält gekürzt den 2. bis 4. Auftritt (Anfang)

24. Spiel ich die Unschuld vom Lande 043075, Mx.203 s
             Marie Dietrich

entspricht Nr. 14 Couplet, im 4. Auftritt

25.Dialog 3. Akt  41974, Mx.3058 r
            Marie Dietrich, Robert Philipp, Julius Lieban, Herr Arnold,
            Herr Vallentin (Kgl. Hofschauspieler)

Auszüge aus dem 4. bis 9. Auftritt. Der 10. Auftritt, in dem Alfred und Rosalinde sich im Gefängnis wiedertreffen, entfällt ganz

26. Terzett 3. Akt, 1.Teil: Ich stehe voll zagen 2-44220, Mx.3015 r
            Emilie Herzog, Robert Philipp, Julius Lieban

11. Auftritt, Musikstück Nr. 15 Terzett, Anfang


27. Terzett 3. Akt, 2. Teil: Es scheint fast, als empfinden Sie  2-44221, 
      Mx.3016 r
            Emilie Herzog, Julius Lieban, Robert Philipp

Terzett 2.Teil

28. Finale 3.Akt mit Dialog   2-44222, Mx.3034 r

            Emilie Herzog, Marie Dietrich, Frau von Scheele-Müller, Robert Philipp, 
            Herr Arnold, Max Begemann von der Komischen Oper, Ensemble und                 Chor der Kgl. Hofoper


Gekürzter Dialog 12. und 13. Auftritt, 14. Auftritt mit Musikstück Nr. 16: Finale 


Formate der Platten: Matrix q = 17 cm, Matrix r = 25 cm, Matrix s = 30 cm



Annie Dirkens


Bonus track: (29. Pause track) 30. Die Fledermaus, Act I: Mein Herr, was dächten Sie von mir - Berliner/G&T 43009X, Mx. 459 B, April 1901        Annie Dirkens (Sopran)

Aufgedreht, albern, kokett, mit verpasstem Einsatz, egal! Dass man 1901 etwas auf der Platte hören konnte, und dann auch noch so was, das war schon eine Sensation!


DOWNLOAD MP3 256 KB/s




Julius Lieban und seine Frau Helen Globig-Lieban 

Ida von Scheele-Müller (vermutlich als Michaela in Carmen)

Above you find the first complete recording of the operetta "Die Fledermaus" from Johann Strauss (Sohn) from the year 1907. It appeared on 28 sides of the Gramophone Company, mixed from all record sizes (17 cm, 25 cm and 30 cm). I have tried to reconstruct the original sides.






The Plot in relation to the recorded sides:

After the Overture (1) Alfred (Julius Lieban), a former admirer of Rosalinde (Emilie Herzog), who is now married to Eisenstein since four years, comes to her place and meets at first Adele (Marie Dietrich) , the chamber maid of Rosalinde, who is looking forward to a big party in the evening. When Rosalinde appears (3), Alfred urges her to have a rendez-vous. She promises it to get rid of him, but he tells her he would come back later. Then her husband Gabriel Eisenstein (Robert Philipp) appears (4) and is full of anger, because he is sentenced to a prison stay of eight days instead of five and blames his lawyer Blind (Adalbert Lieban) for this. They shout at each other, and Blind is offended and leaves the place. After the Terzett Gabriel's friend Falke (Max Begemann) appears and tells him that he wants to take him away for a souper at the home of Prince Orlovsky, because he was told to bring some young playboys ("Lebemänner") from hin aquaintance to the party. Eisenstein, who was prepared to go to jail that evening, is told to wait with his sentence unil the next morning. Eisenstein gets convinced and looks forward to the party (5). Falke tells Eisenstein's wife that he would take him to jail now. For to say good-bye Eisenstein and Rosalinde sing a pathetical (and ironical) terzett with the maid Adele (6), who is also impatiently waiting to leave for the same party where the two men want to go to.
After they have gone, Alfred comes back (7) and sings a drinking song to Rosalinde. He takes on the leisure suit of his rival Eisenstein and makes himself comfortable, when prison director Frank (Alfred Arnold) appears and takes Alfred, of whom he thinks that he is the husband of Rosalinde, to prison. Alfred makes good face to evil play, while Frank suspects what is really going on there, forcing Rosalinde to play the indignated lady and sing, that she is embarrassed that Frank does not believe her (8). Frank leaves with Alfred and compares the prison to a bird house (9), where the bird fly in and out.

The second act begins at the palace of Prince Orlovsky (Ida von Scheele-Müller), where the guests are looking forward to the diner, outing themselves as a bunch of scroungers (10). Orlovsky says he is bored by his millions and by everything, but Falke, who is already at the party, promises him that he will laugh today about the drama "the revenge of the bat". Orlovsky gets informed, that Eisenstein, who just arrives as Marquis von Renard, will be the victim of the joke. Falke has also invited his maid Adele and his wife Rosalinde dressed as a Hungarian countess. When Eisenstein arrives, the Price sings a couplet for him about the customs at his country and his home: if someone does not drink enough, he will be thrown out the door (11). When Eisenstein meets Adele, he recognizes her as his maid in the dress of his wife, but everyone laughs about him, and so he has to deny the truth. Adele expresses her indignation in a nice couplet (12). In the following dialogue the director of the prison, Frank, and Rosalinde in disguise arrive. Everyone has to swear to respect the secret of the mask of Rosalinde (13). Eisenstein makes a bet, that the newly arrived lady will be his in ten minutes and does his old seducer trick: he uses his nice pocket watch as a bait to get the attraction of the unknown lady (who is already married to him, recognizes him and wants to take revenge). She plays with his clock - and keeps it (14). Afterwards Eisenstein tells the story, that he once laid the totally drunk Falke in the costume of a bat one night into a little wood not far away from the town, so that he had to walk home by daylight dressed as a bat to the joy of the people and pupils on the street (15, in the original score this scene comes after Rosalinde's couplet). Then the masked Rosalinde is doubted to be a Hungarian and sings a Hungarian song of her "homeland" (16) to prove her origin. Then the guests sit down at the table. Champagne is served, and erveryone sings a song about the majesty of King Champagne (17). Then everyone is drinking on brotherhood and lies each other in the arms (18). In the ballroom the dancers do a Bohemian polka (19). The party reaches its climax, when the clock strikes six and everyone remembers that he should have gone home earlier. All leave for home, Eisenstein for his arrest (20).

The third act begins with the appearance of the drunken warder of the prison (Hermann Valentin, an actor, 21), who is fond about the singing of the imprisoned Alfred, followed by a calm moment: prison dirctor Frank sits, still rather drunk in his office in the morning after the party and remembers the scenes of the party (22), before he falls to sleep. He is wakened by Frosch, who opened the door for Adele (in the original score accompanied by her sister Ida), who wants to get rid of her profession as chamber maid and asks him to pay her an education as a singer (23). As he asks her, if she has got talent for this, she sings a song about her qualities as an actor, decorated with fine coloraturas (24).
Then a couple of persons arrive one after another (25). First comes Eisenstein to take up his arrest. He does not believe first, that Frank is the director, and Frank does not believe that he is not Marquis Renard, because the wrong Eisenstein is still in prison. Then arrives the lawyer Blind, who was called by Alfred, who is wrongly arrested as Eisenstein. Another Lady appears and is led to another room - Rosalinde. The real Eisenstein realizes what is and what was going on the night before and changes clothes with Blind. Then he interviews, masked as Blind, full of anger and sometimes loosing his contenance, his wife and Alfred, who confess how things went and that everything was harmless (26). But Rosalinde confesses also that she has seen, what her husband did and wants to take revenge. Eisenstein also cries revenge and unmasks himself. (27) Just when he calls Alfred for a duel, the other guests from yesterday, led by Orlovsky, come in and uncover, that everyything was the plan of Falke to take revenge for the story where he was blamed masked as a bat once ago. For the finale (28) everyone is relieved that life is not as serious as it looked, and all agree in blaming the champaign for everything.

