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Sonntag, 4. Dezember 2016

Der Bariton Robert Burg (1890-1946)



Robert Burg als Escamillo in Carmen


Bei meiner Beschäftigung mit der Dresdener Oper habe ich mir eine Preiser-LP überspielt, die dem Sänger Robert Burg gewidmet ist. Diese möchte ich hier teilen. Robert Burg war im wesentlichen der Oper von Dresden treu, die in den 20er und frühen 30er Jahren wohl trotz der Berliner Opernhäuser das beste und ambitionierteste Opernhaus in Deutschland war. Dies wurde von den aufkommenden nationalsozialistischen Herrschern unterbrochen, die Dirigenten wie Fritz Busch vertrieben und die Berliner Staatsoper als repräsentative Oper des Nazi-Staates aufbauten. Robert Burg sang in den 20er Jahren einige Uraufführungen von heute weniger bekannten Opern (immerhin 1925 Hindemiths Cardillac), aber vor allem half er Opern wie Boris Godunoff von Mussorgsky und die damals in Deutschland seltener bis gar nicht gespielten Verdi-Opern wie Maskenball und Macht des Schicksals populär zu machen. Auch in Bayreuth sang er einige wichtige Rollen. Gemessen an seiner Bedeutung für die Opernbühne ist er auf Schallplatten unterrepräsentiert.

Auf der Rückseite der Preiser-LP schreibt Einhard Luther, dessen Artikel und Bücher ich immer wieder gerne lese, einen Artikel, der den Sänger würdigt. Seine etwas rauhe, kräftig-heldische Baritonstimme ist nicht jedermanns Geschmack, aber die Aufnahmen sind hörenswert. Zunächst noch der Artikel von Einhard Luther, dann die Tracklist von der Preiser-LP:


Die außerordentlich große Zahl stimmgewaltiger, interessanter und ausdrucksstarker Baritonsänger in der Zeit zwischen den beiden Welt­kriegen hat dazu geführt, daß manche dieser Künstler heute kaum mehr dem Namen nach bekannt sind; einige sind durch Mitwirkungen bei Festspielen in Bayreuth und Salzburg in Partien berühmt geworden, die sie fast nebenbei nur als einen kleinen Teil ihres Repertoires be­trachtet haben. Viele sind kaum auf Schallplatten erhalten. Wer entsinnt sich heute noch an den Heldenbariton Max Roth, an den um 1930 gefeierten Walter Großmann oder an Wilhelm Faßbinder, den lang­jährigen Wotan und Hans Sachs der Stuttgarter Oper? An der Dresdener Staatsoper war von 1916 bis 1945 Robert Burg der erste Heldenbariton. Mit Friedrich Plaschke und später mit Josef Herr­mann vertrat er das Repertoire des deutschen dramatischen Bariton­faches, war außerdem als italienischer Charakterbariton überaus populär und wirkte an vielen Ur- und Erstaufführungen mit. Die von ihm erhaltenen Schallplatten geben die Vielseitigkeit und Ausdruckskraft dieses Sängers nur zu einem verschwindend geringen Teil wieder. Sein eigentlicher Name war Robert Bartl. Am 29. März 1890 wurde er in Prag geboren. Zunächst studierte er Mathematik und nahm bei Hans Pokorny nur nebenbei Gesangunterricht. Seine Ausbildung an der Technischen Hochschule von Prag schloß er mit dem Staatsexamen ab, debütierte aber schon mit 24 Jahren am Stadttheater von Aussig als Valentin in Gounods „Margarethe". Kurze Zeit war er als Anfänger am Deutschen Theater von Prag und am Stadttheater von Augsburg en­gagiert, ehe er 1916 an die Dresdener Hofoper verpflichtet wurde. Seine Fachbezeichnung im Dresdener Ensemble lautete zunächst „Lyri­scher Bariton", obwohl sein Repertoire im Künstleralmanach 1920 folgen­de Partien nennt: Luna, Rene, Germont, Amonasro, Rigoletto.Nelusco, Escamillo, Mirakel, Sebastiane, Jochanaan,Scarpia, Wolfram, Amfortas, Günther, Wanderer etc. Berlin, München, Budapest, Düsseldorf und Prag waren die ersten Stationen seiner Gastspielverpflichtungen. Berühmt würde Robert Burg zu Beginn der zwanziger Jahre durch die von Dresden ausgehende Verdi-Renaissance. Mit Meta Seinemeyer und Tino Pattiera bildete er das klassische Sopran-Tenor-Bariton-Team derberühmten Musteraufführungen, mit denen Fritz Busch das Schaffen Giuseppe Verdis für Deutschland neu entdeckte. Burg war der erste Cardillac in der Uraufführung des Werkes 1926. In dieser Zeit war er schon in das Fach des Heldenbariton hineingewachsen; als Wotan und Hans Sachs hatte er erfolgreiche Gastspiele auch im Ausland zu verzeichnen.1933 wurde er zum ersten Mal nach Bayreuth berufen. In den fol­genden zehn Jahren stellte er dort das Charakterfach dar; Kothner und Klingsor, vor allem aber Alberich machten ihn berühmt. So bedeutungsvoll diese Verpflichtung auch war, sie wirkte sich für Robert Burg doch in gewisser Weise negativ aus: In dieser Zeit tra­ten seine Erfolgspartien des Heldenfaches international in den Hintergrund, weil man den dämonischen Alberich der Bayreuther Festspiele dem Dresdener Hans Sachs und Wotan vorzog. Der große Dirigent Karl Elmendorff sagte 1938 vor dem „Rheingold": „Es ist eigentlich schade, jetzt höre ich fünf der besten Wotandarsteller meiner ganzen Dirigententätigkeit in einer Vorstellung; aber einer kann natürlich nur den Wotan singen: Rudolf Bockelmann, Jaro Prohaska, Ludwig Hofmann, Josef von Manowarda und Robert Burg!" Mitte der dreißiger Jahre verlegte sich Burg dann mehr und mehr auf das Charakterfach. Seine letzten Gastspiele als Hans Sachs und Colonna in „Rienzi" erlebte 1935 die Zoppoter Waldoper. Der Dresdener Staatsoper blieb Burg buchstäblich bis zu seinem Tode treu: Während eines Konzertes erlitt er am 9. Februar 1946 in Dresden einen Herzschlag; er war 56 Jahre alt.Eine Reihe interessanter Schallplatten haben seine Stimme erhalten. Sein vielseitiges Repertoire ist darauf nur zu einem geringen Teil erfasst; sein berühmter Hans Sachs, sein legendärer Alberich sind akustisch nicht festgehalten worden. Die intensive Ausstrahlung seiner dramatischen Begabung, die Ausdruckskraft seines dunkel-timbrierten, umfangreichen und durchschlagskräftigen Baritons sind von zwingender Überzeugungsgewalt auch in der begrenzten Form der akustischen Aufnahme.

Einhard Luther








DOWNLOAD MP3 256 KB/s




Robert Burg at Bayreuth 1941


Burg, Robert, Bariton, * 29.3.1890 Prag, † 9.2.1946 Radebeul bei Dresden; eigentlich Robert Bartl. Nach anfänglichem Mathematikstudium Ausbildung durch Hans Pokorny in Prag. Debüt 1914 am Theater von Aussig (Ustí nad Labem) als Valentin im »Faust« von Gounod. 1915-16 sang er am Deutschen Theater in Prag und gastierte am Stadttheater Augsburg. Seit 1916 Mitglied der Hofoper (seit 1918 Staatsoper) von Dresden, der er bis 1944 angehörte. Als Antrittsrolle sang er an diesem Haus den Kothner in den »Meistersingern«. Zusammen mit Künstlern wie Tino Pattiera und Meta Seinemeyer war er wesentlich an der Verdi- Renaissance der zwanziger Jahre in Deutschland beteiligt. Sein Auftreten als Boris Godunow von Mussorgsky 1923 an der Dresdner Oper bedeutete für dieses Werk in Deutschland den endgültigen Durchbruch zum Erfolg. Am 14.1.1918 sang er in Dresden in der Uraufführung der Oper »Der Eroberer« von Jan Brandts-Buys, am 9.9.1926 in der von Hindemiths »Cardillac« die Titelrolle, am 21.5.1925 die Titelpartie in der Uraufführung von Ferruccio Busonis »Doktor Faust« 1930 wirkte er in Dresden in der Uraufführung von Mark Lothars Oper »Lord Spleen« mit. 1933-42 sang er bei den Festspielen von Bayreuth den Alberich im Ring-Zyklus, auch 1934-39 den Klingsor im »Parsifal« und 1933 den Kothner in den »Meistersingern«. 1935 erschien er bei den Festspielen von Zoppot als Hans Sachs in den »Meistersingern« und als Colonna in Wagners »Rienzi«, 1924 und 1928 war er an der Staatsoper von Wien, 1924 und 1931 an der Städtischen Oper Berlin zu Gast. Er gastierte auch in Zürich, München, Amsterdam und Budapest. Seine großen Bühnenpartien waren der Thoas in »Iphigenie auf Tauris« von Gluck, der Fliegende Holländer, der Francesco in »Mona Lisa« von M. von Schillings, der Marc Arron in E. d'Alberts »Revolutionshochzeit«, der Titelheld in »Don Juans letztes Abenteuer« von P. Graener, der Geisterbote in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, die Titelrolle in »Maschinist Hopkins« von M. Brand, der Alexios in »Sonneflammen« von Siegfried Wagner, der Posa in Verdis »Don Carlos«, der Graf Luna im »Troubadour«, der Lescaut in »Manon« von Massenet, der Gremin im »Eugen Onegin«, an erster Stelle aber sein Boris Godunow. Robert Burg erlitt in Dresden während eines Konzerts einen Herzschlag.

Aufnahmen auf Parlophon, Odeon, Polyphon und Homochord.

[Lexikon: Burg, Robert. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 3362 (vgl. Sängerlex. Bd. 1, S. 502 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Robert Burg as Kothner, Bayreuth 1933


Above you find the transfer of a Preiser Lebendige Vergangenheit-LP of the Bariton Robert Burg. He was mainly Dresden based and was member of the Dresden Opera House from 1916 to 1944. Burg is mainly known today for his part in the Verdi renaissance in the late 20s and early 30s. He also sang at Bayreuth from 1933-1942 (Alberich, Klingsor and Kothner). His Heldenbariton has a coarse, not very attraktive timbre and (in the earlier recordigs) no fine piano quality, but his recordings are remarkable for his seriousness and sincerity and dramatical expressive power. He also suceeded at the Charakterfach. His recorded legacy is rather small for his importance for the Dresden Opera. His Lied recordings remind me because of the timbre and vocal style to Hans Duhan's recordings. In the Preiser recital the best sides are the Boris Godunoff recordings, Wotan's Abschied and even the played to death Torerolied. His Wolfram seems weak to me, but one must remember, that he was just 30 years when he recorded these sides.
Robert Burg died at the age of 56 during a concert on the stage 70 years ago in February 1946.









Mittwoch, 5. Oktober 2016

Hermann Schey singt Lieder von Schubert (Clangor 1932)



Hermann Schey auf Clangor

Clangor bzw. "Schallplatten-Volksverband" war eine preiswerte Schallplattenmarke, die nur per Post vertrieben wurde. Es funktionierte ähnlich wie ein Buchclub: Mitglieder durften bzw. mussten drei Platten im Quartal kaufen, die dafür preiswerter als viele andere Schallplatten waren. Wenn man sechs Platten bestellte, bekam man eine gratis, ebenso wenn man neue Mitglieder warb. Die Firma existierte nach meinem Wissen von 1929 bis 1942 in Berlin. Teilweise übernahm die Clangor Aufnahmen von anderen Firmen wie Telefunken. Die meisten Aufnahmen aber waren selbst produziert. Unter Sammlern ist sie für gute Tanzmusik-Aufnahmen bekannt. Aber auch im Bereich der Klassik hatte sie einiges zu bieten. Eine der besten Serien war eine Reihe mit Aufnahmen von Schubert-Liedern aus der Schönen Müllerin oder der Winterreise mit dem Bariton Hermann Schey. Ich habe sie hier zusammengestellt und hoffe, dass es alle sind, die erschienen sind. Die Seitennummern entsprechen den Matritzennummern, und es gibt keine Lücke, so dass hier vermutlich alle Aufnahmen erfasst sind. Eine Seite habe ich aus der SLUB Dresden heruntergeladen, da ich sie nicht anders hatte. Der Titel Nr. 5 ist deshalb nur als MP3-Datei mit 160 kB/s verfügbar, die anderen sind mit 256 kB/S übertragen.



Hermann Schey singt Lieder von Schubert   (Clangor 1932)
Klavierbegleiter: Michael Taube

Die schöne Müllerin

    1. Wohin?                                                                Clangor M 9177
    2. Halt!                                                                     Clangor M 9178
    3. Der Neugierige                                                    Clangor MD 9180
    4. Tränenregen / Eifersucht und Stolz                Clangor MD 9179

Winterreise

    5. Gute Nacht                                                          Clangor MD 9175
    6. Der Lindenbaum                                                 Clangor MD 9176
    7. Frühlingstraum                                                    Clangor MD 9181
    8. Die Krähe                                                             Clangor M 9183
    9. Der Wegweiser                                                    Clangor MD 9182
  10. Der Leiermann                                                   Clangor M 9184



(M = 25 cm, MD = 30 cm)

DOWNLOAD MP3






Das Sängerlexikon gibt ihn als Bass an, während Bass-Bariton als Stimmbezeichnung sicher passender wäre. Auch die Aufnahmen bei Clangor werden nicht erwähnt.


Schey, Hermann, Baß, * 8.11.1895 Bunzlau (Schlesien), † 21.8.1981 Uerikon bei Zürich; seine Stimme wurde 1913-15 bei Henry von Dulong in Berlin ausgebildet. 1915 wurde er als Soldat eingezogen und konnte das Gesangstudium erst nach Kriegsschluß zu Ende führen. Seit 1922 betätigte er sich von Berlin aus als Konzert- und Oratoriensänger. Man bewunderte namentlich seine Kunst der Bach-Interpretation. Konzert-Tourneen brachten ihm in den europäischen Musikzentren große Erfolge. 1929 sang er in Amsterdam zusammen mit dem Concertgebouw Orchest unter Willem Mengelberg die »Kindertotenlieder« von Gustav Mahler und hinterließ dabei einen so nachhaltigen Eindruck, daß er seitdem alljährlich in Holland auftrat, vor allem in den denkwürdigen Aufführungen der Matthäuspassion von J.S. Bach unter Mengelberg. 1930 unternahm er eine große Tournee durch Polen, Rußland und die Balkanstaaten, 1932 gab er Konzerte in Paris, 1933 in Zürich. Er kreierte mehrere Lieder des Schweizer Komponisten Othmar Schoeck und sang 1930 in Berlin das Baß-Solo in der Uraufführung der Kantate »Das dunkle Reich« von Hans Pfitzne. 1934 emigrierte er als Jude nach Holland und wurde 1936 Professor am Konservatorium von Amsterdam, setzte aber seine erfolgreiche Konzerttätigkeit fort. Als Holland 1940 durch die deutschen Truppen besetzt wurde, mußte er sich bis zum Ende des Krieges im Untergrund versteckt halten. Dann nahm er seine Karriere wieder auf und wirkte beim Holland Festival und bei weiteren internationalen Festspielveranstaltungen mit. Konzertreisen führten ihn nach Deutschland, England, Österreich und in die Schweiz. 1968 bereiste er in einer triumphalen Tournee Israel. Dazu betätigte er sich weiter als Gesangslehrer. Er verbrachte seinen Lebensabend in der Schweiz.

Schallplatten: Frühe akustische Aufnahmen auf Odeon; auch Aufnahmen auf den Marken DGG, Christschall, Tri-Ergon, MMS und Concert Hall (Magnificat von J.S. Bach).

[Nachtrag] Schey, Hermann; 1933-35 trat er in Berlin in Liederabenden auf, die der Jüdische Kulturbund veranstaltete. - Schallplatten: Archiphon (Verdi-Requiem, Amsterdam 1937).