Marie Dietrich singt die Adele


Samstag, 31. Dezember 2016

Happy new Year 2017!

Die schöne Helena, Operette von Jaques Offenbach



Wie jedes Jahr zu Neujahr verfasse ich auch diesmal wieder meinen persönlichen Jahresrückblick und -ausblick. Die Ereignisse in der Welt will ich dabei nicht kommentieren, sondern darüber nachdenken, was das Jahr für mein Blog und für meine Tätigkeit als Sammler und, sozusagen, ehrenamtlicher Hobby-Forscher gebracht hat.

Insgesamt war für mich 2016 ein Jahr der Vorbereitung und (noch) nicht der reichen Ernte. In diesem Blog sind nur neun Beiträger erschienen. Der wichtigste war wohl der über Charlotte Viereck, der wirklich neue Daten und Fakten zutage gefördert hat, die bisher so noch nicht bekannt waren. Ihn zu schreiben und das mir zur Verfügung stehende Material aufzuarbeiten und in meinem anderen Blog komplett zur Verfügung zu stellen, hat mich mehrere Monate Arbeit gekostet. Auch für 2017 habe ich einige neue Projekte in Planung und Arbeit, von denen mich manche schon mehrere Jahre beschäftigen. Einerseits möchte ich dabei meinen selbstgesetzten Qualitätsstandard halten, andererseits befriedigt es mich nicht, nur alle paar Monate einen Beitrag zu publizieren. Ich möchte im nächsten Jahr mehr Masse an Aufnahmen zur Verfügung stellen. Dazu habe ich seit April 2016 den kompletten Bestand der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek durchgeschaut, durchgehört und habe eine Menge davon heruntergeladen. Es waren ca. 19.800 Schelllackseiten, die ich im Netz besucht habe, und ich bin pünktlich vor Jahresende am 27. Dezember, also gerade vor ein paar Tagen, damit fertig geworden. Ungefähr 10.000 davon habe ich mir heruntergeladen (was allein ungefähr 60.000 Klicks mit der Maus bedeutet und sekunden- bis minutenlange Wartezeiten bei jeder Aufnahme).

Warum habe ich das getan? Neben der persönlichen Neugier, die mich antrieb, würde ich lieber meine knappe Zeit dafür verwenden, Zusammenstellungen zu machen und meinen Lesern Überblicke über bestimmte Genres, bestimmte Sänger oder bestimmte Schallplattenfirmen zu geben, als die zeitaufwendige Arbeit selbst zu übernehmen, jede einzelne Aufnahme zu digitalisieren, die ich hier veröffentliche. Deshalb möchte ich verstärkt mit bereits vorliegenden überspielten Aufnahmen aus verschiedenen Quellen arbeiten, anstatt alle Arbeit selbst zu machen. Damit geht man dann aber mehr als bisher das Risiko ein, Ärger wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen zu bekommen. Auch wenn die Blogs kaum vergleichbar sind, möchte ich nicht, dass es mir so ergeht wie dem großen Klassik-Blog Radiomelasudas, das Anfang Dezember sang- und klanglos von Google geschlossen wurde und dessen Spuren kaum noch im Netz zu finden sind: Gestern noch 50.000 Besucher pro Tag und dann von heute auf morgen für immer weg ohne Nachruf und Ansprechpartner...

Für das neue Jahr plane ich eine neue Reihe mit "Essential Historical Recordings", die Werke aus der Geschichte der Musikaufnahme, die jeder Liebhaber historischer Aufnahmen kennen (und haben) sollte, beinhalten wird.

Das nächste große Projekt, von dem ich gehofft hatte, dass es schon dieses Jahr reif für die Veröffentlichung ist, ist eine umfangreiche Diskographie der Matrixnummernserie der Deutschen Grammophongesellschaft mit den Kennbuchstaben as. Die Aufnahmen entstanden in den Jahren 1919 bis ca. Anfang 1926 und umfassen sowohl wichtige und bekannte wie auch unbekannt gebliebene Aufnahmen von Sängern, Orchestern, Dirigenten und manchmal auch Künstlern mit populärer Musik (Kleinkunst). Ich habe bereits vor über 30 Jahren begonnen, diese Nummern zusammenzutragen (es zwischendurch aber 20 Jahre liegen gelassen), und merke jetzt, wo ich es dann doch veröffentlichen möchte, wie viel editorische Feinarbeit noch zu tun ist und wie viele Fehler und Fragen noch offen sind. Immerhin umfasst die Liste bisher 37 Seiten, und ich bin jetzt zusammen mit Freunden dabei, alles noch einmal durchzusehen und schließbare Lücken noch zu schließen, bevor die erste Version in die Welt hinaus geschickt wird. Ich werde es noch einmal nachzählen, aber ich schätze, dass mittlerweile 1300 bis 1400 Aufnahmen aus der Spanne zwischen 1 as und 2212 as (letzte bekannte Aufnahme) aufgelistet sind. Es soll dann auch eine PDF-Version zum Download geben.

Wenn ich es schaffe, wird es 2017 auch noch einen großen Artikel über den heute fast unbekannten Komponisten Max Kowalski geben, ergänzt mit Aufnahmen des von mir sehr geschätzten Baritons und Pianisten Ernst Wolff.

Und noch ein Thema gibt es, mit dem ich mich seit diesem Jahr befasse: ich habe mein Interesse am Genre Operette entdeckt und mir einige Bücher dazu besorgt. Im Buch "Welt der Operette" von Arnbom, Clarke und Trabitsch (Wien 2011), das als Begleitbuch zu einer Ausstellung erschien, heißt das erste Kapitel bezeichnenderweise "Die Geburt der Operette aus dem Geist der Pornographie": Es beschreibt, wie die Offenbach-Operetten im Paris ihrer Entstehungszeit (nicht nur für damalige Zeiten) knallharten Sex auf die Bühne brachten. Als das Genre nach Wien importiert wurde und immer mehr Menschen in den Bann zog, ging dieser Aspekt immer mehr verloren, bis zuletzt nur noch eine Heile-Welt-Idylle eine Rolle spielte und den Niedergang des Genres besiegelte. So habe ich als Kind auch Operette kennen und hassen gelernt: Als süßlich-klebrige Radiomusik zur Untermalung des sonntäglichen Kaffetrinkens. Wenn ich dagegen "back to the roots" gehe und mir die alten Ansichtskarten anschaue (ein Sammelgebiet, was für mich immer interessanter wird), sehe ich eine ganz andere Welt, die mir interessant, authentisch und kennenswert vorkommt. Danach habe ich auch das Bild zu meinem heutigen Beitrag ausgesucht: Eine Offenbach-Operette mit unbekannten Darstellern, aber selbst wenn die Dame doch einen BH tragen sollte, täuscht sie auf dem Foto die Barbusigkeit gekonnt vor und lässt den erotischen Reiz der Operette hochleben.