[Lexikon: Schey, Hermann. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 21643 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 3096 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]



Hier noch ein Foto mit Autogramm - leider mit Wasserzeichen eines Händlers

Here I present 10 sides with exerpts from "Die Schöne Müllerin" and "Winterreise" recorded by Clangor in 1932. Clangor was a record company which sold their records by post similar to a book club. You could only buy them as a member of the "Schallplatten Volksverband" (= People's record assoziation) and then you had to buy three records in between three months. The records were relatively cheap, and the company made many fine recordings (also technically very good sounding), but also bought recordings from Telefunken and maybe some other small companies. In the classical sector there are singers like Ludwig Hofmann, Harold Freiherr von Oppenheim (an interesting tenor), Hendrik Appels, Margarete Klose (with early Lied recordings) and other singers which were in the "second row" in Berlin around 1930, but are fine, too. A few other names are Louis van de Sande, Elisabeth Ristow, Carl Jöken, Karl Friedrich (tenor), Eugen Fuchs (basso), Rudolph Galena etc.

The ten sides by Hermann Schey are, as I think, his complete recorded output of the Schubert cycles for Clangor. I always thought that he was a Dutch singer, but now I found out that actually he was born in Silesia and trained in Berlin by Henry von Dulong. His musical education was interrupted by the First World War, and in 1922 he made his debut as a concert singer. In Holland he successfully worked with Willem Mengelberg and got very popular there. In 1936 he became professor at the Amsterdam conervatory. I don't know if he was Jewish, but I think so as the Sängerlexikon mentions that he did hide for five years when the Germans occuppied Holland in 1940. After the Second World War he continiued his career as an oratorio singer and still made some LP recordings, which I do not know (but really would like to hear - if you have them, please tell me...)

In 1932 he was a fine baritone. Later he moved more to the basso repertoire. I always enjoy seriously meant recordings of or from the the Schubert Lied cycles, and these recordings are very enjoyable - comparable to Hans Duhan or Ernst Wolff. The tracks of the playlist above are in 256 kB/s MP3 exept track 5, which I downloaded from the SLUB in Dresden and so it is, as all their offered recordings, only in 160 kB/s MP3.






(Some informations about Clangor in English)

PS. 11.X.16: As I have heard, there are at least two other sides from the Schubert session. I will add them later, when I get them from a friend.

Freitag, 2. September 2016

Der Tenor Robert Philipp (1852-1933)

Robert Philipp


Obwohl Robert Philipp (mit einem L und zwei P!) von 1890 bis 1930 an der Berliner Hofoper und dann Staatsoper sang, ist er dem heutigen Sammler nicht als herausragender Sänger in Erinnerung geblieben. Seine Tenorstimme war ein eher leichter Tenor, der seine besten Leistungen als Fra Diavolo, in Lortzings Opern und in Operetten erzielte. Unvergessen für die Geschichte der Oper ist er dadurch, dass er 1895 in der Uraufführung des Oper "Der Evangelimann" von Wilhelm Kienzl mitwirkte, die im wilhelminischen Deutschland sehr populär wurde und allein an der Hofoper in Berlin bis 1908 über 100 Aufführungen erlebte. Allerdings war für mich nicht herauszufinden, in welcher Rolle er in dieser Uraufführung sang. Die tenorale Hauptrolle des Matthias wurde von Eloi Sylva (1843-1919), einem belgischen Tenor, der keine Schallplatten hinterlassen hat, gesungen. Für Philipp blieben also bestenfalls die Rollen des Xaver Zitterbart (eine Tenorbuffo-Partie) und die kleine Partie des Hans, eines Bauernburschen übrig. Ich würde vermuten, dass er diese Rolle gesungen hat, weil er das Spottlied des Hans, die einzige Arie dieser Rolle, auch auf Schallplatte aufnahm. Die Arie des Matthias "Selig sind, die Verfolgung leiden", nahm er später, wie die meisten Tenöre seiner Generation, ebenfalls auf.











Schallplattenaufnahmen gibt es von ihm, in Anbetracht der langen Karriere, nur sehr wenige Sie sind nicht schlecht, aber auch nicht begeisternd. Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Sänger hauptsächlich beschäftigt habe, weil ich mich für die Zeit der Berliner Hofoper vor dem ersten Weltkrieg sehr interessiere und sich bei mir viele Ansichtskarten mit Bildern von Robert Philipp angesammelt haben. Sie zeigen ihn in seinen erfolgreichen Rollen und manchmal mit berühmten Kollegen. Das machte mich neugierig auf Robert Philipp. Ich kann nun nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, aber ich würde sagen, dass die Aufnahmen seine Wichtigkeit für die Berliner Oper nicht wiederspiegeln. Diese liegt wohl zum einen daran, dass er sehr lange dort gesungen hat und dann auch vielseitig einsetzbar war. Sein Timbre ist nicht sehr charakteristisch, Trotzdem wird er seine Bewunderer gehabt haben, wie die Menge der Ansichtskartenmotive zeigt. Später war er dann Spezialist für Nebenrollen. Ich möchte hier die Bilder zeigen und ein paar Aufnahmen von ihm vorstellen.


Robert Philipp als Fra Diavolo

Philipp, Robert, Tenor, * 21.11.1852 Offenbach a.M., † 12.8.1933 Berlin; er war zuerst Schauspieler und war als solcher seit 1870 am Walhalla-Theater, seit 1877 am Belle-Alliance-Theater in Berlin engagiert. Er wurde dann Operettentenor und trat 1883-83 am Wallner-Theater, 1884-87 wieder am Walhalla Theater Berlin auf. Bereits 1882 nahm er an einer Rußland-Tournee der Hasse-Operettengesellschaft teil. Er trat in dem Jahrzehnt 1880-90 auch am Berliner Friedrich-Wilhelm-Theater auf. Der Intendant der Berliner Hofoper Graf Hochberg veranlaßte ihn jedoch, sich dem Operngesang zuzuwenden. 1890 sang er aushilfsweise an der Berliner Hofoper den José in »Carmen« darauf wurde er Mitglied dieses Opernhauses. Vierzig Jahre hindurch ist er an der Hofoper (der späteren Staatsoper) Berlin geblieben; er erlangte als lyrischer Tenor in Berlin größte Beliebtheit und sang Partien wie den José in »Carmen«, den Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, den Faust von Gounod, den Tamino in der »Zauberflöte«, den Don Ottavio im »Don Giovanni« und den Fra Diavolo in der gleichnamigen Oper von Auber. Er übernahm dann aber auch Partien aus dem Buffo- wie dem Charakterfach. Er sang an der Berliner Hofoper am 9.6.1894 in der Uraufführung der Oper »Angla« von F. Hummel, am 4.5.1895 in der Uraufführung der Oper »Der Evangelimann« von Wilhelm Kienzl, am 18.11.1898 in »Don Quixote«, am 28.1.1902 in »Heilmar, der Narr«, ebenfalls Opern von W. Kienzl, am 10.4.1900 in »Die Beichte«, wieder einem Werk von Ferdinand Hummel, am 27.3.1897 in »Enoch Arden« von Victor Hansmann, am 18.4.1899 in »Mudarra« von F. Le Borne, am 15.12.1904 in der (wenig erfolgreichen) Uraufführung von Leoncavallos »Der Roland von Berlin«, am 14.4.1905 in »Die Heirat wider Willen« von E. Humperdinck. Er gab Gastspiele an den Hoftheatern von Dresden (1900, 1903), Wiesbaden (1899), Weimar (1906), Schwerin (1897) und München (1916), an der Oper von Frankfurt a.M. (1902) und am Theater des Westens Berlin (1899, 1902). 1893 sang er am Hoftheater von Gotha in der Uraufführung der Oper »Die Rose von Pontevedra« von Josef Foerster. Er gastierte u.a. auch in St. Petersburg und Moskau, doch hatte er seine größten Erfolge in der deutschen Hauptstadt. Er war zeitweilig verheiratet mit der Sopranistin Marie Dietrich (1865-1940) die gleichfalls Mitglied der Berliner Hofoper war. Bis 1930 ist Robert Philipp an der Berliner Oper aufgetreten, zuletzt nur noch in kleineren Rollen. Er betätigte sich in Berlin auch als Pädagoge.

Seine lyrische Tenorstimme ist durch Schallplatten der Marken G & T (Berlin, 1904), Beka (Berlin, 1904), Lyrophon (Berlin, um 1908), Favorit (Berlin, 1904), Odeon (Berlin, 1905), Columbia (Berlin, 1904), Anker und HMV erhalten; auch Edison-Zylinder. Sang auf G & T in vollständiger »Fledermaus«- Aufnahme (1907).
[Lexikon: Philipp, Robert. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 19093 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2728 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]





Robert Philipp mit Rudolf Berger in "Der schwarze Domino" (Auber)

Robert Philipp mit Emmy Destinn in "Die Heirat wider Willen" (Humperdinck)
Diese Oper von Humperdinck wurde im April 1905, einen Monat vor dem Evangelimann, uraufgeführt. Auch hier war Philipp beteiligt, ebenso wie Rudolf Berger und Emmy Destinn. Es folgen nun vier Karten nach dem Motto: "Gleiche Pose, andere Rolle".

Robert Philipp als Tonio in "Die Regimentstochter" (Donizetti)

Robert Philipp in "Zar und Zimmermann" (Lortzing)
Robert Philipp in der "Zauberflöte"

Robert Philipp in der Oper "Das Heimchen am Herd" (Goldmark)

Zu den Aufnahmen

Die Aufnahmen meiner Playlist stammen alle aus der Sächsischen Landes- und Universitätbibliothek Dresden. In meiner Sammlung hatte ich keine einzige Platte von Philipp...
Seine Diskographie ist recht schmal, die meisten Titel sind selten. Am ehesten begegnet er dem Sammler als Eisenstein in der ersten kompletten Aufnahme der "Fledermaus" der Gramophone von 1907 sowie als Beppe in der Gesamtaufnahme des "Bajazzo" der Odeon von 1909. Ich hoffe, dass ich die beiden Gesamtaufnahmen eines Tages hier im Blog veröffentlichen kann.

Die Aufnahmen der Playlist geben einen guten Querschnitt durch sein Repertoire und seine Bandbreite.


Robert Philipp (1852-1933)

   1. Evangelimann: Selig sind, die Verfolgung leiden (Odeon 34505, Bx 967, 1905)

  2. Auftritt der Martha und des Mathias aus "Evangelimann" : Salve Regina / (Kienzl)    
            +Marie DIETRICH (Gram 044065, 187 s)

  3. Scene der Magdalena und des Mathias aus "Evangelimann" : Habt Dank auch / (Kienzl)
            + Ida von SCHEELE-MÜLLER (Gram. 044066, 188 s)

  4. Spottlied des Hans aus "Evangelimann": O Zitterbart, o Zitterbart (Kienzl)
            Zonophone X-22085, 12088 h

  5. Freischütz: Durch die Wälder, durch die Auen
            Odeon 34509, Bx 971

  6. Cantilene aus Carmen (Blumenarie) (Odeon 34506, Bx 968)

  7. Carmen: Hier an dem Herzen (Lyrophon 14186)

  8. Fliegender Holländer: Mit Gewitter und Sturm (Lyrophon 14196)

  9. Walküre: Winterstürme wichen dem Wonnemond (Odeon 34575, Bx 1082)

10. War einst ein junger Springinsfeld : aus "Waffenschmied" (Lortzing)
            Gramo 3-42796, 2905 r, 1907

11. Man wird ja einmal nur geboren : aus "Waffenschmied" (Lortzing))
            Gramo 3-42797, 2906 r, 1907

12. Lied des Marquis aus "Czar und Zimmermann": Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen          (Lortzing) Zonophone X-22684, 12087 u, 1907

13. Bajazzo Teil 18: Die Komödie der Columbine +Marie DIETRICH, Otto MARAK
            Odeon 76047, xxB 4589, IX. 1909


 DOWNLOAD MP3 Mediafire




Robert Philipp, Pressefoto von ca. 1919



Ich habe zwei Wochen in alten Musikzeitschriften zwischen 1899 und 1922 nach Informationen über Robert Philipp gesucht und bin nicht fündig geworden. Auch da bleibt er ein Sänger ohne Eigenschaften...

In einer 30 Jahre alten privaten Sammlerzeitschrift (STIMMEN, DIE UM DIE WELT GINGEN Nr. 9, 1985) fand ich aber ein Transkript eines Interviews mit ihm. Es stammt vom 04.III.1930 aus der Rundfunksendung "Funkstunde" und ist ausschnittweise festgehalten auf den beiden einseitigen 30cm-Platten RRG 436 und 437. Der Verfasser Hans Lahme bemerkt zurecht:

"Die Technik der Führung eines Interviews steckte damals wohl noch in den Kinderschuhen. Im Vergleich zur heutigen Perfektion  muss man aber den Mut des Sprechers bewundern, sich auf eine Live-Reportage offensichtlich ohne Absprache  und ohne Manuskript einzulassen. Im Protokoll wird versucht, die Stimmung der Aufnahme einzufangen, es ist nichts gestrafft oder geschönt. Wie aus den Lebensdaten her­vorgeht, war Philipp zur Zeit des Interviews 77 Jahre alt."

Aus dem teils chaotischen, teils nichtssagenden Gespräch geht hervor, dass er immer noch an der Oper aktiv war und ihm dies sehr wichtig für seinen Lebenssinn war, und dass seine Stimme in dem Alter noch weitgehend intakt war. Dies lag auch daran, dass er auf Partien wie den Lohengrin verzichtet hat. Ich gebe hier den Text der beiden Plattenseiten wieder, wie Hans Lahme ihn 1985 übermittelt hat.

Interview:   Kammersänger Robert  Philipp                              
H. Lenz      4.III.1930
Kapellmeister (Klavier) unbekannt

RRG 436

Gesang und Klavier: Wanderlied ( Komponist: Robert Schumann,
Worte: J. Kerner) ausklingend zum Schluß:
Ade nun ihr Berge, du väterlich Haus!
Es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus,
es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus.

Dreimal Beifallklatschen des Interviewers H. Lenz.

H. Lenz: Das war ja herrlich, Herr Kammersänger. Ich kann mir vor­stellen, daß alle Hörer jetzt in hellen Beifallsjubel aus... eh ... ausbringen wollen, die ru... und rufen: Da capo, da capo, noch ein Lied. Es ist unbedingt nötig, daß Sie noch etwas zum besten geben. Mit einem Gesang kommen Sie nicht davon. Wie wäre es noch mit einem klei­nen Liedchen? Na, sagen wir Schubert vielleicht. ... Sie werden doch irgendwie noch etwas gern singen ... möchten?

R. Philipp: Schubert ... gern zugeben für Sie, wenn es Ihnen an­genehm ist? '

H. L. : Aber sicherlich. Nicht mir, sondern allen den Hörern. Die werden sich freuen, noch ein Lied zu hören. Vielleicht. Bitte, Herr Kammersänger! ... Herr Kapellmeister!

Gesang und Klavier: Ungeduld (Komponist: Franz Schubert, Worte: W. Müller)

H. L. : Das war ja wunderbar. Da kann man nur sagen, Sie haben Ihre Zuhörer bezaubert. Aber wie ist es möglich, daß man bei diesem Alter noch diese Frische der Stimme hat, daß man nichts an der Routine verloren, noch ohne jede . .. ohne jedes Hindernis singt, wie ein Jüngling. Vielleicht erzählen Sie uus etwas über Ihre Gesangstechnik?

R. Ph.: Ach Gott, da laßt sich sehr viel sagen. Da möcht' ich ... mir ... he ... da möcht'ich doch nicht die ... gewisser­maßen ... eh ... irgendwie ... also ... ein wirklich ab­schließendes Urteil bilden ... Es ... Ich fühle mich nicht berufen dazu, muß ich ganz ehrlich gestehen.