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs ein gutes, gesundes und segensreiches Jahr 2017!

 
Ausschnitt

In my last year's retrospect I find that for me 2016 was a year of preparing new projects and not a year of a big published output. The reason is that I have looked through and sometimes listened to all of the 19.800 shellack sides that are accesable at the Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) and have downloaded quite a few. This took much of the time I had for my hobby. For 2017 I am planning to start a greater output in this blog with sources beyond my own collection, and maybe some of the SLUB-recordings will appear in this blog in the next year in a thematical context. I am also planning a series of "Essential Historical Recordings". Right now I prepare a dicography of a huge late acoustical matrix series of the Deutsche Grammophon which will appear here in this blog, and I also will publish as many recordings from this matrix series as possible.

The photo is a tribute to my newly evoked interest for the genre of the operetta and the erotical and satirical aspects of this genre. Some day it will also find a way into my blogs. The soon coming first recording of the "Fledermaus" from 1907 will be the start for that...


I wish all readers of my blog a good, healthy and blessed year 2017! Keep on listening and keep on networking with other collectors to prevent our acoustical heritage from oblivion. And I am always open if someone who has not the energy to run his own blog wants to publish some good recordings or unknown sources in my blog, just like the starting picture says - where someone likes to join a small group of ... collectors? Why keep your treasures for you alone - Just share it with friends... (Translation of the text on the starting picture: Let me be the third in your union!) 



Sonntag, 4. Dezember 2016

Der Bariton Robert Burg (1890-1946)



Robert Burg als Escamillo in Carmen


Bei meiner Beschäftigung mit der Dresdener Oper habe ich mir eine Preiser-LP überspielt, die dem Sänger Robert Burg gewidmet ist. Diese möchte ich hier teilen. Robert Burg war im wesentlichen der Oper von Dresden treu, die in den 20er und frühen 30er Jahren wohl trotz der Berliner Opernhäuser das beste und ambitionierteste Opernhaus in Deutschland war. Dies wurde von den aufkommenden nationalsozialistischen Herrschern unterbrochen, die Dirigenten wie Fritz Busch vertrieben und die Berliner Staatsoper als repräsentative Oper des Nazi-Staates aufbauten. Robert Burg sang in den 20er Jahren einige Uraufführungen von heute weniger bekannten Opern (immerhin 1925 Hindemiths Cardillac), aber vor allem half er Opern wie Boris Godunoff von Mussorgsky und die damals in Deutschland seltener bis gar nicht gespielten Verdi-Opern wie Maskenball und Macht des Schicksals populär zu machen. Auch in Bayreuth sang er einige wichtige Rollen. Gemessen an seiner Bedeutung für die Opernbühne ist er auf Schallplatten unterrepräsentiert.

Auf der Rückseite der Preiser-LP schreibt Einhard Luther, dessen Artikel und Bücher ich immer wieder gerne lese, einen Artikel, der den Sänger würdigt. Seine etwas rauhe, kräftig-heldische Baritonstimme ist nicht jedermanns Geschmack, aber die Aufnahmen sind hörenswert. Zunächst noch der Artikel von Einhard Luther, dann die Tracklist von der Preiser-LP:


Die außerordentlich große Zahl stimmgewaltiger, interessanter und ausdrucksstarker Baritonsänger in der Zeit zwischen den beiden Welt­kriegen hat dazu geführt, daß manche dieser Künstler heute kaum mehr dem Namen nach bekannt sind; einige sind durch Mitwirkungen bei Festspielen in Bayreuth und Salzburg in Partien berühmt geworden, die sie fast nebenbei nur als einen kleinen Teil ihres Repertoires be­trachtet haben. Viele sind kaum auf Schallplatten erhalten. Wer entsinnt sich heute noch an den Heldenbariton Max Roth, an den um 1930 gefeierten Walter Großmann oder an Wilhelm Faßbinder, den lang­jährigen Wotan und Hans Sachs der Stuttgarter Oper? An der Dresdener Staatsoper war von 1916 bis 1945 Robert Burg der erste Heldenbariton. Mit Friedrich Plaschke und später mit Josef Herr­mann vertrat er das Repertoire des deutschen dramatischen Bariton­faches, war außerdem als italienischer Charakterbariton überaus populär und wirkte an vielen Ur- und Erstaufführungen mit. Die von ihm erhaltenen Schallplatten geben die Vielseitigkeit und Ausdruckskraft dieses Sängers nur zu einem verschwindend geringen Teil wieder. Sein eigentlicher Name war Robert Bartl. Am 29. März 1890 wurde er in Prag geboren. Zunächst studierte er Mathematik und nahm bei Hans Pokorny nur nebenbei Gesangunterricht. Seine Ausbildung an der Technischen Hochschule von Prag schloß er mit dem Staatsexamen ab, debütierte aber schon mit 24 Jahren am Stadttheater von Aussig als Valentin in Gounods „Margarethe". Kurze Zeit war er als Anfänger am Deutschen Theater von Prag und am Stadttheater von Augsburg en­gagiert, ehe er 1916 an die Dresdener Hofoper verpflichtet wurde. Seine Fachbezeichnung im Dresdener Ensemble lautete zunächst „Lyri­scher Bariton", obwohl sein Repertoire im Künstleralmanach 1920 folgen­de Partien nennt: Luna, Rene, Germont, Amonasro, Rigoletto.Nelusco, Escamillo, Mirakel, Sebastiane, Jochanaan,Scarpia, Wolfram, Amfortas, Günther, Wanderer etc. Berlin, München, Budapest, Düsseldorf und Prag waren die ersten Stationen seiner Gastspielverpflichtungen. Berühmt würde Robert Burg zu Beginn der zwanziger Jahre durch die von Dresden ausgehende Verdi-Renaissance. Mit Meta Seinemeyer und Tino Pattiera bildete er das klassische Sopran-Tenor-Bariton-Team derberühmten Musteraufführungen, mit denen Fritz Busch das Schaffen Giuseppe Verdis für Deutschland neu entdeckte. Burg war der erste Cardillac in der Uraufführung des Werkes 1926. In dieser Zeit war er schon in das Fach des Heldenbariton hineingewachsen; als Wotan und Hans Sachs hatte er erfolgreiche Gastspiele auch im Ausland zu verzeichnen.1933 wurde er zum ersten Mal nach Bayreuth berufen. In den fol­genden zehn Jahren stellte er dort das Charakterfach dar; Kothner und Klingsor, vor allem aber Alberich machten ihn berühmt. So bedeutungsvoll diese Verpflichtung auch war, sie wirkte sich für Robert Burg doch in gewisser Weise negativ aus: In dieser Zeit tra­ten seine Erfolgspartien des Heldenfaches international in den Hintergrund, weil man den dämonischen Alberich der Bayreuther Festspiele dem Dresdener Hans Sachs und Wotan vorzog. Der große Dirigent Karl Elmendorff sagte 1938 vor dem „Rheingold": „Es ist eigentlich schade, jetzt höre ich fünf der besten Wotandarsteller meiner ganzen Dirigententätigkeit in einer Vorstellung; aber einer kann natürlich nur den Wotan singen: Rudolf Bockelmann, Jaro Prohaska, Ludwig Hofmann, Josef von Manowarda und Robert Burg!" Mitte der dreißiger Jahre verlegte sich Burg dann mehr und mehr auf das Charakterfach. Seine letzten Gastspiele als Hans Sachs und Colonna in „Rienzi" erlebte 1935 die Zoppoter Waldoper. Der Dresdener Staatsoper blieb Burg buchstäblich bis zu seinem Tode treu: Während eines Konzertes erlitt er am 9. Februar 1946 in Dresden einen Herzschlag; er war 56 Jahre alt.Eine Reihe interessanter Schallplatten haben seine Stimme erhalten. Sein vielseitiges Repertoire ist darauf nur zu einem geringen Teil erfasst; sein berühmter Hans Sachs, sein legendärer Alberich sind akustisch nicht festgehalten worden. Die intensive Ausstrahlung seiner dramatischen Begabung, die Ausdruckskraft seines dunkel-timbrierten, umfangreichen und durchschlagskräftigen Baritons sind von zwingender Überzeugungsgewalt auch in der begrenzten Form der akustischen Aufnahme.

Einhard Luther








DOWNLOAD MP3 256 KB/s




Robert Burg at Bayreuth 1941


Burg, Robert, Bariton, * 29.3.1890 Prag, † 9.2.1946 Radebeul bei Dresden; eigentlich Robert Bartl. Nach anfänglichem Mathematikstudium Ausbildung durch Hans Pokorny in Prag. Debüt 1914 am Theater von Aussig (Ustí nad Labem) als Valentin im »Faust« von Gounod. 1915-16 sang er am Deutschen Theater in Prag und gastierte am Stadttheater Augsburg. Seit 1916 Mitglied der Hofoper (seit 1918 Staatsoper) von Dresden, der er bis 1944 angehörte. Als Antrittsrolle sang er an diesem Haus den Kothner in den »Meistersingern«. Zusammen mit Künstlern wie Tino Pattiera und Meta Seinemeyer war er wesentlich an der Verdi- Renaissance der zwanziger Jahre in Deutschland beteiligt. Sein Auftreten als Boris Godunow von Mussorgsky 1923 an der Dresdner Oper bedeutete für dieses Werk in Deutschland den endgültigen Durchbruch zum Erfolg. Am 14.1.1918 sang er in Dresden in der Uraufführung der Oper »Der Eroberer« von Jan Brandts-Buys, am 9.9.1926 in der von Hindemiths »Cardillac« die Titelrolle, am 21.5.1925 die Titelpartie in der Uraufführung von Ferruccio Busonis »Doktor Faust« 1930 wirkte er in Dresden in der Uraufführung von Mark Lothars Oper »Lord Spleen« mit. 1933-42 sang er bei den Festspielen von Bayreuth den Alberich im Ring-Zyklus, auch 1934-39 den Klingsor im »Parsifal« und 1933 den Kothner in den »Meistersingern«. 1935 erschien er bei den Festspielen von Zoppot als Hans Sachs in den »Meistersingern« und als Colonna in Wagners »Rienzi«, 1924 und 1928 war er an der Staatsoper von Wien, 1924 und 1931 an der Städtischen Oper Berlin zu Gast. Er gastierte auch in Zürich, München, Amsterdam und Budapest. Seine großen Bühnenpartien waren der Thoas in »Iphigenie auf Tauris« von Gluck, der Fliegende Holländer, der Francesco in »Mona Lisa« von M. von Schillings, der Marc Arron in E. d'Alberts »Revolutionshochzeit«, der Titelheld in »Don Juans letztes Abenteuer« von P. Graener, der Geisterbote in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, die Titelrolle in »Maschinist Hopkins« von M. Brand, der Alexios in »Sonneflammen« von Siegfried Wagner, der Posa in Verdis »Don Carlos«, der Graf Luna im »Troubadour«, der Lescaut in »Manon« von Massenet, der Gremin im »Eugen Onegin«, an erster Stelle aber sein Boris Godunow. Robert Burg erlitt in Dresden während eines Konzerts einen Herzschlag.

Aufnahmen auf Parlophon, Odeon, Polyphon und Homochord.

[Lexikon: Burg, Robert. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 3362 (vgl. Sängerlex. Bd. 1, S. 502 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Robert Burg as Kothner, Bayreuth 1933


Above you find the transfer of a Preiser Lebendige Vergangenheit-LP of the Bariton Robert Burg. He was mainly Dresden based and was member of the Dresden Opera House from 1916 to 1944. Burg is mainly known today for his part in the Verdi renaissance in the late 20s and early 30s. He also sang at Bayreuth from 1933-1942 (Alberich, Klingsor and Kothner). His Heldenbariton has a coarse, not very attraktive timbre and (in the earlier recordigs) no fine piano quality, but his recordings are remarkable for his seriousness and sincerity and dramatical expressive power. He also suceeded at the Charakterfach. His recorded legacy is rather small for his importance for the Dresden Opera. His Lied recordings remind me because of the timbre and vocal style to Hans Duhan's recordings. In the Preiser recital the best sides are the Boris Godunoff recordings, Wotan's Abschied and even the played to death Torerolied. His Wolfram seems weak to me, but one must remember, that he was just 30 years when he recorded these sides.
Robert Burg died at the age of 56 during a concert on the stage 70 years ago in February 1946.









Mittwoch, 5. Oktober 2016

Hermann Schey singt Lieder von Schubert (Clangor 1932)



Hermann Schey auf Clangor

Clangor bzw. "Schallplatten-Volksverband" war eine preiswerte Schallplattenmarke, die nur per Post vertrieben wurde. Es funktionierte ähnlich wie ein Buchclub: Mitglieder durften bzw. mussten drei Platten im Quartal kaufen, die dafür preiswerter als viele andere Schallplatten waren. Wenn man sechs Platten bestellte, bekam man eine gratis, ebenso wenn man neue Mitglieder warb. Die Firma existierte nach meinem Wissen von 1929 bis 1942 in Berlin. Teilweise übernahm die Clangor Aufnahmen von anderen Firmen wie Telefunken. Die meisten Aufnahmen aber waren selbst produziert. Unter Sammlern ist sie für gute Tanzmusik-Aufnahmen bekannt. Aber auch im Bereich der Klassik hatte sie einiges zu bieten. Eine der besten Serien war eine Reihe mit Aufnahmen von Schubert-Liedern aus der Schönen Müllerin oder der Winterreise mit dem Bariton Hermann Schey. Ich habe sie hier zusammengestellt und hoffe, dass es alle sind, die erschienen sind. Die Seitennummern entsprechen den Matritzennummern, und es gibt keine Lücke, so dass hier vermutlich alle Aufnahmen erfasst sind. Eine Seite habe ich aus der SLUB Dresden heruntergeladen, da ich sie nicht anders hatte. Der Titel Nr. 5 ist deshalb nur als MP3-Datei mit 160 kB/s verfügbar, die anderen sind mit 256 kB/S übertragen.