H. L. : Ja, ich meine ... schlie... eh ... glauben Sie, daß Ihre Gesangstechnik nur auf eine Begabung oder nur auf Talent zurückzuführen ist? Oder gehört dazu auch tägliches üben, Immer wieder von neuem studieren, immer wieder sich be­mühen?

R. Ph.: Ach ja nun, das ist doch wohl selbstverständlich, nicht wahr. Ich meine, ... daß die ... daß ich die Stimme habe, das ist Gottes Gabe, das ist 'ne Begabung. Natürlich. Aber die muß auch natürlich durch Fleiß und Studium also auch gewissermaßen ausgemerzt (?) werden auch ... eh ... auch gefördert werden. Das versteht sich.


RRG 437

R.Ph,: Ich könnte auch ohne Arbeit gar nicht existieren. Ich glaube, wenn ich heute vom Theater abging, oder wenn ich heute nicht mehr singen könnte, ich glaube, ich würde ... sterben,

H. L. : Sind Sie bei diesen Proben zu Haus Ihr eigener Lehrmeister und Ihr eigener Kritiker?

R. Ph.: Das versteht sich. Gott sei Dank. Ja. Ich bin an mir der strengste Kritiker sogar. Es gibt keinen strengeren..

H. L. : Üben Sie es, wenn Sie einen Fehler bemerken, oder das Ge­fühl haben, daß es noch nicht ganz klappt, immer wieder, bis es klappt? Ich meine, am nächsten Tage?

R. Ph.: Aber selbstverständlich. Oh, selbstverständlich. Zum Bei­spiel seinerzeit, als ich den, den ... eh ... Faust hier im Opernhaus zum erstenmal sang ...

H. L. : Wann war das ungefähr?

R. Ph.: Na, das ist also ungefähr her, das sind ...eh... 15, das sind 15 Jahre her, da sang ich noch den Faust in Margarethe,

H. L. : Ja, ja ich weiß.

R. Ph.: Und diese Kavatine, die bekannte Kavatine ...

H. L. : Ja?
R. Ph. : ...die hab' ich wohl, ich möchte beinah sagen ... wohl ... stü... eh ... wohl täglich, täglich und täglich, täglich immer wiederholt, bis sie mir so in der, in der ... in der, in der Stimme lag, daß nichts mehr passieren konnte.

H. L. : Also, das Geheimnis, eine solche Stimme zu behalten und eine solche Stimme auch in ihrem Wert zu erhalten, liegt wohl darin, daß man immer wieder daran arbeitet, daß sie nicht zugrunde geht, daß auch nichts abfällt von dieser Stimme?

R. Ph.: Das versteht sich von selbst, denn ich möchte sagen, so­bald man also ruht und rastet, dann rostet natürlich die Stimme, das ist doch wohl ... das ist doch wohl ganz be­stimmt ... anzunehmen, meine ich.

H. L. : Ja.. Wenn Sie nun proben, welche Rollen oder überhaupt Lie­der ... suchen Sie sich das aus oder ...

R. Ph.: Ja, ja, ja, ja Gott.

H. L. : Haben Sie Ihre bestimmten Steckenpferde dabei?

R. Ph.: Ach Gott, ja Gott. Ich singe fast immer ... weil ich ohne Gesang gar nicht existieren kann. Ich singe alles natür­licherweise ... Allerdings im ... als Opernsänger habe ich mich allerdings gehütet, ...eh...eh... Opernpartien zu singen, die mir nicht ...eh... zukamen, die mir nicht lagen. Das war, glaube ich ...eh... hat man mir gesagt, das soll ganz klug gewesen sein von mir. Zum Beispiel ich wollte so furchtbar gerne mal den Lohengrin singen.

H. L. : Ja?

R. Ph.: Da hat man mir gesagt: Ach Gott, lieber Philipp, es gibt so viele Lohengrins, aber es gibt keinen, keinen Wilhelm Meister oder es gibt keinen guten ...eh... in Regiments­tochter, einen Tonio, oder, oder einen guten Fra Diavolo und so. Das ...eh... d... d...das habe ich sehr häufig hören ...eh... hören müssen. Aber der Lohengrin stak mir gewissermaßen doch so furchtbar in den Gliedern. Ich se... ich ... ich ... ich... ich... ich... interessierte mich sehr dafür. Das können Sie sich ja denken, weil es schön zu singen ist.

H. L. : Wir haben vorhin, Herr Kammersänger, von Lilli Lehmann gesprochen.

R. Ph.: Ja.

H. L. : Wie wäre es, wenn Sie so ein paar Erinnerungen zum besten geben würden von den Großen, die Sie auf Ihrem Künstler­weg angetroffen haben?

R. Ph.: Ja Gott, da ließe sich sehr viel allerdings sagen. Ja Gott, da ließe sich, Gott, die Großen alle. Na, da wäre zum Beispiel, also nicht wahr, der unvergeßliche Albert Niemann, nicht wahr.

H. L. : Haben Sie mit dem viel zusammen gesungen?

R. Ph.: Zusammen gesungen mit ihm nicht. Nein. Aber ich bin viel mit ihm zusammen ... -, denn als ich an die Oper kam, ging gerade Niemann ab. Ja.
Aber mit Franz Betz ..., dem Altmeister Franz Betz, mit Krolop und mit Paul Bulss und mit Knüpfer und mit all die­sen Leuten allerdings war ich zusammen und habe oft und viel mit ihnen zu tun gehabt.

H. L. : Haben Sie nur mit ihnen kollegial verkehrt, oder haben Sie auch von ihnen gelernt, daß Sie sich gesagt haben: Das kannst du dir annehmen, das mußt du dir zum Vorbild ma­chen?


R. Ph.: Das waren ja die besten Vorbilder, die es überhaupt gab. Vor allen Dingen waren sie sehr korrekte Sänger, die Men­schen, sehr korrekt. Und es kam auf den ... auch auf den Stil des Gesanges hauptsächlich an. Und ich möchte mir kein Urteil erlauben, wenn ich, wenn ich vielleicht so an­deute damit: Heute vermiß' ich so manchen Stil. Es wird so ganz anders so gesungen, doch so wie früher. Ich möchte natürlicherweise ...eh... möchte ich aber doch ...eh... befürworten ...eh... noch bemerken: Wir haben heute hier an unserem Opernhause außerordentlich gute, gute Sänger.


Diese Platte, die mich oft an Loriot erinnert hat, hätte ich gerne einmal gehört, aber ich bin schon sehr froh, dass der Wortlaut übermittelt wurde. Leider kann man sich den Gesang der Lieder nicht so gut vorstellen...

Robert Philipp mit Emmy Destinn in "Louise" von Charpentier.
Emmy Destinn war von 1898 bis 1908 Mitglied der Berliner Hofoper.


Above you find some photos of Robert Philipp and his colleagues from the Berliner Hofoper, where Philipp sang between 1890 and 1930. He was born in 1852 and started as an actor and then operetta tenor. In 1890 he sang Don Jose in Carmen as a guest at the Berlin Court Opera and then sometimes main roles like Faust, Tonio and Wilhelm Meister and the Mozart tenor roles. The most time he was also a reliable singer for the smaller roles. He took part in the premiere of "Der Evangelimann" by Wilhelm Kienzl in 1895 but only in a smaller role (Zitterbart or Hans. I could not find it out), even if he later recorded some scenes of the main role Mathias. His voice was fine, lyric and mobile, but of no special quality regarding the timbre. I came upon this singer because of the many photos of him I have collected and became curious about his voice. At the SLUB (Sächsische Landes- und Universtätsbibliothek Dresden) I found some of his recordings. There are not many recordings of him, regarding to the lenght of his career, and most of them are scarce. He also took part in the first complete recording of "Die Fledermaus" by the Gramophone Company 1907 as Eisenstein and in the complete Bajazzo made by Odeon in 1909. He was married to Marie Dietrich (1865-1940), who sang also at the Hofoper.

As Philipp to me comes up as a man and singer without special qualities, and also even the photos seemed stiff and expressionless to me, I have searched for sources about him in contemporary music magazines. I found no article or a even a mention or reference to him, but I found (from a private German record collectors journal called "Stimmen, die um die Welt gingen" (Voices that went around the world)) the transcript of an interview made by the Reichsrundfunk (broadcast) in 1930 when he was 77 years old. He was still singing in the studio on that recording (Wanderlied by Schumann and Ungeduld by Schubert), and this must have been rather good. The following interview is full of unintenional comedy and reminds me of some dialogues by Loriot. They talk past each other or fail to make a statement that the listener would find interesting. The most interesting things in the interview were, that he said that he thinks he will die soon if he stops singing at the opera (What he actually did later the same year and he died 3 years later with 80), that the interviewer is still enthusiastic about the freshness of his voice and that Philipp always dreamt of singing Lohengrin but renounced to do so because it could have impaired the health of his voice (even if he tried Siegmunds "Winterstürme" for the record.)

The late Lied recordings are not here for listening, but 13 other titles are, and so you can get an impression of this enduring and seemingly indestructible singer.





Sonntag, 24. Juli 2016

Die Lebensgeschichte von Bruno-Seidler Winkler (1880 - 1960)

Bruno Seidler-Winkler war ein universeller Musiker, der sein Leben hauptsächlich in den Dienst der Schallplatte gestellt hat. Am bekanntesten für Sammler wurde er dadurch , dass er zwischen 1903 und 1923 Aufnahmeleiter bei der Deutschen Grammophon war und bei unzähligen Aufnahmen der Klavierbegleiter oder Orchesterdirigent und Arrangeur des Grammophon-Orchesters war. Absolutes Gehör, Wendigkeit und blitzschnelle musikalische Auffassungsgabe sowie technisches Verständnis für die besonderen Bedingungen der Schallaufnahme zeichneten ihn aus und machten ihn zum universellen musikalischen Begleiter und Produzenten in der Frühzeit und Blütezeit der Schallplatte.

Bruno Seidler-Winkler
Vor einigen Jahren (ca. 2005 oder eher) erschien in Sammlerkreisen eine CD, auf der sein Sohn Ralph Winkler über das Leben seines Vaters erzählte. Obwohl ich diese nur als Kopie habe und das Original-Cover nicht kenne, möchte ich sie hier teilen, angeregt durch den Artikel meines Blog-Freundes Satyr (http://satyr78kl.blogspot.de/2016/06/bruno-seidler-winkler-1936-1939.html ).

Biographische Erzählungen sind nie objektiv, sondern beinhalten Geschichten, die der Erzähler nach seinem Erleben umgestaltet hat und die seiner Lebenswirklichkeit entsprechen. Auch die Erzählungen von Ralph Winkler enthalten Aussagen, die man hinterfragen kann und die nicht immer die ganze Wahrheit wiedergeben (können). Dennoch kann man einige Fakten zusammenstellen, die das Leben von Bruno Seidler-Winkler in den wichtigsten Umrissen erkennen lassen.

Bruno Seidler-Winkler wurde 1880 in eine kinderreiche Familie geboren. Sein Vater leitete das Seidler-Orchester (ein professionelles Klassik- und Unterhaltungsorchester) in Berlin und war Klavierstimmer. Bruno lernte bereites mit vier Jahren das Klavierspielen und musste schon früh durch Auftritte in Tanzlokalen etc. mit für das Familieneinkommen sorgen. Er arrangierte, spielte vom Blatt, transponierte vom Blatt und hatte ein Ohr für das, was klingt und wirkt. Früh arbeitete er bei der Edison-Gesellschaft, allerdings bestimmt nicht ab 1888, wie Ralph Winkler nahelegt, sondern vielleicht ab 1898 oder 1899. 1903 wechselte er zur Deutschen Grammophongesellschaft und wurde künstlerischer Direktor dieser Schallplattenfirma und damit verantwortlich für die künstlerische Seite der Aufnahmen unter Berücksichtigung der technischen Möglichkeiten. 1923, also in der Zeit der Inflation und Armut in Deutschland, wollte er zur Brunswick nach Amerika wechseln. Nach knapp zwei Jahren wurde er vertragsbrüchig und kehrte nach Berlin zurück, weil er den Posten des Chefdirigenten beim neugegründeten Rundfunk-Symphonieorchesters Berlin angeboten bekam (Funkstunde Berlin). Parallel arbeitete er für die Schallplattenfirma Tri-Ergon. 1933 nach dem Machtantritt der Nazis musste er den Posten aufgeben, weil er als Jude bezeichnet wurde. Ralph Winkler deutet an, dass ein paar jüdische Vorfahren im Stammbaum waren. Dass seine Entlassung hauptsächlich daran lag, dass er einen amerikanischen Wagen fuhr und gerne französische Instrumente verwendete, ist vermutlich eher eine schöne Legende von Ralph Winkler. So hatte BSW wohl ab 1933 Berufsverbot, bis ihn 1935 die Electrola, die in englischem Besitz war, als Dirigent und Begleiter einstellte. Hier arbeitete er auch mit dem Meister-Sextett, den Resten der aufgelösten Comedian Harmonists. 1943 endete kriegsbedingt die Aufnahmetätigkeit in Berlin, und er wurde zusammen mit seiner Frau kriegsdienstverpflichtet für die Truppenbetreuung. Ralph Winkler erzählt, dass er und seine Frau vierhändig für Soldaten Klavier spielten und andere Musiker und Sänger bei Truppenkonzerten begleiteten.
Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitete er noch als Arrangeur beim RIAS Berlin und für die Rixdorfer Blasmusik, trat aber nicht mehr auf, weil sein Gehör stark gelitten hatte. 1960 erhielt er zum 80. Geburtstag das Bundesverdienstkreuz und starb wenige Wochen danach. Manches von seinem Charakter bleibt undeutlich, aber die Erzählungen seines Sohnes lassen doch manche Anekdote lebendig werden. Am Ende der CD werden noch zwei Aufnahmen mit Marcel Wittrisch vorgestellt, von denen er eine arrangiert hat..

Teile der Erzählungen von der CD sind abgedruckt auf der Website "Podium Wolfgang Wendel" (siehe hier). Die Bilder habe ich auch von dort kopiert. Ich hoffe, dass Herr Wendel nichts dagegen hat und empfehle das Studium seiner zahlreichen Beiträge über Musiker und historische Aufnahmen. Er bietet auch selbst produzierte CDs an, vor allem mit historischen Geigenaufnahmen von Vasa Prihoda und Georg Kulenkampff. Es ist möglich, dass die Ralph Winkler-CD von Herrn Wendel selbst herausgegeben wurde. Ich habe sie aber in seinen Verzeichnissen nicht gefunden, und es ist auch nicht zu erkennen, ob die Website in den letzten Jahren gepflegt wurde (die letzten angegebenen Termine sind von 2013).


Bruno Seidler-Winkler mit Frieda Hempel



"Mein Vater Bruno Seidler Winkler" - unknown interview CD with his son Ralph Winkler

(tracked and tagged by me)



DOWNLOAD MP3







Bruno Seidler-Winkler mit seinem Sohn Ralph


Here you can get an Interview CD (in German) with the son of Bruno Seidler-Winkler about his life and work. He also tells anecdotes about Richard Strauss, Marcel Witrisch and others. Among collectors BSW is known as the chief pianist, arranger and conductor of the Deutsche Grammophon Gesellschaft from 1903 until 1923, i.e. nearly the whole acoustic area. He participated in thousands and thousands of recordings and guaranteed the artistical quality of the recordings for the Deutsche Grammophon Gesellschaft. From 1925 until 1934 he worked for the German Broadcast as principal conductor of the Symphony orchestra. In parallel he recorded for the short-lived record company Tri-Ergon. Under the Nazis he lost the work at the broadcast (maybe because of some Yewish ancestors) and continued working for the Elctrola from 1935 until 1943 when due to the war recordings stopped. Until the end of the war he served as musical entertainer and accompanist for singers for concerts for soldiers. After the war he worked a few years as an arranger and retired, becaus his hearing was impaired. In 1960 he died.
You can hear him accompanying on nearly every acoustical German Grammophon record and on some late recordings in the blog of Satyr, whose article inspired me to look for informations about this recording pioneer and versatile musician. Hear him conducting music for the Olympic games, which were held in Berlin as a big Nazi propaganda event nearly exactly eighty years ago.