Hermann Schey singt Lieder von Schubert   (Clangor 1932)
Klavierbegleiter: Michael Taube

Die schöne Müllerin

    1. Wohin?                                                                Clangor M 9177
    2. Halt!                                                                     Clangor M 9178
    3. Der Neugierige                                                    Clangor MD 9180
    4. Tränenregen / Eifersucht und Stolz                Clangor MD 9179

Winterreise

    5. Gute Nacht                                                          Clangor MD 9175
    6. Der Lindenbaum                                                 Clangor MD 9176
    7. Frühlingstraum                                                    Clangor MD 9181
    8. Die Krähe                                                             Clangor M 9183
    9. Der Wegweiser                                                    Clangor MD 9182
  10. Der Leiermann                                                   Clangor M 9184



(M = 25 cm, MD = 30 cm)

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Das Sängerlexikon gibt ihn als Bass an, während Bass-Bariton als Stimmbezeichnung sicher passender wäre. Auch die Aufnahmen bei Clangor werden nicht erwähnt.


Schey, Hermann, Baß, * 8.11.1895 Bunzlau (Schlesien), † 21.8.1981 Uerikon bei Zürich; seine Stimme wurde 1913-15 bei Henry von Dulong in Berlin ausgebildet. 1915 wurde er als Soldat eingezogen und konnte das Gesangstudium erst nach Kriegsschluß zu Ende führen. Seit 1922 betätigte er sich von Berlin aus als Konzert- und Oratoriensänger. Man bewunderte namentlich seine Kunst der Bach-Interpretation. Konzert-Tourneen brachten ihm in den europäischen Musikzentren große Erfolge. 1929 sang er in Amsterdam zusammen mit dem Concertgebouw Orchest unter Willem Mengelberg die »Kindertotenlieder« von Gustav Mahler und hinterließ dabei einen so nachhaltigen Eindruck, daß er seitdem alljährlich in Holland auftrat, vor allem in den denkwürdigen Aufführungen der Matthäuspassion von J.S. Bach unter Mengelberg. 1930 unternahm er eine große Tournee durch Polen, Rußland und die Balkanstaaten, 1932 gab er Konzerte in Paris, 1933 in Zürich. Er kreierte mehrere Lieder des Schweizer Komponisten Othmar Schoeck und sang 1930 in Berlin das Baß-Solo in der Uraufführung der Kantate »Das dunkle Reich« von Hans Pfitzne. 1934 emigrierte er als Jude nach Holland und wurde 1936 Professor am Konservatorium von Amsterdam, setzte aber seine erfolgreiche Konzerttätigkeit fort. Als Holland 1940 durch die deutschen Truppen besetzt wurde, mußte er sich bis zum Ende des Krieges im Untergrund versteckt halten. Dann nahm er seine Karriere wieder auf und wirkte beim Holland Festival und bei weiteren internationalen Festspielveranstaltungen mit. Konzertreisen führten ihn nach Deutschland, England, Österreich und in die Schweiz. 1968 bereiste er in einer triumphalen Tournee Israel. Dazu betätigte er sich weiter als Gesangslehrer. Er verbrachte seinen Lebensabend in der Schweiz.

Schallplatten: Frühe akustische Aufnahmen auf Odeon; auch Aufnahmen auf den Marken DGG, Christschall, Tri-Ergon, MMS und Concert Hall (Magnificat von J.S. Bach).

[Nachtrag] Schey, Hermann; 1933-35 trat er in Berlin in Liederabenden auf, die der Jüdische Kulturbund veranstaltete. - Schallplatten: Archiphon (Verdi-Requiem, Amsterdam 1937).

[Lexikon: Schey, Hermann. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 21643 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 3096 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]



Hier noch ein Foto mit Autogramm - leider mit Wasserzeichen eines Händlers

Here I present 10 sides with exerpts from "Die Schöne Müllerin" and "Winterreise" recorded by Clangor in 1932. Clangor was a record company which sold their records by post similar to a book club. You could only buy them as a member of the "Schallplatten Volksverband" (= People's record assoziation) and then you had to buy three records in between three months. The records were relatively cheap, and the company made many fine recordings (also technically very good sounding), but also bought recordings from Telefunken and maybe some other small companies. In the classical sector there are singers like Ludwig Hofmann, Harold Freiherr von Oppenheim (an interesting tenor), Hendrik Appels, Margarete Klose (with early Lied recordings) and other singers which were in the "second row" in Berlin around 1930, but are fine, too. A few other names are Louis van de Sande, Elisabeth Ristow, Carl Jöken, Karl Friedrich (tenor), Eugen Fuchs (basso), Rudolph Galena etc.

The ten sides by Hermann Schey are, as I think, his complete recorded output of the Schubert cycles for Clangor. I always thought that he was a Dutch singer, but now I found out that actually he was born in Silesia and trained in Berlin by Henry von Dulong. His musical education was interrupted by the First World War, and in 1922 he made his debut as a concert singer. In Holland he successfully worked with Willem Mengelberg and got very popular there. In 1936 he became professor at the Amsterdam conervatory. I don't know if he was Jewish, but I think so as the Sängerlexikon mentions that he did hide for five years when the Germans occuppied Holland in 1940. After the Second World War he continiued his career as an oratorio singer and still made some LP recordings, which I do not know (but really would like to hear - if you have them, please tell me...)

In 1932 he was a fine baritone. Later he moved more to the basso repertoire. I always enjoy seriously meant recordings of or from the the Schubert Lied cycles, and these recordings are very enjoyable - comparable to Hans Duhan or Ernst Wolff. The tracks of the playlist above are in 256 kB/s MP3 exept track 5, which I downloaded from the SLUB in Dresden and so it is, as all their offered recordings, only in 160 kB/s MP3.






(Some informations about Clangor in English)

PS. 11.X.16: As I have heard, there are at least two other sides from the Schubert session. I will add them later, when I get them from a friend.

Freitag, 2. September 2016

Der Tenor Robert Philipp (1852-1933)

Robert Philipp


Obwohl Robert Philipp (mit einem L und zwei P!) von 1890 bis 1930 an der Berliner Hofoper und dann Staatsoper sang, ist er dem heutigen Sammler nicht als herausragender Sänger in Erinnerung geblieben. Seine Tenorstimme war ein eher leichter Tenor, der seine besten Leistungen als Fra Diavolo, in Lortzings Opern und in Operetten erzielte. Unvergessen für die Geschichte der Oper ist er dadurch, dass er 1895 in der Uraufführung des Oper "Der Evangelimann" von Wilhelm Kienzl mitwirkte, die im wilhelminischen Deutschland sehr populär wurde und allein an der Hofoper in Berlin bis 1908 über 100 Aufführungen erlebte. Allerdings war für mich nicht herauszufinden, in welcher Rolle er in dieser Uraufführung sang. Die tenorale Hauptrolle des Matthias wurde von Eloi Sylva (1843-1919), einem belgischen Tenor, der keine Schallplatten hinterlassen hat, gesungen. Für Philipp blieben also bestenfalls die Rollen des Xaver Zitterbart (eine Tenorbuffo-Partie) und die kleine Partie des Hans, eines Bauernburschen übrig. Ich würde vermuten, dass er diese Rolle gesungen hat, weil er das Spottlied des Hans, die einzige Arie dieser Rolle, auch auf Schallplatte aufnahm. Die Arie des Matthias "Selig sind, die Verfolgung leiden", nahm er später, wie die meisten Tenöre seiner Generation, ebenfalls auf.