Satyr: http://satyr78kl.blogspot.de/2016/06/bruno-seidler-winkler-1936-1939.html

A blog where you can find some more photos and a few informations about the CD:
http://www.podium-wendel.de/222.html


Ralph Winkler, born 1924 in New York


Sonntag, 29. Mai 2016

Schellack im Web:Die Discography of American Historical Recordings (DAHR)


Rosalia Chalia (1864-1948)



Bei meinen Reisen durch die Welt des Internets stoße ich immer wieder auf wichtige Quellen für diskographische Angaben und auch auf historische Aufnahmen, die über die betreffende Website zugänglich sind. Auf solche wertvollen Seiten möchte ich in meinem Blog gerne hinweisen. 

So fand ich schon vor einiger Zeit die Encyclopedic Discography of Victor Recordings (EDVR) und wollte immer mal einen Artikel darüber schreiben. Sie brachte als Datenbank ein Verzeichnis aller akustischen und einiger elektrischen Victor-Aufnahmen und gab darüber hinaus die Möglichkeit, sich viele dieser Aufnahmen auch anzuhören. Als ich neulich wieder auf die Seite zugreifen wollte, stellte ich fest, dass es diese Victor-Diskographie so, wie ich sie kenne, nicht mehr gibt. Sie ist aufgegangen in einem größeren Projekt, der Discography of American Historical Recordings (DAHR), Die Vorteile blieben aber erhalten: neben den Angaben zu den Victor Matrixnummern (unter Heranziehung der originalen Aufnahmebücher) kann man Titel in voller Länge abspielen. Dazu sucht man am besten nach dem Künstler und bekommt dann eine Liste mit seinen Aufnahmen angezeigt, wobei auch angegeben ist, welche Titel man anhören kann. Wenn man auf eine Angabe klickt, kommt man auf eine Seite, die dann nur dieser einzigen Aufnahme gewidmet ist und alle veröffentlichten Bestellnummern, aufgenommenen Takes mit Datum sowie weitere Angaben aus den Aufnahmebüchern angibt. Dort findet man dann auch einen Flash-Player, über den man das Stück anspielen kann. Dieses Angebot besteht nicht bei allen Titeln, Manche Titel sind verschollen und in Sammlungen nicht zu finden. Andere sind noch nicht erfasst. Es bleibt zu hoffen, dass es im Laufe der Jahre immer mehr Sounddateien werden und dass man diese eines Tages auch kostenlos herunterladen kann.

Auf der neuen DAHR Website sind auch die Verzeichnisse der Aufnahmen von Brunswick, Columbia und Okeh, sowie die Angaben zu Berliner Records (1892-1900) in die Datenbank eingebettet. Das macht es schwieriger, einfach mal zu stöbern und zu blättern, und man muss sich immer wieder neue Suchanfragen ausdenken, um übersichtliche Verzeichnisse studieren zu können. Ich habe auch bei den neu hinzugekommenen Schallplattenmarken noch keine Aufnahme gefunden, die man hätte anhören können. Dies ist wohl geplant, aber noch nicht umgesetzt. Bei der Listung der Aufnahmen sind bislang vor allem die frühen Aufnahmen und Aufnahmen mit Populärer Musik erfasst. Ein paar Versuche ergaben z.B.: Sigrid Onegin oder Tino Pattiera, die beide Brunswick-Aufnahmen gemacht haben, sind nicht gelistet. Von Alexander Kipnis tauchen ein paar elektrische Columbia-Titel auf, von Ernst Wolff gar nichts. Dafür findet man, wenn man nach Francesco Daddi sucht, eine Liste mit 23 Victor-Titeln, ca. 90 Columbia-Titeln sowie 6 Grammophon- und eine Zonophon-Aufnahme. Von diesen  120 Titeln sind leider nur sieben Titel anhörbar, und zwar alles Victor-Aufnahmen.
Von Hulda Lashanska sind aus den Jahren 1916-1932 insgesamt 82 Aufnahmen gelistet, sowohl von Victor als auch von Columbia. Davon kann man jedoch keine einzige anhören. 

Fazit: Ein vielversprechendes Projekt, das weiter ausgebaut werden sollte und zumindestens was die Victor -Aufnahme angeht, unschlagbar ist in der Informationsfülle. Die Menge der auf der Website anhörbaren Titel ist noch deutlich steigerungsfähig!



So sieht die Seite aus! Allgemeine Informationen unter "Ressources", Zugriff auf die Datenbanken unter "Search"

Link: http://adp.library.ucsb.edu/index.php/resources


Wie ich bereits erwähnte, kann man die Titel nicht herunterladen. Man kann sie aber natürlich in Echtzeit aufnehmen, wenn der eigene Computer dafür eingerichtet ist (Mein neuester Computer hat eine ins Motherboard integrierte Soundkarte, die keine Aufnahme zulässt. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ihn nicht gekauft...!).. Vor zwei Jahren habe ich mir die Mühe gemacht und ein paar frühe Victor-Aufnahmen meines Pseudonymgebers Emilio de Gogorza aufgenommen. Da es in meinem Blog möglichst zu jedem Artikel immer auch Musik geben soll, möchte ich diese hier teilen. 

De Gogorza war ein Pionier der Schallplattenaufnahme und von Anfang an bei Victor dabei. In der Datenbank gibt es 595 Einträge von ihm mit Aufnahmen zwischen 1900 und 1928. Davon sind z.Zt. 46 anhörbar. Ein oder zwei, die ich damals aufgenommen habe, sind nicht mehr dabei. Vielleicht werden sie irgendwann wieder freigegeben.

Man hört, dass das Vorbild von de Gogorza der Bass Pol Plancon war. Er singt wie dieser immer sehr kultivierte Linien und mit schönem Legato, ohne veristische Gefühlsausbrüche, Für die deutschen Leser hier noch die Auszüge aus dem Sängerlexikon:


Chalia, Rosalia, Mezzosopran/Sopran, * 17.11.1864 Havanna, † 16.11.1948 Havanna; ihr eigentlicher Name war Rosalia Herrera del Castillo; sie war die Tochter eines Großadmirals der spanischen Marine. Bereits mit acht Jahren begann sie zu singen, mit zwölf sang sie bei einem Empfang für den amerikanischen Präsidenten Grant. Sie studierte bei Sbriglia in Paris und bei Coronaro in Mailand. Noch ehe sie ihre Karriere aufnahm, heiratete sie und zog sich aus dem Musikleben zurück. 1894 schloß sie sich dann doch der Hinrichs Opera Company an. 1898 kam sie an die Metropolitan Oper New York, wo sie als Santuzza debütierte, aber sonst kaum in Erscheinung trat. (Sie sang dort einmal die Santuzza und einmal die Aida). Sie unternahm anschließend eine Tournee mit der Damrosch-Ellis Opera Company und trat 14 Jahre hintereinander an der Oper von Mexico City auf. 1900-08 leitete sie eine eigens von ihr zusammengestellte Operngesellschaft, mit der sie Kuba, Mexiko, Mittelamerika und Venezuela bereiste. Sie beherrschte rund 50 Partien sowohl aus dem Sopran- als auch aus dem Mezzosopran-Bereich. 1916 stand sie in Venezuela letztmalig auf der Bühne. Sie lebte dann in New York und machte sich um die Einführung junger spanischer und südamerikanischer Sänger in den USA verdient. 1947 kehrte sie in ihr Geburtsland Kuba zurück.