Schallplattenaufnahmen gibt es von ihm, in Anbetracht der langen Karriere, nur sehr wenige Sie sind nicht schlecht, aber auch nicht begeisternd. Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Sänger hauptsächlich beschäftigt habe, weil ich mich für die Zeit der Berliner Hofoper vor dem ersten Weltkrieg sehr interessiere und sich bei mir viele Ansichtskarten mit Bildern von Robert Philipp angesammelt haben. Sie zeigen ihn in seinen erfolgreichen Rollen und manchmal mit berühmten Kollegen. Das machte mich neugierig auf Robert Philipp. Ich kann nun nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, aber ich würde sagen, dass die Aufnahmen seine Wichtigkeit für die Berliner Oper nicht wiederspiegeln. Diese liegt wohl zum einen daran, dass er sehr lange dort gesungen hat und dann auch vielseitig einsetzbar war. Sein Timbre ist nicht sehr charakteristisch, Trotzdem wird er seine Bewunderer gehabt haben, wie die Menge der Ansichtskartenmotive zeigt. Später war er dann Spezialist für Nebenrollen. Ich möchte hier die Bilder zeigen und ein paar Aufnahmen von ihm vorstellen.


Robert Philipp als Fra Diavolo

Philipp, Robert, Tenor, * 21.11.1852 Offenbach a.M., † 12.8.1933 Berlin; er war zuerst Schauspieler und war als solcher seit 1870 am Walhalla-Theater, seit 1877 am Belle-Alliance-Theater in Berlin engagiert. Er wurde dann Operettentenor und trat 1883-83 am Wallner-Theater, 1884-87 wieder am Walhalla Theater Berlin auf. Bereits 1882 nahm er an einer Rußland-Tournee der Hasse-Operettengesellschaft teil. Er trat in dem Jahrzehnt 1880-90 auch am Berliner Friedrich-Wilhelm-Theater auf. Der Intendant der Berliner Hofoper Graf Hochberg veranlaßte ihn jedoch, sich dem Operngesang zuzuwenden. 1890 sang er aushilfsweise an der Berliner Hofoper den José in »Carmen« darauf wurde er Mitglied dieses Opernhauses. Vierzig Jahre hindurch ist er an der Hofoper (der späteren Staatsoper) Berlin geblieben; er erlangte als lyrischer Tenor in Berlin größte Beliebtheit und sang Partien wie den José in »Carmen«, den Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, den Faust von Gounod, den Tamino in der »Zauberflöte«, den Don Ottavio im »Don Giovanni« und den Fra Diavolo in der gleichnamigen Oper von Auber. Er übernahm dann aber auch Partien aus dem Buffo- wie dem Charakterfach. Er sang an der Berliner Hofoper am 9.6.1894 in der Uraufführung der Oper »Angla« von F. Hummel, am 4.5.1895 in der Uraufführung der Oper »Der Evangelimann« von Wilhelm Kienzl, am 18.11.1898 in »Don Quixote«, am 28.1.1902 in »Heilmar, der Narr«, ebenfalls Opern von W. Kienzl, am 10.4.1900 in »Die Beichte«, wieder einem Werk von Ferdinand Hummel, am 27.3.1897 in »Enoch Arden« von Victor Hansmann, am 18.4.1899 in »Mudarra« von F. Le Borne, am 15.12.1904 in der (wenig erfolgreichen) Uraufführung von Leoncavallos »Der Roland von Berlin«, am 14.4.1905 in »Die Heirat wider Willen« von E. Humperdinck. Er gab Gastspiele an den Hoftheatern von Dresden (1900, 1903), Wiesbaden (1899), Weimar (1906), Schwerin (1897) und München (1916), an der Oper von Frankfurt a.M. (1902) und am Theater des Westens Berlin (1899, 1902). 1893 sang er am Hoftheater von Gotha in der Uraufführung der Oper »Die Rose von Pontevedra« von Josef Foerster. Er gastierte u.a. auch in St. Petersburg und Moskau, doch hatte er seine größten Erfolge in der deutschen Hauptstadt. Er war zeitweilig verheiratet mit der Sopranistin Marie Dietrich (1865-1940) die gleichfalls Mitglied der Berliner Hofoper war. Bis 1930 ist Robert Philipp an der Berliner Oper aufgetreten, zuletzt nur noch in kleineren Rollen. Er betätigte sich in Berlin auch als Pädagoge.

Seine lyrische Tenorstimme ist durch Schallplatten der Marken G & T (Berlin, 1904), Beka (Berlin, 1904), Lyrophon (Berlin, um 1908), Favorit (Berlin, 1904), Odeon (Berlin, 1905), Columbia (Berlin, 1904), Anker und HMV erhalten; auch Edison-Zylinder. Sang auf G & T in vollständiger »Fledermaus«- Aufnahme (1907).
[Lexikon: Philipp, Robert. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 19093 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2728 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]





Robert Philipp mit Rudolf Berger in "Der schwarze Domino" (Auber)

Robert Philipp mit Emmy Destinn in "Die Heirat wider Willen" (Humperdinck)
Diese Oper von Humperdinck wurde im April 1905, einen Monat vor dem Evangelimann, uraufgeführt. Auch hier war Philipp beteiligt, ebenso wie Rudolf Berger und Emmy Destinn. Es folgen nun vier Karten nach dem Motto: "Gleiche Pose, andere Rolle".

Robert Philipp als Tonio in "Die Regimentstochter" (Donizetti)

Robert Philipp in "Zar und Zimmermann" (Lortzing)
Robert Philipp in der "Zauberflöte"

Robert Philipp in der Oper "Das Heimchen am Herd" (Goldmark)

Zu den Aufnahmen

Die Aufnahmen meiner Playlist stammen alle aus der Sächsischen Landes- und Universitätbibliothek Dresden. In meiner Sammlung hatte ich keine einzige Platte von Philipp...
Seine Diskographie ist recht schmal, die meisten Titel sind selten. Am ehesten begegnet er dem Sammler als Eisenstein in der ersten kompletten Aufnahme der "Fledermaus" der Gramophone von 1907 sowie als Beppe in der Gesamtaufnahme des "Bajazzo" der Odeon von 1909. Ich hoffe, dass ich die beiden Gesamtaufnahmen eines Tages hier im Blog veröffentlichen kann.

Die Aufnahmen der Playlist geben einen guten Querschnitt durch sein Repertoire und seine Bandbreite.


Robert Philipp (1852-1933)

   1. Evangelimann: Selig sind, die Verfolgung leiden (Odeon 34505, Bx 967, 1905)

  2. Auftritt der Martha und des Mathias aus "Evangelimann" : Salve Regina / (Kienzl)    
            +Marie DIETRICH (Gram 044065, 187 s)

  3. Scene der Magdalena und des Mathias aus "Evangelimann" : Habt Dank auch / (Kienzl)
            + Ida von SCHEELE-MÜLLER (Gram. 044066, 188 s)

  4. Spottlied des Hans aus "Evangelimann": O Zitterbart, o Zitterbart (Kienzl)
            Zonophone X-22085, 12088 h

  5. Freischütz: Durch die Wälder, durch die Auen
            Odeon 34509, Bx 971

  6. Cantilene aus Carmen (Blumenarie) (Odeon 34506, Bx 968)

  7. Carmen: Hier an dem Herzen (Lyrophon 14186)

  8. Fliegender Holländer: Mit Gewitter und Sturm (Lyrophon 14196)

  9. Walküre: Winterstürme wichen dem Wonnemond (Odeon 34575, Bx 1082)

10. War einst ein junger Springinsfeld : aus "Waffenschmied" (Lortzing)
            Gramo 3-42796, 2905 r, 1907

11. Man wird ja einmal nur geboren : aus "Waffenschmied" (Lortzing))
            Gramo 3-42797, 2906 r, 1907

12. Lied des Marquis aus "Czar und Zimmermann": Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen          (Lortzing) Zonophone X-22684, 12087 u, 1907

13. Bajazzo Teil 18: Die Komödie der Columbine +Marie DIETRICH, Otto MARAK
            Odeon 76047, xxB 4589, IX. 1909


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Robert Philipp, Pressefoto von ca. 1919



Ich habe zwei Wochen in alten Musikzeitschriften zwischen 1899 und 1922 nach Informationen über Robert Philipp gesucht und bin nicht fündig geworden. Auch da bleibt er ein Sänger ohne Eigenschaften...

In einer 30 Jahre alten privaten Sammlerzeitschrift (STIMMEN, DIE UM DIE WELT GINGEN Nr. 9, 1985) fand ich aber ein Transkript eines Interviews mit ihm. Es stammt vom 04.III.1930 aus der Rundfunksendung "Funkstunde" und ist ausschnittweise festgehalten auf den beiden einseitigen 30cm-Platten RRG 436 und 437. Der Verfasser Hans Lahme bemerkt zurecht:

"Die Technik der Führung eines Interviews steckte damals wohl noch in den Kinderschuhen. Im Vergleich zur heutigen Perfektion  muss man aber den Mut des Sprechers bewundern, sich auf eine Live-Reportage offensichtlich ohne Absprache  und ohne Manuskript einzulassen. Im Protokoll wird versucht, die Stimmung der Aufnahme einzufangen, es ist nichts gestrafft oder geschönt. Wie aus den Lebensdaten her­vorgeht, war Philipp zur Zeit des Interviews 77 Jahre alt."

Aus dem teils chaotischen, teils nichtssagenden Gespräch geht hervor, dass er immer noch an der Oper aktiv war und ihm dies sehr wichtig für seinen Lebenssinn war, und dass seine Stimme in dem Alter noch weitgehend intakt war. Dies lag auch daran, dass er auf Partien wie den Lohengrin verzichtet hat. Ich gebe hier den Text der beiden Plattenseiten wieder, wie Hans Lahme ihn 1985 übermittelt hat.

Interview:   Kammersänger Robert  Philipp                              
H. Lenz      4.III.1930
Kapellmeister (Klavier) unbekannt

RRG 436

Gesang und Klavier: Wanderlied ( Komponist: Robert Schumann,
Worte: J. Kerner) ausklingend zum Schluß:
Ade nun ihr Berge, du väterlich Haus!
Es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus,
es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus.

Dreimal Beifallklatschen des Interviewers H. Lenz.

H. Lenz: Das war ja herrlich, Herr Kammersänger. Ich kann mir vor­stellen, daß alle Hörer jetzt in hellen Beifallsjubel aus... eh ... ausbringen wollen, die ru... und rufen: Da capo, da capo, noch ein Lied. Es ist unbedingt nötig, daß Sie noch etwas zum besten geben. Mit einem Gesang kommen Sie nicht davon. Wie wäre es noch mit einem klei­nen Liedchen? Na, sagen wir Schubert vielleicht. ... Sie werden doch irgendwie noch etwas gern singen ... möchten?

R. Philipp: Schubert ... gern zugeben für Sie, wenn es Ihnen an­genehm ist? '

H. L. : Aber sicherlich. Nicht mir, sondern allen den Hörern. Die werden sich freuen, noch ein Lied zu hören. Vielleicht. Bitte, Herr Kammersänger! ... Herr Kapellmeister!

Gesang und Klavier: Ungeduld (Komponist: Franz Schubert, Worte: W. Müller)

H. L. : Das war ja wunderbar. Da kann man nur sagen, Sie haben Ihre Zuhörer bezaubert. Aber wie ist es möglich, daß man bei diesem Alter noch diese Frische der Stimme hat, daß man nichts an der Routine verloren, noch ohne jede . .. ohne jedes Hindernis singt, wie ein Jüngling. Vielleicht erzählen Sie uus etwas über Ihre Gesangstechnik?

R. Ph.: Ach Gott, da laßt sich sehr viel sagen. Da möcht' ich ... mir ... he ... da möcht'ich doch nicht die ... gewisser­maßen ... eh ... irgendwie ... also ... ein wirklich ab­schließendes Urteil bilden ... Es ... Ich fühle mich nicht berufen dazu, muß ich ganz ehrlich gestehen.

H. L. : Ja, ich meine ... schlie... eh ... glauben Sie, daß Ihre Gesangstechnik nur auf eine Begabung oder nur auf Talent zurückzuführen ist? Oder gehört dazu auch tägliches üben, Immer wieder von neuem studieren, immer wieder sich be­mühen?

R. Ph.: Ach ja nun, das ist doch wohl selbstverständlich, nicht wahr. Ich meine, ... daß die ... daß ich die Stimme habe, das ist Gottes Gabe, das ist 'ne Begabung. Natürlich. Aber die muß auch natürlich durch Fleiß und Studium also auch gewissermaßen ausgemerzt (?) werden auch ... eh ... auch gefördert werden. Das versteht sich.


RRG 437

R.Ph,: Ich könnte auch ohne Arbeit gar nicht existieren. Ich glaube, wenn ich heute vom Theater abging, oder wenn ich heute nicht mehr singen könnte, ich glaube, ich würde ... sterben,

H. L. : Sind Sie bei diesen Proben zu Haus Ihr eigener Lehrmeister und Ihr eigener Kritiker?

R. Ph.: Das versteht sich. Gott sei Dank. Ja. Ich bin an mir der strengste Kritiker sogar. Es gibt keinen strengeren..

H. L. : Üben Sie es, wenn Sie einen Fehler bemerken, oder das Ge­fühl haben, daß es noch nicht ganz klappt, immer wieder, bis es klappt? Ich meine, am nächsten Tage?

R. Ph.: Aber selbstverständlich. Oh, selbstverständlich. Zum Bei­spiel seinerzeit, als ich den, den ... eh ... Faust hier im Opernhaus zum erstenmal sang ...