Sie gehört zu den ersten Sängerinnen, die Schallplattenaufnahmen gemacht haben. Bereits 1896 sang sie auf Bettini-Zylindern; 1900 entstanden Zonophone- Platten, seit 1901 Aufnahmen auf Victor, von denen die letzten 1913 erschienen. Alle zeigen eine hervorragend geschulte, warm timbrierte Sopranstimme von hervorragender Technik.
[Lexikon: Chalia, Rosalia. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 4107 (vgl. Sängerlex. Bd. 1, S. 613 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


de Gogorza, Emilio, Bariton, * 29.5.1872 Brooklyn/New York als Sohn spanischer Eltern, † 10.5.1949 New York. Er kam als Kind von zwei Monaten nach Spanien, erhielt teils dort, teils in Frankreich und England seine Erziehung. Er sang als Knabe im Choir of the Brompton Oratory in London und nach seinem Stimmbruch in St. George's in Windsor. Der Herzog von Norfolk riet dringend zu einem professionellen Gesangstudium, das er dann in Nordamerika absolvierte. Später war er noch in Paris Schüler des Pädagogen Bourgeois. In den USA studierte er bei Moderati und Agramonte in New York. Er debütierte 1897 in New York in einem Konzert, in dem auch die berühmte Primadonna Marcella Sembrich auftrat, die er dann als assisting Artist auf einer Tournee begleitete. Er wurde schnell als Konzertsänger in Amerika bekannt, vor allem aber durch seine vielen schönen Schallplattenaufnahmen. Lange Jahre war er der künstlerische Leiter der Victor Company (eines der größten Schallplatten-Unternehmen der Welt). Auf der Bühne ist er nie erschienen, angeblich weil ihn eine starke Kurzsichtigkeit beim Bühnenspiel behinderte. Einige Jahre war er seit 1911 mit der gefeierten Sopranistin Emma Eames (1865-1952) verheiratet, mit der ebenfalls ausgedehnte Konzertreisen unternahm. Insgesamt ist er in 17 großen Konzerttourneen in Nordamerika aufgetreten; er sang dort als Solist mit allen führenden Orchestern zusammen und stand im Mittelpunkt zahlreicher Musikfeste. Er ist bis in die dreißiger Jahre aufgetreten und war seit Mitte der zwanziger Jahre auch pädagogisch tätig. 1926-40 leitete er als Direktor die Gesangsabteilung des Curtis Institute of Music in Philadelphia. Zu seinen Schülern gehörten u.a. John Brownlee und Conrad Thibault. - Der Künstler besaß eine der schönsten Baritonstimmen seiner Zeit, sowohl durch ihre dunkle Tonfülle als auch durch ihre musikalische Aussagekraft ausgezeichnet.

Emilio de Gogorza gehört zu den Sängern seiner Epoche, die die meisten Schallplatten hinterlassen haben. Diese erschienen unter verschiedenen Künstlernamen; die erste Aufnahme auf Berliner Records bereits 1898 unter dem Namen E. Francisco. Als Carlos Francisco sang er auf Zonophone (1900-01), auf Climax (ca. 1901), auf Eldrige R. Johnson Records und auf Victor (1903-05); unter dem Namen Edward Franklin erschienen Aufnahmen bei Zonophone und auf der Marke Climax; als M. Fernand auf Eldridge R. Johnson Records und auf Victor, als Herbert Goddard auf den beiden gleichen Marken zu hören, unter seinem wirklichen Namen Emilio de Gogorza auf Victor; hinzu kommen (unter diesem Namen) Edison-Zylinder und -Platten. Seine Victor-Aufnahmen erschienen seit 1904, und seitdem exklusiv auf dieser Marke, bis 1928. Darunter finden sich Duette mit Emma Eames, Enrico Caruso, Marcella Sembrich und Tito Schipa. Erst viel später kam eine elektrische Aufnahme, das Lied »Voici que le printemps« von Debussy, zur Veröffentlichung.
[Lexikon: de Gogorza, Emilio. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 5439 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 816 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]




Der junge Emilio de Gogorza (1872-1949)





Emilio de Gogorza - Early Recordings from the DAHR


  1. Don Giovanni: La ci darem la mano (Mozart), as Carlos FRANCISCO, with
      Rosalia CHALIA, Victor 3401 (no matrix), rec. 24.V.1901
  2. Serenata Aragomesa (unknown composer), as Carlos FRANCISCO, with
      Rosalia CHALIA, Victor 3403 (no matrix), rec. 24.V.1901
  3. Vivo e t'amo (Campana), as Carlos FRANCISCO, with Rosalia CHALIA
      Victor 3404 (no matrix), rec. 24.V.1901
  4. Carmen: Si tu m'aimes (Bizet), as Carlos FRANCISCO, with Rosalia CHALIA
      Victor 3406 (no matrix), rec. 24.V.1901
  5. Barbiere di Siviglia: Largo al Factotum (Rossini), as Signor Carlos FRANCISCO
      Victor 3056 (no matrix), rec. 22.I.1901
  6. The lost chord (Sullivan), as Signor Carlos FRANCISCO
     Victor 3057 (no matrix), rec. 22.I.1901
  7. Cancion National Chilena, as Signor Carlos FRANCISCO
      Victor 3266 (no matrix), rec. 12.IV.1901
  8. Martha: Canzione del Porter (Flotow), as Signor Carlos FRANCISCO
       Mx. B-1106 (Take 2), Victor 2708, rec. 11.III.1904
  9. Dormi pure, Romanza (Scuderi) , as Signor Carlos FRANCISCO,     
      Mx. B-1456, Victor 1343 (Probably Take 1; Take 4 from a later date was also 
      issued), rec. 6.VI.1904

From my own collection two more records, which just fit in well:

10. La Sevilliana (Yradier), mx. B-1764, Victor 4162, rec. 12.X.1904

11.  La Sonnambula: Vi ravviso (Bellini), as Signor FRANCISCO, Mx. B-1459, 
       Victor 1342, rec. 25.III.1902 

All recordings were issued as single sided 10 inch records (25 cm). Nos. 1-5 and 7, 9, 11 are with piano accompaniment, No. 6 is with organ and 8 and 10 with "orchestra".



DOWNLOAD MP3 256 KB/s


Emilio de Gogorza Victor 4162, Mx. B-1764, rec. 12.X.1904

Emilio de Gogorza as Sig. Francisco, Mx. B-1459, Victor 1342, rec. 25.III.1902



Sticker on the back of Victor 4162 - 1,00 Dollar each



In this article I recommend to you the Website of the Discography of American Historical Recordings (DAHR), which is the succesor to the old Encyclopedic Discography of Victor Recordings (EDVR). In the introduction they write:



Welcome to the Discography of American Historical Recordings (DAHR), a database of more than 130,000 master recordings made by American record companies during the 78rpm era. It is part of the American Discography Project (ADP)—an initiative of the University of California, Santa Barbara and the Packard Humanities Institute that is edited by a team of researchers based at the UCSB Library. The DAHR is an expansion of the Encyclopedic Discography of Victor Recordings (EDVR) database. It incorporates all the contents of the former EDVR database and adds previously published discographic works under license from various publishers, folding them into the search and display framework of DAHR.


Additional to the acoustic Victor matrix numbers there is also a database of Columbia, Brunswick, early Berliners (1892-1900) and Okeh. In the Victor section many or some, depending on your view, recordings are listenable in full lenght. I have recorded some time ago a few early recordings of Emilio de Gogorza, who is one of the recording pioneers of serious music, together with Rosalia Chalia and Ferruccio Giannini, the father of Dusolina Giannini. The playlist can be found above with a few recordings between 1901 and 1904, There are 588 entries for de Gogorza in the database, and you can listen to 46 of his recordings. As you can not download the titles, you must record them in real time - an exercise I undertook for a few titles whch I now share with you.

A biographical article of Emilio de Gogorza is on the Marston website (relaunch in new design!): http://www.marstonrecords.com/collections/singer/products/degogorza

For Rosalia Chalia, of whom you hardly can find some useable pictures in the web, there is also a Marston CD with a biographical article: http://www.marstonrecords.com/collections/singer/products/chalia 
Ward Marston writes: Chalia photos are extremely scarce. Despite efforts to find more photos, Marston has utilized all that could be located.

If you like to hear Ward Marston chat about Chalia (and see some photos of her), you can do it on Youtube: 

https://www.youtube.com/watch?v=emKuJbuP4jE
https://www.youtube.com/watch?v=W49CFni8wYI

The DAHR-website: http://adp.library.ucsb.edu/index.php/resources




Sticker on the back of Victor 1342, 60 cent each