H. L. : Wann war das ungefähr?

R. Ph.: Na, das ist also ungefähr her, das sind ...eh... 15, das sind 15 Jahre her, da sang ich noch den Faust in Margarethe,

H. L. : Ja, ja ich weiß.

R. Ph.: Und diese Kavatine, die bekannte Kavatine ...

H. L. : Ja?
R. Ph. : ...die hab' ich wohl, ich möchte beinah sagen ... wohl ... stü... eh ... wohl täglich, täglich und täglich, täglich immer wiederholt, bis sie mir so in der, in der ... in der, in der Stimme lag, daß nichts mehr passieren konnte.

H. L. : Also, das Geheimnis, eine solche Stimme zu behalten und eine solche Stimme auch in ihrem Wert zu erhalten, liegt wohl darin, daß man immer wieder daran arbeitet, daß sie nicht zugrunde geht, daß auch nichts abfällt von dieser Stimme?

R. Ph.: Das versteht sich von selbst, denn ich möchte sagen, so­bald man also ruht und rastet, dann rostet natürlich die Stimme, das ist doch wohl ... das ist doch wohl ganz be­stimmt ... anzunehmen, meine ich.

H. L. : Ja.. Wenn Sie nun proben, welche Rollen oder überhaupt Lie­der ... suchen Sie sich das aus oder ...

R. Ph.: Ja, ja, ja, ja Gott.

H. L. : Haben Sie Ihre bestimmten Steckenpferde dabei?

R. Ph.: Ach Gott, ja Gott. Ich singe fast immer ... weil ich ohne Gesang gar nicht existieren kann. Ich singe alles natür­licherweise ... Allerdings im ... als Opernsänger habe ich mich allerdings gehütet, ...eh...eh... Opernpartien zu singen, die mir nicht ...eh... zukamen, die mir nicht lagen. Das war, glaube ich ...eh... hat man mir gesagt, das soll ganz klug gewesen sein von mir. Zum Beispiel ich wollte so furchtbar gerne mal den Lohengrin singen.

H. L. : Ja?

R. Ph.: Da hat man mir gesagt: Ach Gott, lieber Philipp, es gibt so viele Lohengrins, aber es gibt keinen, keinen Wilhelm Meister oder es gibt keinen guten ...eh... in Regiments­tochter, einen Tonio, oder, oder einen guten Fra Diavolo und so. Das ...eh... d... d...das habe ich sehr häufig hören ...eh... hören müssen. Aber der Lohengrin stak mir gewissermaßen doch so furchtbar in den Gliedern. Ich se... ich ... ich ... ich... ich... ich... interessierte mich sehr dafür. Das können Sie sich ja denken, weil es schön zu singen ist.

H. L. : Wir haben vorhin, Herr Kammersänger, von Lilli Lehmann gesprochen.

R. Ph.: Ja.

H. L. : Wie wäre es, wenn Sie so ein paar Erinnerungen zum besten geben würden von den Großen, die Sie auf Ihrem Künstler­weg angetroffen haben?

R. Ph.: Ja Gott, da ließe sich sehr viel allerdings sagen. Ja Gott, da ließe sich, Gott, die Großen alle. Na, da wäre zum Beispiel, also nicht wahr, der unvergeßliche Albert Niemann, nicht wahr.

H. L. : Haben Sie mit dem viel zusammen gesungen?

R. Ph.: Zusammen gesungen mit ihm nicht. Nein. Aber ich bin viel mit ihm zusammen ... -, denn als ich an die Oper kam, ging gerade Niemann ab. Ja.
Aber mit Franz Betz ..., dem Altmeister Franz Betz, mit Krolop und mit Paul Bulss und mit Knüpfer und mit all die­sen Leuten allerdings war ich zusammen und habe oft und viel mit ihnen zu tun gehabt.

H. L. : Haben Sie nur mit ihnen kollegial verkehrt, oder haben Sie auch von ihnen gelernt, daß Sie sich gesagt haben: Das kannst du dir annehmen, das mußt du dir zum Vorbild ma­chen?


R. Ph.: Das waren ja die besten Vorbilder, die es überhaupt gab. Vor allen Dingen waren sie sehr korrekte Sänger, die Men­schen, sehr korrekt. Und es kam auf den ... auch auf den Stil des Gesanges hauptsächlich an. Und ich möchte mir kein Urteil erlauben, wenn ich, wenn ich vielleicht so an­deute damit: Heute vermiß' ich so manchen Stil. Es wird so ganz anders so gesungen, doch so wie früher. Ich möchte natürlicherweise ...eh... möchte ich aber doch ...eh... befürworten ...eh... noch bemerken: Wir haben heute hier an unserem Opernhause außerordentlich gute, gute Sänger.


Diese Platte, die mich oft an Loriot erinnert hat, hätte ich gerne einmal gehört, aber ich bin schon sehr froh, dass der Wortlaut übermittelt wurde. Leider kann man sich den Gesang der Lieder nicht so gut vorstellen...

Robert Philipp mit Emmy Destinn in "Louise" von Charpentier.
Emmy Destinn war von 1898 bis 1908 Mitglied der Berliner Hofoper.


Above you find some photos of Robert Philipp and his colleagues from the Berliner Hofoper, where Philipp sang between 1890 and 1930. He was born in 1852 and started as an actor and then operetta tenor. In 1890 he sang Don Jose in Carmen as a guest at the Berlin Court Opera and then sometimes main roles like Faust, Tonio and Wilhelm Meister and the Mozart tenor roles. The most time he was also a reliable singer for the smaller roles. He took part in the premiere of "Der Evangelimann" by Wilhelm Kienzl in 1895 but only in a smaller role (Zitterbart or Hans. I could not find it out), even if he later recorded some scenes of the main role Mathias. His voice was fine, lyric and mobile, but of no special quality regarding the timbre. I came upon this singer because of the many photos of him I have collected and became curious about his voice. At the SLUB (Sächsische Landes- und Universtätsbibliothek Dresden) I found some of his recordings. There are not many recordings of him, regarding to the lenght of his career, and most of them are scarce. He also took part in the first complete recording of "Die Fledermaus" by the Gramophone Company 1907 as Eisenstein and in the complete Bajazzo made by Odeon in 1909. He was married to Marie Dietrich (1865-1940), who sang also at the Hofoper.

As Philipp to me comes up as a man and singer without special qualities, and also even the photos seemed stiff and expressionless to me, I have searched for sources about him in contemporary music magazines. I found no article or a even a mention or reference to him, but I found (from a private German record collectors journal called "Stimmen, die um die Welt gingen" (Voices that went around the world)) the transcript of an interview made by the Reichsrundfunk (broadcast) in 1930 when he was 77 years old. He was still singing in the studio on that recording (Wanderlied by Schumann and Ungeduld by Schubert), and this must have been rather good. The following interview is full of unintenional comedy and reminds me of some dialogues by Loriot. They talk past each other or fail to make a statement that the listener would find interesting. The most interesting things in the interview were, that he said that he thinks he will die soon if he stops singing at the opera (What he actually did later the same year and he died 3 years later with 80), that the interviewer is still enthusiastic about the freshness of his voice and that Philipp always dreamt of singing Lohengrin but renounced to do so because it could have impaired the health of his voice (even if he tried Siegmunds "Winterstürme" for the record.)

The late Lied recordings are not here for listening, but 13 other titles are, and so you can get an impression of this enduring and seemingly indestructible singer.